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Der Bus durchbrach die Wand zum Wohnzimmer: 50.000 Euro Sachschaden verursachte die Wut-Fahrt eines Mechanikers nach der Trennung von seiner Verlobten. 

33-Jähriger dreht durch

Mann rast mit VW-Bus ins Haus der Ex-Freundin: Opfer leiden noch heute unter Bus-Attacke

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Bis heute leiden die Opfer der Bus-Attacke von Markt Indersdorf unter der Tat. Der Mann, den der Angeklagte angeblich mit dem Bus totrasen wollte, hat bis heute Schlafprobleme.

Update vom 11. Mai: Mit seinem VW-Bus ist ein 33-Jähriger im vergangenen Sommer ins Haus seiner Ex-Freundin in Indersdorf gerast. Das Landgericht sieht dies als versuchten Mord an, jetzt ist das Urteil gefallen.

Update vom 25. April 2019, 18 Uhr:

Bis heute kann ein Disponent (33) aus Dachau kaum fassen, was am Abend des 14. Juni 2018 passiert ist. Als er im Badezimmer seiner neuen Freundin (30) in Markt Indersdorf war, krachte es plötzlich lautstark. „Es war als ob 1000 Scheiben zu Bruch gegangen wären“, sagt er. Er rannte zum Ort des Geschehens: Ein VW-Bus war über die Terrasse ins Wohnzimmer gerast und steckte bis zur Hälfte in der Hauswand! Es war der Ex-Freund (33) seiner Freundin, der den VW-Bus absichtlich in das Haus gesteuert hatte. Weil die 30-Jährige wegen des neuen Mannes mit ihm Schluss gemacht hatte, war der Automechaniker aus Markt Indersdorf total ausgerastet. Blind vor Liebe und rasend vor Eifersucht drehte er durch. 

Mann rast mit VW-Bus in Haus der Ex-Freundin: Prozess in München wegen versuchten Mordes

Seit Dienstag wird ihm vor dem Landgericht München II der Prozess gemacht - unter anderem wegen versuchten Mordes und Zerstörung von Bauwerken. Gestern schilderte der neue Freund vor Gericht seine Sicht der Dinge. So hatte er den Ex seiner neuen Freundin an jenem Abend zum ersten Mal gesehen – als er ihm nahe des Hauses seinen Receiver übergab. Bisher kannte er ihn lediglich indirekt – er sei immer „im Hintergrund“ gewesen, indem er die 30-Jährige mit SMS terrorisiert, ihr aufgelauert und Steine gegen das Fenster geschmissen habe. Nachdem also der Receiver übergeben war, rauchte das neue Liebes-Paar gemeinsam eine Zigarette. Dann gingen sie auf die Toilette, er oben, sie unten. „Zum Glück“, sagte er. Denn andernfalls hätte ihn die Bus-Attacke des Angeklagten das Leben kosten können. 

Nachdem er sah, dass der Bus in der Wand steckte, schrie der 33-Jährige: „Alle raus!“ Er habe Todesangst gehabt und gedacht, das Haus breche zusammen. Als er draußen war und realisierte, dass seine Freundin noch drin war, lief er allerdings wieder zurück. Dabei sah er, dass seine Freundin auf der Flucht war, ihr Ex-Freund hinterher. Als dieser sie einholte, warf er sie angeblich um und quetschte ihr das Gesicht zusammen. Dann wollte er ihr einen Faustschlag ins Gesicht versetzen. Doch der neue Freund, ein Bär von einem Mann, griff ein und nahm ihn in den Schwitzkasten. Er setzte sich mit seinen 1,96 Metern und 115 Kilogramm solange auf ihn, bis die Polizei kam. „Gefühlt zwei Stunden“ habe das gedauert. 

Angeklagter will sich neuem Freund entschuldigen: „„Das kann man nicht entschuldigen“

Längst waren auch Nachbarn zu Hilfe geeilt, die das enorme Scheppern gehört hatten. Seit der Tat hat der 33-jährige Disponent Schlafprobleme. Permanent beschäftige er sich mit der Tat, berichtete er den Richtern der Schwurgerichtskammer. „Warum macht man das?“, fragt er sich etwa, „weil man jemanden umbringen will“. Seiner Meinung nach braucht der Angeklagte psychische Betreuung. Der angeklagte Indersdorfer wandte sich nach der Aussage an sein potenzielles Opfer: „Er hat eine Entschuldigung verdient. Es tut mir leid, es tut mir wirklich leid.“ 

Doch der Angesprochene nahm die Entschuldigung nicht an. „Das kann man nicht entschuldigen“, sagte er. In einer Erklärung zu Prozessauftakt hatte der Angreifer die Tat eingestanden. Er habe jedoch nie jemandem etwas antun wollen, betonte er. „Es tut mir alles so wahnsinnig leid, ich würde es gerne rückgängig machen“, sagte er und starrte anschließend zu Boden. So wie er auch sonst im Verlaufe des Prozesses zu Boden starrt. Er selber machte zur Tat keine genaueren Angaben. Der Vorsitzende Richter gab den Hinweis, dass es für den Ausgang des Prozesses von entscheidender Bedeutung sein werde, welche Gedanken den Täter dazu trieben, mit dem VW-Bus durch die Hecke zu brettern und ins Haus zu rasen. Dennoch beantwortete der Angeklagte diese Frage des Gerichts bisher nicht. Der Prozess dauert an.

