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Isabel Seeber hofft auf so viele erfüllte Wünsche wie noch nie

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Am Christbaum v hängen Weihnachtswünsche zum Erfüllen. Organisatorin Isabel Seeber.
Am Christbaum vor der Candisserie hängen Weihnachtswünsche zum Erfüllen. Organisatorin Isabel Seeber erwartet einen Rekord für ihren Wunschbaum. © vm

Er ist zu einer berührendsten Weihnachtstraditionen in Dachau geworden: der Wunschbaum. Auch in diesem Jahr steht er vor dem Hundertwasserhaus an der Münchner Straße und wartet auf Spender, die die Wünsche von Hilfsbedürftigen erfüllen wollen.

Dachau – Ein Spielzeug, etwas Warmes zum Anziehen oder ein Duschgel: Es sind kleine und bescheidene Wünsche, die auf bunten Kärtchen am Wunschbaum vor der Candisserie an der Münchner Straße hängen. Weihnachtsbummler haben bis 14. Dezember die Möglichkeit, wieder Wünsche von Hilfsbedürftigen zu erfüllen. Die Wünsche kommen von einsamen Senioren, Kindern aus sozial schwachen Familien und von all jenen, die durch Krankheit oder andere Schicksalsschläge in Not geraten sind. „Die Hälfte der Leute, die ihren Wunschzettel an den Baum hängen, haben keine Winterjacke“, sagt Isabel Seeber, Eigentümerin der Candisserie. Sie ist Initiatorin und Organisatorin des Projekts. Hinter den Wunschzetteln stecken berührende, aber auch teils erschütternde Geschichten, erzählt Seeber. Sie erinnert sich an einen Jungen aus Somalia, der sich ein Fahrrad gewünscht hat. „Der Junge hat sich so sehr über sein Fahrrad gefreut, dass er mit Helm und Schlüssel ins Bett gegangen ist. Das werde ich nie vergessen.“

Auf den Zetteln stehen nicht nur materielle Wünsche. Gerade Senioren wünschen sich oft nichts weiter, als dass sich jemand Zeit für sie nimmt. Vergangenes Weihnachten wünschte sich eine 84-jährige Frau „etwas Gutes zum Essen, wie Kartoffeln, Eier, Brot und Butter.“ Auf dem Wunschzettel einer anderen Seniorin stand ein Friseurbesuch. „Das sind Dinge, die für uns selbstverständlich sind“, sagt Seeber.

Über 700 Wunschzettel wurden dieses Jahr an karitative Einrichtungen wie das Franziskuswerk Schönbrunn, die Caritas oder den Arbeitskreis Asyl ausgegeben. Auch städtische und landkreisweite Einrichtungen, wie die Stelle für Familienberatung, Gleichstellung und Inklusion am Landratsamt oder die Obdachlosenbetreuung haben die Wünsche der Hilfsbedürftigen gesammelt und an Seeber weitergeleitet. Diese hat den Wunschbaum vor ihrer Candisserie aufgestellt und mit den Wunschzetteln geschmückt. In der Adventszeit haben Passanten nun die Gelegenheit, die Zettel zu lesen und Wünsche zu erfüllen.

Wie das funktioniert? Die Wünsche-Erfüller nehmen das Kärtchen vom Baum ab, besorgen das Geschenk und bringen es bis 14. Dezember in die Candisserie. In den Weihnachtswochen werden die Geschenke abgeholt und an die bedürftigen Menschen verteilt. Seit sieben Jahren stellt Isabel Seeber den Wunschbaum nun schon vor ihrem Geschäft auf. Mehr als 3500 Wünsche konnten in dieser Zeit erfüllt werden.

Die Initiatorin hofft, dass Weihnachten während der Corona-Pandemie zum Rekordjahr für den Dachauer Wunschbaum wird. Sie ist zuversichtlich, denn Werte wie Solidarität und Rücksichtnahme würden in der Gesellschaft während der Krise wieder an Bedeutung gewinnen. „Ich wünsche mir deshalb, dass wir dieses Jahr einen Wunschbaum XXL mit so vielen erfüllten Wünschen wie noch nie erleben werden.“ Die Chancen dafür stehen gut. „Innerhalb von zwei Tagen sind schon 400 Kärtchen weg“, erzählt Seeber erfreut.

Hinter ihrer Herzensangelegenheit steckt viel Arbeit und Mühe. Besonders die Logistik sei Seeber zufolge ein großer Kraftakt. Umso besser, dass in diesem Jahr die Marketing- und Kommunikationsagentur Weimer und Paulus ihre Hilfe bei der Lagerung der Geschenke angeboten hat. Die Agentur stellt die bunten Päckchen in ihrem Schaufenster in der Altstadt aus. Isabel Seeber ist begeistert, denn die vergangenen Jahre habe sie die Päckchen immer in einer Lagerhalle aufbewahren müssen. „Nun können die Leute zum ersten Mal zusehen, wie der Geschenkberg wächst. Das freut mich am meisten.“

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