+
Neuer Dachauer Klinik-Chef Gerd Koslowski

Interview mit dem neuen Dachauer Klinik-Geschäftsführer Gerd Koslowski

„Die Analyse wird noch dauern“

Landkreis– Er hatte keinen leichten Start: Gerd Koslowski, der neue Geschäftsführer des Helios-Amperklinikums. Schon kurz nach seiner öffentlichen Vorstellung kamen alte Geschichten auf, in denen der 47-Jährige nicht unbedingt gut wegkam (wir berichteten). Nun ist er seit einem Monat im Amt. Die Heimatzeitung sprach mit ihm über seine erste Bilanz.

-Herr Koslowski, wie waren Ihre ersten Arbeitswochen hier?

Ich habe versucht, mit möglichst vielen Leuten zu sprechen und ein Gespür für unser Haus mit den beiden Standorten zu entwickeln. Ich finde es sehr positiv, dass an beiden Standorten investiert wird. In Indersdorf wurde gerade 1 Million Euro aus Eigenmitteln investiert, und es gibt Pläne, das weiterzuentwickeln. Das andere ist der Standort Dachau, wo auch rund 55 Millionen Euro investiert werden. Jetzt steht die Bettenhaussanierung an, und die Erweiterung des OPs läuft auch schon.

-Welche Neuerungen sind in der Organisation angedacht?

Bei Baumaßnahmen gilt „Die Steine folgen den Ideen“. Insofern sind die Maßnahmen auch Ausdruck der Weiterentwicklung der Abläufe. So gibt es Überlegungen, die Ablauforganisation um den sogenannten präoperativen Tag anzupassen. Wenn der Patient zum Beispiel morgens um 7 Uhr kommt, weil er um 8 oder 9 operiert werden soll, dann sind auf der Station noch die Patienten da, die an diesem Tag entlassen werden. Wenn man nun die neuen Patienten auch auf Station bringen würde, ist das wie im Hotel, wenn man morgens ankommt und das Zimmer noch nicht fertig ist.

-Ein für Dachau wichtiges Thema ist die Pflege. Wie gehen Sie das an?

Hier sind wir dabei, gemeinsam mit der Personalabteilung und der Pflegedirektion über die Dienstplan-Organisation zu sprechen. Also, wie sind die Schichten früh – spät – nachts organisiert? Welche Berufsgruppen haben wir dabei an Bord? Die Analyse wird aber noch dauern. Zudem müssen wir uns die Fehlzeiten anschauen, gibt es zum Beispiel Hinweise, dass die vielfach dargestellte Überlastungssituation tatsächlich nachvollziehbar ist, und wenn ja, wie kann man damit umgehen?

- Wie steht es mit neuem Personal?

Wir suchen ständig neues Personal. Wir haben aktuell zirka 270 Vollkräfte im Pflegedienst besetzt. Ob man aus diesen 280 Vollkräfte machen sollte, ist eine andere Frage. Das kann ich momentan noch nicht einschätzen. Das ist Teil der Analysen.

-Sie mussten auch mit Negativ-Schlagzeilen aus Ihrer Zeit am LMU-Klinikum in Großhadern umgehen. Damals wurden Ihnen rigide Sparmaßnahmen und ein schlechter Umgang mit den Mitarbeitern vorgeworfen.

Man muss wissen, dass sich mit meinem Start 2007 die Universitätsmedizin in einem Umbruch befand: Überführung 2006 der Universitätsklinika in Anstalten des öffentlichen Rechts. Zudem die Erhöhung des wirtschaftlichen Drucks durch die Einführung DRG-Fallpauschalensystems. Eine Neuaufstellung war nötig, um drohende Defizite auszugleichen. Dazu kam der Beschluss der bayerischen Staatsregierung 2006, wegen der alten baulichen Struktur die stationäre Versorgung am Campus Innenstadt teilweise zu schließen. Der Vorstand, dem ich angehörte, entwickelte ein Konzept, die stationäre Versorgung in der Innenstadt in einer neuen Portalklinik zu konzentrieren. Damit waren nicht alle glücklich. Ich hatte den Eindruck, dass vieles an der Position des Kaufmännischen Direktors festgemacht wurde – ich war der Neue im Vorstand und diese Themen wurden nun konkret entwickelt und umgesetzt.

