Mit Hingabe: Die verschiedenen Formationen der Knabenkapelle (hier ist Tuba-Solist Michael Fritz im Einsatz) begeisterten das Publikum. foto: elfriede peil Tradition hin,Nostalgie her:Die Jungen vonheute haben nichtsAntiquarisches an sich

Jahreskonzert der Knabenkapelle Dachau

Quicklebendig und modern

Zu einer unterhaltsamen Reise durch die Welt der Blasmusik wurde das Jahreskonzert der Dachauer Knabenkapelle. 

Dachau – Mit einem bunten Programm aus Pop und Rock, traditionellen Stücken und konzertanten Arrangements begeisterten die jungen Musikanten unter der Leitung von Eduart Civeja ihr Publikum. Die Knabenkapelle blickt auf eine lange Tradition, 1953 wurde sie gegründet. Sie spielt auf in einem altehrwürdigen alten Kinosaal, mit viel nostalgischem Flair. Seit 50 Jahren machen sie mit beim Oktoberfest Trachtenumzug. Tradition hin, Nostalgie her: Die Jungen von heute haben nichts Antiquarisches an sich, sie sind quicklebendig und modern. Und sie werden immer jünger. Die Jüngste aus den Bläserklassen ist sieben Jahre. Ganz konzentriert und mit Hingabe waren sie dabei. Mit kleinen internationalen Melodien spielten sich diese zwanzig Kleinsten in die Herzen ihrer Zuhörer (und vor allem der Zuhörerinnen).

Das Nachwuchsorchester mit 28 Mitwirkenden brachte Filmmusik-Titel zum Klingen. Beim „May it Be“ aus „Herr der Ringe“ von Enya und Nicky Ryan trugen das Thema zu Beginn und am Ende fünf Flötistinnen einfühlsam vor. Beim „Hedwigs Theme“ aus Harry Potter von John Williams klagten die Instrumente, vor allem die Oboen. Viel düsteres Moll. Da kamen die „Pirates of the Caribbean“, bekannt als Fluch der Karibik, heiterer daher. Erste Pfiffe und Bravorufe. Der Dirigent Eduart Civeja führte seine Kapellen akzentuierend und motivierend. Er lobte jede Gruppe und betonte deren Leistungen. Und sie spielten mit Freude und Elan.

Dem Vorsitzenden der Knabenkapelle, Tilo Ederer, ist es ein Anliegen, den Nachwuchs zu fördern. Einen großen Teil des Abends bestritten insgesamt 58 junge Talente von sieben bis vierzehn Jahren – wenn das keine Förderung ist. Die stellvertretende Landrätin Marianne Klaffki war sichtlich erfreut.

Der Auftritt des „Großen Blasorchesters“ mit seinen 38 Mitwirkenden begann mit der Second Suite in F-Dur des englischen Komponisten Gustav Holst. Der erste Satz ist ein Marsch, man schreitet dahin wie bei einem festlichen Einzug. Nach dem 2. melancholischen erinnert der 4. Satz an einen schottischen Tanz. Das gesamte symphonische Blasorchester samt Percussion kam zum Einsatz. Das Thema wird immer wieder anders von den einzelnen Bläsergruppen variiert. Aber am schönsten ist es, wenn alle wieder nach den Kadenzen beim fulminanten Schluss zusammenfinden. Auch beim Konzertmarsch „Avalon“ von Alexander Pfluger ging es kräftig zur Sache mit Pauken und Trompeten. Gefühlvoll wurde es beim Thema „Emotionen“ von Kurt Gäble, samt einem Gefühlsausbruch. „Das soll unter die Haut gehen“, wünschte sich Daniel Seidl, der durch das Programm führte. Und das tat es auch.

Er kündigte den Höhepunkt an: Die „Tuba Muckl“, die eigentlich „Klarinettenmuckl“ heißt. Was für die quirlige Klarinette geschrieben ist, sollte nun die behäbige Tuba ausführen– wie soll das gehen? Es ging wunderbar. Das zehn Kilo schwere Instrument spielte Michael Fritz mit einer flitzenden Leichtigkeit, die alle mitriss. Beim Abschluss mit Golden Hits von den Beach Boys legten sich die jungen Leute nochmal richtig ins Zeug, mit viel Schwung und Vergnügen. Auch die Zugabe spielten sie „sehr gerne“, wie Daniel sagte. Das „Magic in the Air“ mit Klatschen und verschiedenen Solopartien ist ihr Beitrag demnächst auf dem Blasmusikfestival in Condom bei Toulouse. Sie werden magisch ankommen bei den Leuten, da darf man sicher sein.

Elfriede Peil

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