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400 Jahre altes Bauernhaus eingestürzt

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Eine Tragödie für die Denkmalschützer: Das Dach des 400 Jahre alten Michlhofs im Kreis Dachau ist eingestürzt. Noch ist nicht geklärt, ob das denkmalgeschützte Gebäude wieder aufgebaut werden muss oder abgerissen wird. © Betz

Dachau – Das zweitälteste Bauernhaus des Münchner Nordens ist zusammengekracht. Um den Erhalt des über 400 Jahre alten Michlhofs rankt sich ein erbitterter Streit zwischen Landratsamt und Eigentümer. Für die Denkmalschützer ist es eine Tragödie. Für den Eigentümer schlicht der Lauf der Dinge.

Fast könnte man meinen, das denkmalgeschützte Häuschen habe den jahrelangen Zwist nicht mehr ertragen wollen. In der Nacht zum vergangenen Freitag fiel es bis auf die Außenmauern zusammen. „Es ist eine ganz große Tragödie“, meint der bekannte Dachauer Kunstmaler Christian Maria Huber, der den Michlbauernhof in Purtlhof (Kreis Dachau) unzählige Male gemalt hat. Er hat auch die Hofkapelle des Weilers, der acht Kilometer nördlich von Dachau liegt, restauriert. „Ich habe die Mädels, die zuletzt darin gewohnt haben, gut gekannt.“

Die Mädels sind die Geschwister Groß. Und mit ihnen fängt „die Tragödie“ an. Die beiden unverheirateten Damen hatten den Michlbauernhof in den 70er Jahren an den jetzigen Besitzer Michael Kreitmair übergeben, sich jedoch ein Wohnrecht auf Lebenszeit gesichert. 1980 hatte der Landwirt eine Abrissgenehmigung erwirkt, machte aber aus „familiären Gründen“ keinen Gebrauch davon, so Kreitmairs Rechtsanwalt Patrick Bühring. Das war die Overtüre zu einem jahrelangen Hickhack – mit Anordnungen, Gutachten und sturem Beharren auf Rechtspositionen. Die Denkmalschutzbehörde wollte, dass Kreitmair renoviert, doch der Bauer bockte. Alles ging zu Lasten des Häuschens – es verfiel mehr und mehr. Erst recht, nachdem die Geschwister Groß vor etwa sechs Jahren in ein Altenheim übersiedelten und es leer stand. Mittlerweile sind die beiden Frauen verstorben.

2009 beantragte der Eigentümer erneut den Abriss. Ein Jahr später entpuppte sich die Expertise eines Gutachters als Sensation: Auf einem Holzbalken stand das Datum 1607. Damit ist das Michlhof das zweitälteste Bauernhaus im weitläufigen Münchner Norden. Wie das historisch einzuordnen ist, erklärt die Dachauer Kreisheimatpflegerin Birgitta Unger-Richter: „Es ist vor dem 30-jährigen Krieg erbaut worden. In diesem Krieg wurden sehr viele Gebäude zerstört. Erst danach hat eine rege Bautätigkeit eingesetzt.“ Es sei ein ganz wunderbares Gebäude, Satteldach und einer Nische für eine Heiligenfigur. „Es ist in Lage und Gestaltung einmalig“, so die Heimatpflegerin. Es gebe Pläne des archäologischen Vereins und des Museumsvereins Dachau, aus dem Michlbauernhof ein kleines Bauernhofmuseum zu machen, meint Unger-Richter. Nebenher hätten Musikveranstaltungen stattfinden können. „Wir wollten, dass das Haus lebendig genutzt wird.“ Der Bauernverband und das Denkmalschutzamt standen hinter dem Vorhaben. „Der Umbau dazu hätte eine Million Euro gekostet. Genauso viel wie die Renovierung zur Wohnnutzung“, hält Rechtsanwalt Bühring entgegen.

Eigentümer Kreitmair habe wohl den Abriss forciert, hätte sich aber stets kooperativ verhalten, was die Nutzungsänderung betrifft. „Das ist kein armer Bauer“, sagt Kunstmaler Huber und fügt hinzu: „Das Denkmalschutzamt hätte frühzeitig Druck machen müssen. Jetzt fürchte ich, dass das Haus in zwei Monaten ganz weg ist.“ Ob dies so ist, steht noch nicht fest. „Wir warten ab, wie das Bayerische Landesamt für Denkmalschutz entscheidet“, sagt der Abteilungsleiter Baurecht im Landratsamt Dachau, Alexander Krug.

Bleibt der Michlbauernhof ein Denkmal im Sinne des Gesetzes, könnten die Behörden verfügen, ihn wieder aufzubauen. Wenn nicht, darf ihn Eigentümer Kreitmair abreißen. Für seinen Rechtsanwalt ist die Sache bereits klar: „Das Haus ist desolat und marode. Es ist unrettbar verloren.“

Thomas Zimmerly

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