Dachauer wegen Drogenhandels vor Gericht  

„Das ist kein Vergehen, sondern ein Verbrechen“

105 Gramm Marihuana ist nicht wenig. Da hatte ein junger Dachauer großes Glück, dass ihn der Richter nicht hinter Gitter schickte.

Dachau – 105 Gramm Marihuana im Internet in den Niederlanden bestellt, das Paket wird am Flughafen in Frankfurt am Main vom Deutschen Zoll abgefangen – die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage wegen der „illegalen Einfuhr einer nicht geringen Menge Rauschgift und dem nicht erlaubten Handel damit“. Der Tatvorwurf beim Prozess vor dem Dachauer Schöffengericht um Amtsrichter Daniel Dorner klang spektakulär, ein bisschen nach Freitagabend-Blockbustern – mindestens aber nach professionellen, schwerkriminellen Strukturen.

Der Angeklagte, ein 20-jähriger Dachauer, konnte all das – zu seinem Glück – ein bisschen widerlegen. Er kam schließlich mit einem blauen Auge und der Möglichkeit davon, seinen Fehler wieder auszubügeln.

Mehrfach wurde ihm von Seiten des Gerichts und der Staatsanwaltschaft der Ernst seiner Lage verdeutlicht: „Das ist kein Vergehen, sondern ein Verbrechen“, sagte die Staatsanwältin, und Richter Dorner verwies auf die nach Erwachsenenstrafrecht fälligen zwei Jahre Gefängnis ohne Bewährung: „Damit Sie sehen, auf welch dünnem Eis Sie sich hier bewegen.“

Dem Angeklagten war der Ernst der Lage offenbar bewusst, er präsentierte sich geläutert und voll geständig. Zwar war von ihm selbst wenig zu hören – sein Anwalt verlas eine Erklärung – doch im Vorfeld hatten der Auszubildende und sein Rechtsbeistand alles Mögliche getan, um vor Gericht einen geläuterten Eindruck zu erwecken.

Freiwillige Beratungen und Drogenscreenings, die seine Drogenfreiheit bestätigten, von der Drogenberatungsstelle hatte er vorzuweisen. Außerdem habe er sich von seinem alten Freundeskreis gelöst und Utensilien zerlegt, etwa einen Schrank zur Aufzucht von Cannabis-Pflanzen, so sein Anwalt.

Die Jugendgerichtshilfe attestierte ihm „jugendliche Selbstüberschätzung“ sowie eine Reifeverzögerung und dass er einem Jugendlichen näher sei als einem Erwachsenen. Staatsanwaltschaft und Gericht folgten dieser Einschätzung.

Neben der Einschätzung der Jugendgerichtshilfe und seinem bis dahin tadellosem Erziehungsregister kam ihm auch der Umstand zugute, dass er die Ware – dem Zoll sei Dank – nie bekam und so auch nicht in Verlegenheit kam, Handel mit einer nicht geringen Menge Rauschgift zu treiben. Auch eine Hausdurchsuchung in seinem Elternhaus, in dem er nach wie vor wohnt, ergab nichts, was den Tatvorwurf des Handeltreibens bestätigt hätte.

Der 20-Jährige wurde zu einem gemeinnützigen Arbeitswochenende verurteilt. Außerdem hat er die Kosten des Verfahrens zu tragen und muss zwölf Monate Drogenfreiheit mithilfe von sechs Drogenscreenings auf seine Kosten nachweisen.

„Es ist dem Gericht ganz wichtig, dass sie den eingeschlagenen drogenfreien Weg weiterverfolgen“, erläuterte Dorner.

Die Hinterleute oder auch die „großen Fische“ des Rauschgifthandels, beispielsweise der Absender des Pakets, konnten übrigens im Vorfeld weder von Zoll noch von Polizei oder Staatsanwaltschaft ermittelt werden. Bekannt war mit den Niederlanden nur das Herkunftsland. Aljoscha Huber

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