Wartet erst mal ab: Claudia Augustin vom „Zaunkönig“ in der Altstadt.
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Wartet erst mal ab: Claudia Augustin vom „Zaunkönig“ in der Altstadt.

Eine Perspektive für Gastronomie und Kultur

In Sachen Neuanfang herrscht geteiltes Echo

Dachau – Ministerpräsident Markus Söder hat auf der gestrigen Pressekonferenz Lockerungen ab einer 7-Tage-Inzidenz unter 100 in Aussicht gestellt. Außengastranomie, Theater, Kino könnten schon ab nächster Woche öffnen. Die Dachauer Nachrichten haben Gastronomen und Kulturveranstalter gefragt, ob sie bereit wären. Die einen stehen schon in den Startlöchern, doch nicht alle Gastronomen sind von diesen Ankündigungen begeistert.

„Wenn’s Wetter und die Zahlen passen, dann machen wir auf!“ Manfred Valentin von der Gastwirtschaft Mariabrunn ist „gewappnet“, wie er stolz berichtet. Bier und Personal warten auf die Gäste im idyllisch gelegenen Traditionsbiergarten in der Gemeinde Röhrmoos. Dass er zwischendurch vielleicht wieder zusperren muss, macht Valentin nichts aus. Das ist er als Biergartenbetreiber allein schon vom Wetter her gewohnt. Er plant sogar eine eigene Teststation einzurichten, wie genau die aussehen soll, will er diese Woche abklären.

Verhalten begeistert äußert sich Claudia Augustin vom „Zaunkönig“ in der Altstadt. „Ich warte jetzt erst mal die offiziellen Informationen vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband ab. Auch wie das Wetter wird, muss ich erst abwarten.“ Sie führt ihr Café mittlerweile als einen „Ein-Mann-Betrieb“. Ihr Geschäftspartner bleibt solange zuhause, bis „wieder alles normal ist“, erzählt die Gastronomin, da dessen Kinder im Homeschooling sind. Personal hat sie mittlerweile keines mehr, teilweise sind Mitarbeiter in andere Berufe, etwa in die Pflege, abgewandert.

Schwierigkeiten sieht Augustin auch bei der Planung. Wie viel Ware soll sie einkaufen, wenn doch die Gefahr besteht, dass sie wegen erneut steigender Inzidenzen wieder alles dicht machen muss? Eine reduzierte Karte mit Kuchen und Süßspeisen, mit der sie jetzt schon am Wochenende arbeitet, könnte sich Claudia Augustin auch für die Lockerungsöffnungen vorstellen. Gäste müssten dann mit einem Schnelltest kommen. Aber ob und wie sie aufsperren wird, ist noch unklar.

„Eher nicht aufsperren“ wird wohl auch das Team um Roman Schmuttermaier von „Rind & Rebe“ in Dachau. „Das hört sich am Schreibtisch alles toll an, aber praktisch ist das schwierig umzusetzen“, erklärt der Dachauer Gastronom. Da er alles frisch kocht und nur hochwertige Produkte verwendet, die er bei einer Schließung wieder wegwerfen müsste, macht eine überhastete Öffnung ohne Garantien „überhaupt keinen Sinn“.

„Das war heute ein wichtiges und guten Zeichen für Kunst und Kultur in Bayern“, freut sich Kulturamtsleiter Tobias Schneider. Für konkrete Details und Projekte sei es noch zu früh, dafür gebe es zu viele Fragezeichen, so Schneider, der nun die Rahmenbedingungen und natürlich die Inzidenzzahlen in den kommenden Wochen abwarten will. Eines hat Schneider aber schon fest eingeplant: „Wir wollen, sobald es möglich ist, mit einem Modell-Konzept im Ludwig-Thoma-Haus starten“, stellt der Leiter des Amtes für Kultur, Tourismus und Zeitgeschichte in Dachau in Aussicht. Mit Luca-App, Test- und Hygienesystemen sollen bald wieder Veranstaltungen für die Dachauer möglich sein.

Mitten in den Proben für das neue Stück steckt das Hoftheater Bergkirchen. „Wir planen mit der ersten Premiere am 10. Juni“, hofft Theaterleiter Herbert Müller. In Absprache mit dem Landratsamt erarbeitet das Hoftheater ein Hygienekonzept, damit sich das Publikum bei der skurrilen Bürokomödie „Maier, Wagner, Schmitt“ auch wirklich „sicher fühlen“ kann, betont Müller.

Simone Wester

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