„München zahlt einfach besser“

Akuter Erziehermangel in Dachau: Eine Kindergärtnerin erklärt, wie hart ihre Arbeit geworden ist

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Der Stadt fehlen Erzieher. Allein im Kindergartenbereich können 57 Plätze nicht besetzt werden. Stephanie Wallner, Erzieherin im Kindergarten am Stadtwald, sieht die Stadtpolitiker in der Pflicht.

-Frau Wallner, wie sieht die aktuelle Personalsituation bei Ihnen im Kindergarten am Stadtwald aus?

Schwierig, gerade hat eine junge Kollegin gekündigt. Sie hat ein lukrativeres Angebot aus einem anderen Kindergarten bekommen.

-Aber die Stadt besetzt die Stelle doch nach?

So einfach ist das nicht. Nachbesetzt wird – kurz gesagt – immer dort, wo die Not am größten ist. Und um diese Not auszurechnen, gibt es einen sehr komplizierten Schlüssel, der sich aus Faktoren wie der Zahl der Kinder in der Gruppe, der Zahl von Kindern mit Migrationshintergrund oder Förderbedarf, den Buchungszeiten et cetera zusammensetzt. Das ist eine Mords-Rechnerei!

-Unter dem Personalmangel leidet wahrscheinlich auch die Stimmung im Team?

Klar, das ist wie eine Spirale nach unten: Bei Unterbesetzung herrscht unter den Kollegen Stress, die Stimmung wird schlechter, die Fluktuation immer höher. Wobei die Kinder genauso darunter leiden! Kinder brauchen nämlich Kontinuität und feste Bezugspersonen.

Berufsausbildung schreckt viele ab

-Die Stadtverwaltung klagt aber über immer weniger Bewerber auf die freien Erzieherstellen. Kinderpfleger gebe es dagegen genügend.

Das ist gut möglich. Erzieher ist eine fünfjährige duale Berufsausbildung, das schreckt viele ab. Kinderpfleger ist eine nur zweijährige Ausbildung. Formell als Kinderpfleger werden derzeit auch viele ausländische Diplome anerkannt, wobei hier meines Erachtens die qualitative Messlatte nicht allzu hoch gelegt wird.

-Was müsste man tun, um wieder mehr gut ausgebildete und motivierte Kindererzieher nach Dachau zu holen?

Eine Stellschraube ist sicherlich das Geld. In München beispielsweise werden Erzieher einfach eine Besoldungsstufe höher bezahlt. Außerdem darf man nicht vergessen, dass gerade in München inzwischen auch ein privater Markt entstanden ist. Und die zahlen einfach besser.

-Und die zweite Stellschraube?

Die zweite Stellschraube sind die Rahmenbedingungen. Denn Geld ist nicht alles. Wichtig für ein gutes Team sind auch Möglichkeiten der Fortbildung, des Coaching, der Supervision. Und klar, auch die Gruppengröße spielt eine Rolle.

„Nicht von der Sonne träumen, wenn es in Strömen regnet“

-Das heißt, Sie würden lieber mit kleineren Gruppen arbeiten?

Ja, klar. Aber das ist natürlich eine Utopie. Man kann nicht von der Sonne träumen, wenn es in Strömen regnet...

-In welchen Betreuungseinrichtungen werden am dringendsten Erzieher gesucht?

Ganz allgemein ist es am schwierigsten, für den Hortbereich Personal zu finden. Das sind Riesen-Gruppen. Für Dachau kommt übrigens erschwerend hinzu: Wir haben im Erzieherinnen-Bereich eine Welle von Verrentungen vor uns!

-Aber wie könnte man junge Menschen davon überzeugen, dass sie Erzieher werden sollen?

Indem man sie erstens besser bezahlt und ihnen zweitens sagt, was für ein toller Beruf das ist. Denn es kommt so viel zurück, Kinder sind so authentisch! Wer wird nach einem Urlaub schon so nett wieder in der Arbeit begrüßt wie wir Erzieherinnen, wenn uns die Kinder sagen: „Weißt du eigentlich, wie sehr wir dich vermisst haben?“

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Interview:Stefanie Zipfer

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