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In die Gassen der Dachauer Altstadt kamen 11 000 Besucher – zum Ratschen, Musikhören, Feiern und Tanzen.

Jazz in allen Gassen

11000 feiern in der Dachauer Altstadt

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Wo lässt sich ein wunderbarer Sommerabend besser genießen als in der Dachauer Altstadt, mit mitreißender, gefühlvoller, rockiger Musik von verschiedenen Bands, mit einem gemütlichen Ratsch, dazu ein vorzügliches Crêpe und ein kühler Weißwein? Nirgends, wie die 11 000 Besucher von Jazz in allen Gassen feststellten.

Dachau – Der Abend ist schon etwas fortgeschritten, als am Dachauer Rathausplatz plötzlich alle Menschen in die Hocke gehen, sich auf den Boden setzen oder hinknien. „Sprengt eure Grenzen“ hat die Band „Äl Jawala“ ihr Publikum aufgefordert. Wie das geht, machen die fünf Musiker selbst vor mit ihrem Mix aus Balkan-Rhythmen, Club-Beats, und Saxophon-Sounds. Sie haben die große Rathaus-Bühne verlassen und sich unter das Publikum gemischt. Gemeinsam mit ihren Zuhörern gehen sie nach unten Richtung Boden – bevor eine riesige Tanz-Welle aufschwappt.

Fröhlich, locker und gelöst war die Stimmung bei „Jazz in allen Gassen“ in der Dachauer Altstadt. Auf sechs Bühnen traten sieben Bands auf, außerdem hatten viele Geschäfte geöffnet. In den Bäumen hingen Lichter, auf den Straßen standen Bierbänke und Bartische zum gemütlichen Beisammensein und Ratschen, die Altstadt-Gastronomen sorgten für leckeres Essen. Es war eine laue Sommernacht mit südländischem Flair.

„Es ist super, alles passt und die Veranstaltung ist sehr gut besucht“, sagte der Dachauer Kulturamtsleiter und Organisator Tobias Schneider. So gut, dass gegen 22 Uhr für die Eintrittsverkäufer oben am Karlsberg weitere Einlassbändchen organisiert werden mussten. Rund 11 000 Besucher kamen zu Jazz in allen Gassen und genossen die Musik, die sich bei Weitem nicht nur auf Jazz beschränkte.

Auf dem Rathausplatz gab es neben den Balkan-Beats von „Äl Jawala“ auch Reggae und Funk von „Santeria and the Porn Horns“. Die zehn Musiker waren zum ersten Mal in Dachau und machten auf der größten Bühne gleich zu Beginn den schmissigen Auftakt zum Festival. Andere Bands sind schon richtige Routiniers bei der Veranstaltung. So waren auch die Lokalmatadoren „Amper Stompers“ dabei. Dixie, Boogie, Swing und Jazz beinhaltete deren Haupt-Repertoire. Doch sie bewiesen auch, dass bei „Jazz in allen Gassen“ sogar Platz für Bach-Kompositionen ist. Pianist Peter Heger spielte mehrere Soli, darunter viel Boogie und Rag-Time, aber auch eine Prelude von Johann Sebastian Bach. Seine Hände flogen über die Keyboardtasten, die Zuhörer waren begeistert von der Virtuosität: Sie applaudierten nicht nur, sie kreischten.

Die schönsten Bilder von „Jazz in allen Gassen“

Stammgäste bei Jazz in allen Gassen waren auch die drei Männer von der „Boogie-Connection“, die am Schrannenplatz Blues, Boogie, Soul und auch ein bisschen Rock’n’Roll boten. Den Sound der 50er Jahre mit Rock’n’Roll, R’n’B und Swing gab es zudem am Kraisy-Brunnen mit „The Ballroomshakers“ zu hören. Vor allem Frontfrau Donniele Graves beeindruckte mit ihrer kräftigen, rauchigen, voluminösen Stimme. Immer wieder legten Pärchen ein Tänzchen aufs Parkett, beziehungsweise aufs Kopfsteinpflaster. Das war auch im Schermhof öfter zu beobachten, wo die junge Sängerin Alma Civeja mit ihrem „Alma Civeja Quartett“ und Soul, Pop oder Jazz das Publikum berührte.

Wer bei „Jazz in allen Gassen“ richtigen, echten, instrumentalen Jazz hören wollte, der musste ins Café Gramsci gehen. Dort spielten Musiker, die aus Dachaus italienischer Partnerstadt Fondi angereist waren. Lässig und locker waren die Songs vom „Paolo Recchia Quartet“. Vor allem Leader und Saxophonist Paolo Recchia brachte mit seinen Solomelodien und Improvisationen das Lebensgefühl der Südstaaten der USA nach Dachau in die Altstadt. Zumindest für eine Nacht.

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