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Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft

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Reinigungs- und Umbauarbeiten laufen auf Hochdruck, um die Anlage wieder zum Laufen zu bringen. © sm

Dachau - Seit Monaten war bekannt, dass die Odelzhauser Kläranlage überlastet ist. Ende vergangenener Woche nun verweigerte sie endgültig den Dienst, große Mengen Keime verschmutzten daraufhin die Glonn. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Gewässerverunreinigung.

Odelzhausen - Spätestens seit Herbst des vergangenen Jahres muss die Gemeinde Odelzhausen von den Kapazitätsproblemen ihrer Kläranlage gewusst haben. Im Zuge einer öffentlichen Veranstaltung nämlich sagte Bürgermeister Konrad Brandmair im Oktober 2012: „Wir haben mehr Schmutzfracht als Kapazität“; die Einleitungen in die Anlage, die für 8000 Einwohner gebaut worden sei, würden zum Teil sogar bei 11 000 Einwohnergleichwerten liegen. Schuld daran, so der Bürgermeister damals, seien die „Starkverschmutzer“ aus den Gewerbegebieten, weshalb Brandmair versprach, „dies zu prüfen und Messungen durchzuführen“.

Was genau die Gemeinde als Betreiber der Kläranlage nun seit Herbst messen konnte - sofern sie überhaupt Untersuchungen vornahm - ist durch die Ereignisse der vergangenen Tage hinfällig geworden. Die Kläranlage verweigerte Ende vergangener Woche den Dienst - „wegen einer anhaltenden Überlastungssituation“, wie das Wasserwirtschaftsamt München gestern bestätigte.

Zuvor waren große Mengen fäkaler Keime in das Wasser der Glonn geleitet worden (wir berichteten). Die Werte ab der Kläranlage Odelzhausen bis hinauf zur Landkreisgrenze nach Freising seien „exorbitant hoch“ gewesen, erklärte dazu Dr. Hans Bergmann vom Gesundheitsamt Dachau. Bei den sogenannten Koli-Keimen etwa betrage der Grenzwert, ab dem man von „mangelhafter Wasserqualität“ spricht, 1800 KBE/100ml. „Unser Labor hört bei 4500 auf zu messen“, so Bergmann, „aber die Werte in der Glonn lagen zeitweise sicherlich noch wesentlich höher.“

Bislang, hieß es gestern aus dem Wasserwirtschaftsamt, sei der Fluss zwar noch nicht gekippt, und es habe auch noch kein Fischsterben gegeben. Dennoch sei es nun die vordringlichste Aufgabe der Gemeinde, die Anlage zu stabilisieren und den Abwasserzufluss zu reduzieren.

Wie lange und in welchen Mengen das verunreinigte Wasser vor dem endgültigen Versagen der Kläranlage in die Glonn lief, wissen weder das Gesundheits-, noch das Wasserwirtschaftsamt. Dass es dort aber schon länger Kapazitätsprobleme gab, war zumindest letzterer Behörde längst bekannt. Vielleicht auch deswegen verwies der stellvertretende Amtsleiter Wolfgang Polz bei der Frage nach der Verantwortlichkeit für das Unglück „auf das laufende Ermittlungsverfahren“.

Auch bei der Gemeinde Odelzhausen wollte man sich gestern zunächst nicht äußern. Erst am Nachmittag gab Bürgermeister Konrad Brandmair zu, dass die Kläranlage überlastet war. Allerdings vertrat er die Ansicht, dass der Ausfall der Anlage kein generelles Problem sei, sondern nur aufgrund „eines Hammerstoßes“ eines Gewerbebetriebs zustande gekommen sei. Grundsätzlich könne die Kläranlage die Ableitungen von bis zu 10 000 Einwohnergleichwerten durchaus bewältigen, „das hat mir das Ingenieurbüro bestätigt“. Um dies zu erreichen, müssten die Betriebe ihre Produktion entsprechend umbauen und so ihre Ableitungen in Zukunft steuern: „Die sollen nicht stoßweise, sondern regelmäßig ihr Abwasser ableiten!“

Die Koli-Keime, die derzeit noch in der Glonn schwimmen, werden dies wohl nicht mehr erleben. „Länger als eine Woche halten die nicht durch“, weiß Gesundheitsamts-Vertreter Bergmann. Sollte die Kläranlage in den nächsten Tagen repariert sein, könnte der Fluss also bald wieder den Grenzwerten entsprechen.

Der Staatsanwaltschaft München II ist derweil dabei herauszufinden, wer schuld ist an der Verschmutzung der Glonn. Laut Sprecher Ken Heidenreich „versuchen wir gerade zu ermitteln, was passiert ist und wem unter Umständen strafrechtlich relevantes Verhalten nachzuweisen ist“.

(Stefanie Zipfer)

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