-Ein konkreter Vorwurf war die angebliche Respektlosigkeit gegenüber Mitarbeitern.

Ja. Darüber habe ich mich mit am meisten geärgert, da das überhaupt nicht meinem Selbstverständnis entspricht, was ich über mich in der Zeitung gelesen habe. Da habe ich leider die Erfahrung machen müssen, dass einem Dinge in den Mund gelegt werden, die man gar nicht gesagt hat.

-Was sagen Sie den Patienten, die wegen der vielen Negativberichte Bedenken haben, ins Dachauer Krankenhaus zu gehen?

Zum einen bieten wir eine wirklich gute Leistung im medizinischen und pflegerischen Bereich. Zum anderen sind viele dieser Darstellungen in der Öffentlichkeit für mich nicht nachvollziehbar. Aber wir arbeiten stets an Verbesserungen. Was mich bei Helios wirklich begeistert, ist das Qualitätsmanagementsystem, das sich an Ergebnissen orientiert. Zum Beispiel, wie sieht die Sterblichkeit bei Schlaganfällen bei uns aus und wie woanders? Wir liegen immer im oberen Drittel von allen Helios-Kliniken – und das sind über 100. Ich habe den Eindruck, das kommt viel zu wenig draußen an.

-Das liegt vermutlich auch an Ihrer Außenkommunkation.

Weiß ich nicht. Manchmal hat man den Eindruck, man redet viel über solche Botschaften und sie werden draußen nicht gehört. Wir möchten versuchen, auch die positiven Dinge besser zu kommunizieren, damit die Bürger besser sehen können, was bei uns geleistet wird. Wenn ich mir zum Beispiel das Krebszentrum in Dachau anschaue. Das ist zertifiziert nach dem System der deutschen Krebsgesellschaft. Das haben Sie bei einem Haus dieser Größenordnung nahezu nirgends in Deutschland. Das ist wirklich ein Alleinstellungsmerkmal und außergewöhnlich!

- Um die Kommunikation zu stärken, auch zur Politik, hat der Kreistag beschlossen, einen Klinikbeirat sowie eine Ombudsstelle einzuführen. Ist hier schon was passiert?

Ich spreche demnächst mit dem Landrat darüber. Wir wollen auf jeden Fall im ersten Halbjahr damit fertig werden. Und: Aus meiner Sicht wäre es ideal, wenn man die Ombudsstelle gar nicht bräuchte und die Probleme schon in der Klinik geklärt werden würden.

-Ihre Vorgänger waren leider nicht allzu lange im Amt. Sind Sie gekommen, um zu bleiben?

Bei meinem Vorgänger waren das ja private Verpflichtungen. Meine klare Zielsetzung ist, länger zu bleiben.

Interview: Conny Kirmaier

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Sie nahm ihm die Angst
Ein 28-jähriger Motorradfahrer ist frontal mit einem Auto zusammengestoßen. Er wurde schwer verletzt. Die Erste, die sich um ihn kümmerte, war eine Frau, die einen Fiat …
Sie nahm ihm die Angst
Seit einem Jahr bleibt ihr Briefkasten leer - Post ist Anfahrt zu gefährlich 
50 Jahre lang hat es keine Probleme gegeben. Doch seit einem Jahr ist Schluss. Gertraud Krautheim (69) aus Altomünster bekommt keinen Brief mehr zugestellt. Die Gründe …
Seit einem Jahr bleibt ihr Briefkasten leer - Post ist Anfahrt zu gefährlich 
Busse werden zum Problem
Die Bauarbeiten am Parkplatz der KZ-Gedenkstätte haben noch gar nicht begonnen, da regt sich schon der Unmut der Anwohner. Denn die fürchten den neuen Standort der …
Busse werden zum Problem
Weil sie sich außergewöhnlich engagieren
Sie engagieren sich weit über den Unterricht hinaus, auch dann noch, wenn sie bereits Freizeit hätten. Dafür bekamen jetzt besondere Schüler den Förderpreis des …
Weil sie sich außergewöhnlich engagieren

Kommentare