Infoveranstaltung zum Windrad im Sigmertshauser Holz

Erst wird gemessen und gerechnet, dann erst wird entschieden

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Sie war heiß ersehnt und lange angekündigt: die Informationsveranstaltung der Stadtwerke Dachau über das geplante Windrad im Sigmertshauser Holz. Knapp 100 Interessierte kamen ins Ludwig-Thoma-Haus. Trotz der Kritik von Gegnern blieb die Diskussion sachlich – größtenteils.

Dachau – Oberbürgermeister Florian Hartmann hatte auf eine „konstruktive, faire Diskussion“ gehofft, und dieser Wunsch wurde erfüllt. Ein Großteil stand dem neuen Projekt der Stadtwerke Dachau eher wohlwollend gegenüber. Die Kritiker waren vor allem Anwohner aus Viehhausen, Pellheim und Sigmertshausen. Sie hörten fast zwei Stunden lang Vorträge, bevor sie ihre Fragen stellen konnten. Wenige Besucher kamen zu dem Schluss, dass der Infoabend „eine Verkaufsveranstaltung“ war.

„Es hätte keinen Sinn gemacht, bei der Bürgerversammlung in Pellheim darüber zu sprechen, weil wir die Fakten und Zahlen nicht hatten“, erklärte Hartmann. Allerdings liegen einige wichtige Zahlen noch immer nicht vor: Berechnungen, ob das Windrad wirtschaftlich sein wird und Windmessungen, laufen noch. „Die Wirtschaftlichkeit der Windkraftanlage ist die Grundvoraussetzung“, sagte der OB. Damit klärte der OB eine Frage von Bernhard Metz aus Pellheim, der wissen wollte, wer die Verantwortung trägt, wenn das Projekt scheitert. Hartmann betonte, dass der Stadtrat dem Windrad nicht zustimmen werde, wenn es sich nicht rechnet.

Lorenz Kranz, Eigentümer des Nachbargrundstücks, warf den Stadtwerken vor, mit unseriösen Zahlen hausieren zu gehen: Die Prognosen sei völlig utopisch. Doch Projektentwickler Sing erklärte, dass die neuen Windkraftanlagen mit mehr Rotorenfläche mehr Volllaststunden erreichen werden. Und Gerald Nübel, technischer Werkleiter der Stadtwerke, wehrte sich gegen den Vorwurf, dass die Stadtwerke unverantwortlich mit ihren Projekten umgehen. „Wir werden Windmessungen machen, dann werden wir eine Entscheidung treffen.“

Den Vorwurf, das Windrad sei sein persönliches Ziel, ließ der OB nicht gelten: Es sei wichtig, die Energiewende auch vor Ort hinzubekommen, und ein Zeichen dafür zu setzen. Die Stadträte und er müssten richtige und wichtige Entscheidungen treffen, auch unangenehme Projekte anstoßen, bei denen es Widerstand gebe.

Zum Beispiel von Monika Kreitmair aus Viehhausen, die etwa 800 Meter vom geplanten Standort entfernt wohnt. Sie warf den Verantwortlichen vor, nur an die Wirtschaftlichkeit zu denken – und nicht an die Menschen. Sie befürchte eine Lärmbelastung (siehe Kasten) – und als Krankenschwester sei sie vertraut mit den Auswirkungen von Lärm. Professor Michael Sterner, einer der Referenten des Abends, hatte Verständnis für die Sorgen der Anwohner, versuchte aber trotzdem, sie zu überzeugen: „Wenn jeder sagen würde, bei uns nicht, hätten wir bis heute keine Autobahn, keine Stromtrasse.“

Sterner hatte auch Verständnis für die Forderung nach einer Entschädigung für benachbarte Orte – sollte es durch das Windrad Einschränkungen geben, etwa für die Erweiterung des Wohngebiets von Sigmertshausen, wie ein Bürger befürchtete. „Bei der Kompensation bin ich voll bei Ihnen“, so Sterner. Ein Dorffest sei das mindeste: „Da muss der Bürgermeister was schmeißen.“ In Norddeutschland etwa gebe es Winderntedankfeste.

Zu guter Letzt behauptete Lorenz Kranz, dass der Bruthorst von einem Wespenbussard im Umkreis von 500 Meter zur geplanten Anlage gefunden wurde, was dem Landratsamt schon gemeldet worden sei. Doch das ist offenbar falsch: Der Unteren Naturschutzbehörde ist nichts bekannt, wie das Landratsamt gestern mitteilte.

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