Tanja Bernauer vom Verein Kunterbunte Inklusion mit Sohn Maximilian übergibt ein Masken-Set an Ergotherapeutin Nina Landgraf (links). 
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Tanja Bernauer vom Verein Kunterbunte Inklusion mit Sohn Maximilian übergibt ein Masken-Set an Ergotherapeutin Nina Landgraf (links). 

Corona-Initiative

Masken für ein sichtbares Lächeln

Schutzmasken sind in den Corona-Zeiten unabdingbar, an vielen Orten Pflicht. Für Menschen mit einer Beeinträchtigung oder auch für Senioren bedeuten sie jedoch eine massive Einschränkung ihrer Kommunikation. Deshalb hat eine Initiative ganz besondere Masken hergestellt.

VON PETRA SCHAFFLIK

Dachau – Egal ob Supermarkt oder Biergarten, Arztpraxis, Schule oder Linienbus: Ein Mund-Nasen-Schutz ist jetzt überall Pflicht. Egal ob aus Stoff oder Vlies, die Maske muss dauernd oder doch zeitweise so gut wie überall getragen werden.

Aber was dem Infektionsschutz dient, bedeutet gerade für Menschen mit einer Beeinträchtigung oder auch für Senioren eine massive Einschränkung ihrer Kommunikation. So sind Gehörlose auf die Mimik ihres Gegenübers angewiesen, gerade Kinder mit Handicap lesen Emotionen und Kontext einer Botschaft in den Gesichtszügen. Der Dachauer Verein Kunterbunte Inklusion hat deshalb die Initiative ergriffen und spezielle Community-Masken mit Sichtfenster herstellen lassen.

Diese geben durch eine Folie den Blick frei auf die Mundpartie. „Denn ein Lächeln ist einfach enorm wichtig“, erklärten Tanja Patti und Tanja Bernauer vom Verein Kunterbunte Inklusion jetzt bei der Übergabe eines Masken-Sets an das Team der Ergotherapie-Praxis Nina Landgraf.

Die besonderen Masken, die der Verein kostenlos abgibt, wollen die Ergotherapeutinnen nun „auf Herz und Nieren prüfen“. Praxis-Inhaberin Nina Landgraf ist überzeugt, dass gerade jüngere Kinder, aber auch ältere Patienten etwa mit Demenz enorm profitieren. „Denn es ist schon erstaunlich, wie viel es bei der Therapie ausmacht, wenn die Mimik fehlt.“

Die Idee zur ungewöhnlichen Masken-Aktion entstand, als entsprechende Nachrichten über soziale Medien aus Italien bekannt wurden, berichtet Tanja Patti. Die engagierten Mitstreiter der Kunterbunten Inklusion waren sich rasch einig, dass derartige Masken enorm wichtig wären. Dass gerade Kinder mit Handicap bei Logopädie, Ergotherapie oder im Kontakt mit der Schulbegleitung profitieren würden von dem Sichtfenster, das ein Ablesen von den Lippen ermöglicht.

Rasch wurden Mitstreiter gefunden, um derartige Hilfsmittel hier in Dachau herzustellen. Trachten Ullman spendete Stoff und Nasenbügel, auch der Lions-Club unterstützte, und über die Corona-Hilfe wurden ehrenamtliche Näherinnen gefunden.

Eine davon ist Stefanie Frölian-Möller, die schon 550 normale Stoffmasken für Freunde und Schule genäht hatte – und sich dann erneut an die Nähmaschine setzte, vier Tage damit zubrachte, um 30 der aufwändigen Sichtfenster-Masken zu fertigen. Da sie in einer Klinik arbeitet, weiß sie aus dem beruflichen Alltag, wie oft ein Lächeln oder ein aufmunternder Blick im Kontakt mit Patienten wichtig wäre, der nun an der Maske scheitert.

Auch Ina Kotheder erlebt als Mitarbeiterin einer Arztpraxis die Bedeutung der Mimik, gerade bei älteren Patienten. Deshalb hat auch sie mitgeholfen. Insgesamt acht Näherinnen haben schließlich über 200 Masken gefertigt. Die Nachfrage wäre noch viel größer, „aber wir haben dann Stopp gesagt“, erklärt Tanja Patti. Denn als über soziale Netzwerke publik wurde, dass der Dachauer Verein diese speziellen Masken herstellt, „kamen Anfragen aus ganz Deutschland und bis aus Italien“. Doch die vielen Anfragen „können wir nicht bewältigen“. Zwar hätte die Fertigung der speziellen Masken zur Geschäftsidee werden können. „Aber wir wollen damit nichts verdienen, wir wollen helfen, möchten Barrieren abbauen und viele glücklich machen.“

Nun werden die bereits gefertigten und vorbestellten Masken verteilt, unter anderem an Schulbegleiter, die Kinder mit Handicap im Unterricht unterstützen, oder an Therapeuten. Auch alle Behindertenbeauftragten im Landkreis werden ein Exemplar erhalten. „Wir freuen uns, möglichst vielen Menschen ein sichtbares Lächeln zu ermöglichen“, betont Bernauer.

Erste Rückmeldungen sind durchweg positiv. Auf Fotos, die bis aus Rostock kommen, lächeln Schüler und Pädagogen durchs Sichtfenster der besonderen Masken aus Dachau. Auch bei Besuchen in Alten- und Pflegeheimen habe sich die Maske schon bewährt, hat Patti erfahren. Für den Verein Kunterbunte Inklusion ist das Projekt „Community-Maske mit Sichtfenster“ damit fast abgeschlossen.

Aber noch nicht ganz. Da es nach wie vor viele Anfragen gibt, wird in den kommenden Tagen eine detaillierte Näh-Anleitung plus Reinigungshinweis im Internet und auf Facebook veröffentlicht. Natürlich kostenlos, allerdings freut sich der Verein über eine Spende. Infos dazu gibt es unter www.kunterbunte-inklusion.de.

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