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Die Mariabrunner Wirte Bernhard Öttl (l.) und Simon Radlmayr kümmerten sich 19 Jahre Jahre lang in Schlosswirtschaft und Biergarten um das Wohl der Gäste.

Bernhard Öttl und Simon Radlmayr verlassen Mariabrunn

Zwei Wirte mit Herzblut nehmen Abschied

Bernhard Öttl und Simon Radlmayr haben Schlosswirtschaft und Biergarten Mariabrunn zu dem gemacht, was sie heute sind: ein Aushängeschild. Doch jetzt verlassen die beiden schweren Herzens Mariabrunn.

Mariabrunn– Der Kirchweihsonntag ist im Dachauer Hinterland ein besonderes Fest. In Mariabrunn ist der 21. Oktober heuer aber ein besonders trauriger Tag: Die Schlosswirtschaft mit Biergarten von Bernhard Öttl (49) und Simon Radlmayr (55) öffnet an diesem Kirchweihsonntag zum letzten Mal. Die beiden Kompagnons haben ihren Pachtvertrag gekündigt. Einen Nachfolger gibt es noch nicht.

29 Jahre lang sind Öttl und Radlmayr, der Wirt und der Küchenmeister, gleichberechtigte Geschäftspartner, 19 Jahre lang führten sie die Gastronomie in Mariabrunn. Jetzt fehlt die Kraft: zuviel Bürokratismus, Personal-Mangel in der Biergartenzeit und daraus resultierend zu wenig Zeit, „in der ich mich um meine Gäste kümmern kann“, sagt Öttl.

Und genau das war ja der Grund, warum er Wirt geworden ist: weil er den Umgang mit Menschen gerne mag, weil er sich mit Leidenschaft um die Gäste kümmern will, erklärt Öttl. Er war 20 Jahre alt, als er zusammen mit seinem Spezl – sie kannten sich von der Knabenkapelle Dachau – den Alten Wirt in Fahrenzhausen übernahmen. „Für mich war das immer schon ein Traumberuf“, aber seine Eltern bestanden vorher darauf, dass er „was Gscheids“ lernt. Darum hat Öttl eine Lehre zum Versicherungskaufmann absolviert, bevor er dann mit Simon Radlmayr, Koch, Küchen- und Metzgermeister, Wirt in Fahrenzhausen wurde. Die Eltern und Geschwister der beiden unterstützten sie – so wurde der Alte Wirt „zu einem Schmuckstück“.

Zehn Jahre später sollte sich diese Geschichte wiederholen – in anderer Dimension: Öttl und Radlmayr trafen Dr. Florian Breitling, Gutsbesitzer von Mariabrunn, der wiederum auf der Suche nach einem Pächter für die Gastronomie war. „Und wir haben die Vision gehabt, das im gastronomischen Schlaf befindliche Mariabrunn wieder zum Leben zu erwecken“, erzählt Öttl schmunzelnd.

Nach sieben Wochen war die Wirtschaft generalsaniert – „die Handwerker haben Tag und Nacht gearbeitet“. Mit Herzblut, Unterstützung von Familie und Freunden und in Zusammenarbeit mit der Besitzerfamilie sei der Traum wahr geworden. Im November 1999 ist die Schlosswirtschaft eröffnet worden. „Hedi Heres hat am ersten Tag ihren Geburtstag bei uns gefeiert“, berichtet Bernhard Öttl ein bisschen stolz. Er selbst hängte damals seine Musikerkarriere bei der Blechblos’n an den Nagel – er wollte ganz und gar Wirt von Mariabrunn sein. „Und es ist von Anfang an gut gelaufen.“

Der Rest ist wieder Geschichte: Die beiden Geschäftspartner widmeten sich wirklich ganz und gar ihrem Traum: Mariabrunn. Sie verbrachten hier Heilige Abende, Ostersonntage, und wenn andere im Sommer in ferne Länder reisten, planten sie am Vormittag den Einkauf und widmeten sich am Nachmittag den Gästen im Biergarten. Es kamen Schauspieler, Sportler, Fußballer – sogar die Staatsregierung richtete ihre Weihnachtsfeier hier aus.