Erstmeldung: Mit Tempo 50 durch die Hecke: Mann rast mit Bus ins Haus seiner Ex-Freundin 

Markt Indersdorf – Eine Filmszene hätte nicht dramatischer sein können. In den späten Abendstunden des 14. Juni 2018 raste ein Mann mit einem kleinen Wohnmobil über den Feldweg zwischen Penny und Rewe in Markt Indersdorf (Kreis Dachau). Der 33-Jährige war außer sich vor Empörung. Plötzlich zog er das Fahrzeug auf eine Wiese, die direkt auf ein Haus zuführte. Mit Tempo 50 durchbrach er eine rund zwei Meter hohe Hecke samt Zaun und schoss über die Terrasse in das Einfamilienhaus, bis er bis zur Hälfte mit dem Bus im Eingang zum Wohnzimmer stecken blieb.

Die Hausbesitzerin, die sich ins Badezimmer begeben hatte, hörte ein lautes Scheppern. Sofort befürchtete sie, dass ihr Ex-Freund eine Scheibe eingeschlagen hätte. „Geht’s noch“, rief sie verärgert und öffnete das Badezimmer-Fenster. Da sah sie ihren einstigen Verlobten aus der Beifahrertür des Wohnmobils krabbeln. Sie ergriff sofort die Flucht, rannte aus dem Haus, er hinterher. Als er sie einholte, soll er die 30-Jährige umgeworfen und ihr das Gesicht zusammengequetscht haben. „Ich habe dich immer geliebt“, schrie er verzweifelt und drohte ihr: „Ich bringe dich um, das war dein größter Fehler.“ Doch so weit kam es nicht. Als er ihr einen Faustschlag ins Gesicht versetzen wollte, wurde er vom neuen Freund weggerissen. Vor dem Landgericht München II wurde ihm der Prozess wegen versuchten Mordes gemacht. 

Ebenfalls des Mordes verdächtigt wird ein deutscher Familienvater, der seine Frau und die zwei gemeinsamen Söhne in eine Höhle auf Teneriffa gelockt haben soll. Nun wurden zwei Leichen gefunden.

Liebe in der KFZ-Werkstatt 

Täter und Opfer hatten ursprünglich eine harmonische Beziehung gepflegt. Sie lernten sich in der Kfz-Werkstatt ihres Vaters in Markt Indersdorf kennen. Er reparierte Autos, sie war die „Bürodame“, wie der Vorsitzende Richter Thomas Bott resümierte. Es sollten jedoch zwei, drei Jahre vergehen, bis beide zueinanderfanden. Beide verbanden einige Gemeinsamkeiten. Jeder hatte bereits über viele Jahre in einer letztendlich gescheiterten Beziehung gelebt, aus der jeweils eine kleine Tochter hervorging. Schließlich zog er in das Haus ein, das die 30-Jährige zusammen mit ihrem Ex-Freund gebaut hatte. Zur Tochter seiner Freundin fand der Angeklagte guten Kontakt. Seine Tochter und seine Freundin kamen jedoch so schlecht miteinander zurecht, dass der Kontakt zur Tochter abbrach.

Anfang Juni 2018 lernte die 30-Jährige einen anderen Mann kennen, der ihr Leben wie auch ihre Beziehung komplett auf den Kopf stellte. Sie erbat sich eine Auszeit vom Angeklagten, an deren Ende sie sich von ihm trennte. Angeblich hatte er sie mit seiner Liebe regelrecht erdrückt. Ihn traf das Ende wie ein Hammer.

Eines Abends versteckte er sich im Gebüsch und belauschte seine Ex-Verlobte und ihren Neuen auf der Terrasse. Von dort schrieb er ihr eine unschöne Whatsapp-Nachricht mit der Beleidigung: „Du verlogenes Miststück.“ In der Folgezeit verlangte er seine Möbel und seine Bilder heraus, Schmuck, den er ihr geschenkt hatte, und einen TV-Receiver. Außerdem bestand er darauf, den Bus behalten zu dürfen, den er schließlich im Wut-Wahn ins Haus lenkte

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Der Eifersuchts-Raser von Markt Indersdorf vor Gericht: Gegen den 33-Jährigen wird wegen versuchten Mordes an seiner Ex-Freundin und deren neuen Partner verhandelt. 

In einer Erklärung räumte er zu Prozessauftakt die Tat ein. Er habe jedoch nie jemandem etwas antun wollen. „Es tut mir alles so wahnsinnig leid, ich würde es gerne rückgängig machen“, sagte er und starrte anschließend zu Boden. Seine Ex-Verlobte schaute er bei deren anschließender Vernehmung kein einziges Mal an. Er selbst machte zur Tat keine Angaben. Auch der Hinweis des Richters, dass natürlich die entscheidende Frage des Prozesses sein werde, mit welchen Gedanken der Täter im dritten Gang durch Hecke und Zaun gebrettert sei, blieb unbeantwortet. Der Prozess wird fortgesetzt.

Angela Walser

In Marburg fiel eine Frau der Eifersucht ihres Ehemanns zum Opfer - er stach mehrmals auf sie ein und flüchtete anschließend mit den Kindern.

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