„Ich begleite primär Menschen, die sich als Christen sehen! Pfarrer Wolfgang Borm segnet einen  jungen Gläubigen.
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„Ich begleite primär Menschen, die sich als Christen sehen! Pfarrer Wolfgang Borm segnet einen  jungen Gläubigen.

Seelsorger verlässt Dachau

Pfarrer Borm: „Viele Gespräche haben mich tief bewegt“

Pfarrer Wolfgang Borm verlässt nach 16 Jahren Dachau. Im Interview spricht er über bewegende Momente und seine Pläne für die Zukunft.

Dachau – Pfarrer Wolfgang Borm verlässt nach 16 Jahren Dachau. Am vergangenen Sonntag wurde er in der Pfarrkirche St. Jakob im festlichen Rahmen verabschiedet (wir haben berichtet). Wenige Tage später traf sich die Heimatzeitung mit Borm zum Gespräch in seinem Büro. Man merkt dem scheidenden Seelsorger an, dass ihn der Abschied aus Dachau bewegt.

Wie geht es Ihnen kurz vor dem Abschied aus Dachau?

Ich merke, dass eine Zeit zu Ende geht. Das ist irgendwie natürlich, aber es bewegt mich auch, zumal man voll da war. Es war ein Mit-Leben in der Gemeinde. Aber man hat ja auch eine bestimmte Rolle, die einem zugewiesen ist. Es waren viele Aufgaben aufzugreifen und wahrzunehmen.

Wie haben Sie Ihre Rolle als Pfarrer wahrgenommen?

Zum einen bin ich Pfarrer und damit auch Leiter dieses Pfarrverbandes, aber eben auch Seelsorger. Ich begleite primär Menschen, die sich auch als Christen sehen. Dazu gehören Gottesdienste, aber auch der Besuch von Kranken und Trauernden, das Wahrnehmen von Bedürftigkeit. Da gibt es zum anderen aber auch den Raum, die Orte der Kirche, die es zu gestalten gilt, damit die Menschen gerne zu uns kommen. Ich sehe mich aber auch im Team mit den anderen Seelsorgerinnen und Seelsorgern und den vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Da geht es darum, jedem den Spielraum zu geben, der sinnvoll und notwendig ist, aber auch um das gemeinsame Ziel zu ringen.

Welche dieser Aufgaben hat mehr Zeit in Anspruch genommen?

Das kann ich nicht sagen. Es sind ja viele Notwendigkeiten da in einem Pfarrverband mit mehr als 15 000 Katholiken. Manchmal sieht man etwas nicht, anderes nimmt man sehr intensiv wahr. Ich bin unendlich dankbar für meine seelsorgerischen Kolleginnen und Kollegen, es sind alles großartige Leute, die sich mit unheimlich viel Kraft und Begeisterung engagiert haben. Aber auch die Sekretärinnen an der „Schaltstelle“, die Kirchenpfleger, die Verwaltungsmitarbeiter und viele andere haben sich stark engagiert, um die vielen Aufgaben bewältigen zu können. Alleine hätte ich das nicht tun können.

War es von Anfang an klar, dass Sie 16 Jahre in Dachau bleiben?

Ich bin gerne in Dachau gewesen und empfinde im Rückblick viel Dankbarkeit. Ich hatte hier meinen Platz gefunden. Geplant war es nicht, ich war offen, als ich hierher kam. Mir sind die 16 Jahre nicht lange vorgekommen.

Wie haben Sie die Gründung des Pfarrverbandes St. Jakob im Jahr 2011 aus den ehemaligen selbstständigen Pfarreien Mariä Himmelfahrt, St. Jakob, Mitterndorf und Pellheim wahrgenommen?

Eigentlich erfolgte die Gründung des Pfarrverbandes in zwei Stufen. Bereits 2003 schlossen sich St. Jakob und Pellheim zusammen, 2011 kamen dann die anderen Pfarreien Mariä Himmelfahrt und Mitterndorf dazu. Überall waren am Anfang Sorgen da. Für alle bisher selbstständigen Pfarreien war es ein wesentlicher Punkt, ein Stück ihrer Identität aufzugeben. Es war, wie wenn ein Fenster aufgeht. Es kommt Wind von außen rein. Die Räume werden weiter. Dies fordert auch die Bereitschaft, sich selbst ein Stück zu öffnen. Und es waren überall Menschen da, die sich engagiert haben, damit diese Öffnung für alle gelingen kann.

Gibt es bestimmte Dinge, die Sie besonders gefreut oder bewegt haben?

Die Tätigkeit als Seelsorger ist sehr vielseitig. Ich habe viele Taufgespräche, aber auch Trauergespräche geführt, die mich tief bewegt haben. Vor allem dann, wenn Menschen ein Stück ihrer Lebensgeschichte mit mir geteilt haben. Es gab aber auch Situationen, in denen Menschen mit Sorgen zu mir kamen, zum Beispiel, dass sie ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen können oder ihr Kind nicht in das Schullandheim schicken konnten. All das sind auch Aspekte unseres Lebens, in dem wir stehen. Nicht immer läuft alles in geordneten Verhältnissen. Aber auch das ist Kirche und berührt Seelsorge.

Inwieweit hilft in der heutigen Zeit mit ihren vielfältigen Problemen die christliche Botschaft?

Ja, ich glaube, sie hilft! Es hängt dabei jedoch viel davon ab, wie man mit den Menschen redet, auch über Dinge, die den Glauben berühren. Wichtig ist mir dabei vor allem zu fragen, ob ich die Menschen verstehe oder ihnen zumindest das Gefühl geben kann, sie wenigstens verstehen zu wollen.

Wie geht es jetzt weiter für Sie?

Ich ziehe aus meiner Wohnung in Dachau aus und werde die Pfarrei an meinen Nachfolger übergeben. Ich freue mich sehr, dass es einen neuen Pfarrer gibt, und weiß, dass er sich auch freut, hier nach Dachau zu kommen. Ich gehe nach München in eine neue Wohnung und plane auch, dort zu bleiben. Irgendwann werde ich auch bei Kollegen über eine Mitarbeit als Seelsorger sprechen. Details weiß ich noch nicht. Erst einmal möchte ich neu ankommen.

Gespräch: Bernhard Hirsch

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