„Aber am wichtigsten sind uns die Stammgäste“, sagt Öttl. „Davon lebt unsere Wirtschaft.“ Öttl und Radlmayr ist der Kontakt zu den Gästen sehr wichtig. „Ein Stammgast hat einmal gesagt: Wenn du nicht da bist, schmeckt das Essen anders. Dabei hab’ ich vom Kochen so viel Ahnung, dass ich das Wasser anbrennen lass’“, erzählt Öttl und lacht.

Die Schlosswirtschaft gehört zu den besten Landgasthäusern in Bayern, der Biergarten wird in namhaften Biergartenführern als „schönster aller Biergärten“ bezeichnet. „Aber ein perfekter Koch und ein guter Wirt sind nicht genug, um das zu erreichen“, betont Öttl. „Man braucht auch einen kreativen Hintergrund, damit sich die Gäste wohl fühlen.“ Diesen Part hat Karin Öttl (54) übernommen, schon in Fahrenzhausen gehörte sie fest zum Team. Sie hat den Blick für Innenarchitektur, das Gespür fürs Ambiente – und „prägt den Charakter der Wirtschaft“.

„Und außerdem haben wir super Personal“, sagt Bernhard Öttl, und seine Augen werden ein bisschen glasig. „Unsere Mitarbeiter unterstützen uns seit Beginn voll, es sind viele Freundschaften entstanden.“ Er macht eine kurze Pause. „Unser Personal sind unsere Freunde. Und sie sind jetzt alle sehr traurig.“ Öttl kümmert sich darum, dass jeder Einzelne wieder eine Stelle findet und gut unterkommt: „Ich lass mein Personal doch nicht im Stich!“

Gutes Personal zu finden, ist heutzutage in der Gastronomie nicht einfach. Gerade im Biergarten, der wegen der Wetterabhängigkeit oft kurzfristig viele Aushilfen benötigt, sei es in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden, die Stellen von erfahrenen Mitarbeitern, die in Ruhestand gehen, nachzubesetzen. „Da ist eine Lücke geblieben“, sagt Öttl. Dazu kam der Bürokratismus, dem auch Gastronomie-Betriebe ausgesetzt sind. „Ich brauch mehr Zeit für die Bürokratie als für die Gäste – aber ich bin doch eigentlich Gastwirt geworden“, sagt Öttl. Und so ließ Laufe der Zeit die Kraft nach.

Öttl betont, dass er mit seinem Verpächter, dem Mariabrunner Gutsherrn Dr. Florian Breitling, immer ein gutes, professionelles Verhältnis hatte. Das bestätigt auch Breitling: „Ich bin stolz, mit Herrn Öttl und Herrn Radlmyar in 19 Jahren immer ein gutes Einvernehmen gehabt zu haben, das müssen uns andere erst einmal nachmachen.“ Breitling ist natürlich, was die Nachfolge-Frage angeht, nicht untätig geblieben. Er habe mit mehreren Bewerbern Gespräche geführt, aber noch keine Entscheidung treffen können, „weil einfach nicht jeder Wirt für Mariabrunn passt“. Breitling wolle die Zeit bis zum Frühjahr nutzen, um verschiedene Instandsetzungsarbeiten durchführen zu lassen. „Die Schlosswirtschaft und der Biergarten starten auf alle Fälle in ein paar Monaten wieder, allerdings mit einem neuen Pächter“, versichert Breitling.

Bernhard Öttl und Simon Radlmayr, der seit vielen Jahren gesundheitlich angeschlagen ist, haben für sich beschlossen: „Wir haben zusammen angefangen, wir schließen zusammen.“ Bald können sie wieder „Kraft tanken“. Öttl fährt in die Berge, auf seine Hütte. Nach dem Tag, an dem er die Schlosswirtschaft zum letzten Mal aufsperrt – „am Kirchweihtag, wie es sich für eine bayerische Wirtschaft gehört“.

no/ost

Mitte März war klar: Die Schlosswirtschaft und Biergarten Mariabrunn haben neue Pächter. Wiedereröffnung soll noch im März sein.

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