Joe Biden mit seiner Enkelin Finnegan und Max Mannheimer (†), Präsident der Lagergemeinschaft Dachau, sowie einem Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte.
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Joe Biden mit seiner Enkelin Finnegan und Max Mannheimer (†), Präsident der Lagergemeinschaft Dachau, sowie einem Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte am 8. Februar 2015 auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte. Der damalige US-Vizepräsident war im Anschluss an die Münchner Sicherheitskonferenz nach Dachau gekommen.

Er kam als Privatmann

Joe Biden besuchte vor fünf Jahren die KZ-Gedenkstätte Dachau: Zwei Augenzeugen erinnern sich

  • Stefanie Zipfer
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Schon vier Mal hat Joe Biden die KZ-Gedenkstätte Dachau besucht, zuletzt im Februar 2015. Zwei Augenzeugen erinnern sich an den Besuch.

  • Der designierte Präsident der USA, Joe Biden, war bereits viermal in der KZ-Gedenkstätte in Dachau.
  • Zuletzt im Februar 2015 mit seiner Enkelin Finnegan.
  • Thomas Rauscher von der Polizei Dachau und Gabriele Hammermann von der KZ-Gedenkstätte erinnern sich.

Dachau – Anfang Februar 2015 bekam Dachaus Polizeichef Thomas Rauscher einen Anruf. Die Kollegen vom Ingolstädter Polizeipräsidium teilten ihm dabei mit: „Höchstwahrscheinlich“ werde bald „sehr, sehr hoher Besuch“ in Dachau eintreffen. Rauscher ahnte schnell, dass es um einen Politiker ging, schließlich lief parallel die Münchner Sicherheitskonferenz. Dass es aber der damalige amerikanische Vizepräsident Joe Biden werden sollte, der die KZ-Gedenkstätte besuchen wollte, davon hatte Rauscher zu diesem Zeitpunkt noch keine Ahnung. Das hatte es nämlich noch nie gegeben: ein US-Vizepräsident, der das ehemalige Konzentrationslager besucht!

Doch Biden, damals noch der Stellvertreter Barack Obamas, sollte Schule machen. Nur zwei Jahre später kam Mike Pence, der Vize von Donald Trump, nach Dachau. Wobei: Für Biden war der Besuch in Dachau nichts Neues. Mit jedem seiner drei Kinder hatte er die Gedenkstätte bereits besucht. Am 8. Februar 2015 – es war ein eisiger Sonntagnachmittag – wollte er sie dann seiner Enkelin Finnegan zeigen; die zwei Tage zuvor hatte der damals 72-Jährige die Münchner Sicherheitskonferenz besucht.

Joe Biden war viermal in der KZ-Gedenkstätte: Der Besuch war besonders

Der Besuch Bidens war für den Polizisten Rauscher in jeder Hinsicht besonders: „Er kam als Privatmann, nicht in offizieller Mission.“ Damit, so Rauscher, hätten die Einsatzkräfte viele protokollarische Vorschriften schon einmal nicht berücksichtigen müssen. Andererseits aber sei das Gelände der Gedenkstätte dadurch auch für andere Besucher offen geblieben – was die Aufgabe der Polizei, die Sicherheit ihres prominenten Gastes zu gewährleisten, nicht unbedingt erleichterte.

Er kam als Privatmann, nicht in offizieller Mission.

Polizeichef Thomas Rauscher

Doch am Ende, sagt Rauscher, sei alles „gut, würdevoll und ohne Störungen“ verlaufen. Biden sei, begleitet von einem Autokonvoi aus 30 Fahrzeugen sowie einem über ihm kreisenden Hubschrauber, nach Dachau gekommen. 100 Beamte der Polizei Dachau, der Kripo Fürstenfeldbruck sowie der Bereitschaftspolizei arbeiteten Hand in Hand mit Bidens amerikanischen Personenschützern. Einsatzleiter Rauscher erinnert sich noch gut, Biden stets im Blick gehabt zu haben. Für einen Handschlag aber habe die Zeit dennoch nicht gereicht: „Es war anstrengend, ich hing nur am Funkgerät.“

Joe Bidens Besuch in der KZ-Gedenkstätte war kurzfristig

Näher dran an Joe Biden war Gabriele Hammermann. Die Leiterin der KZ-Gedenkstätte erinnert sich gut an den 8. Februar 2015. Wie auch die Polizei erfuhr auch sie eher kurzfristig vom Besuch des Vize-Präsidenten. „Da ging schon erst mal der Puls hoch“, wie sie sich lachend erinnert. Zumal die Anforderungen von Bidens Stab „interessant“ waren, wie Hammermann sagt: „Er wollte explizit einen privaten Besuch, ohne Reden, ohne Aufhebens“ oder sonstige offizielle Verpflichtungen. Andererseits hatten seine Gastgeber die „höchste Sicherheitsstufe“ zu erfüllen. Beim Besuch von Bidens Nachfolger im Amt des US-Vizepräsidenten, Mike Pence, im Jahr 2017 habe sie von diesem „Widerspruch“ beziehungsweise der Erfahrung, die sie damit gemacht hat, profitiert: „Bei Pence war uns dann alles schon bisschen klarer“, die Organisation habe daher reibungsloser funktioniert.

Doch auch mit Biden, so Hammermann, sei es „easy“ gewesen. Sie habe ihn „sehr authentisch“ und sympathisch erlebt. Klar, sei der „private Besuch nie wirklich privat“ gewesen, dafür habe schon Bidens Sicherheitstross gesorgt. Doch seine Liebe zu Bayern – von der er auch schon während der Sicherheitskonferenz in München stolz den Journalisten berichtet hatte – sei ihr glaubhaft erschienen. Auch die Enkelin Finnegan hinterließ bei der Gedenkstätten-Leiterin einen positiven Eindruck. „Sie war anfangs zurückhaltend“, was nicht untypisch für Teenager sei. In den Baracken aber sei sie sichtlich bewegt gewesen – „und es hat sich auch eine interessante Diskussion entwickelt“.

Joe Biden: „Dass wir alles dafür tun müssen, dass sich so etwas nicht wiederholt.“

Was Biden seiner Enkelin an diesem Tag zeigen wollte: „Dass wir alles dafür tun müssen, dass sich so etwas nicht wiederholt.“ Diesen Satz, so Hammermann, habe der hohe Gast aus Washington oft gesagt. Entsprechend viel Lob hätte er auch für die Dachauer Gedenkarbeit übrig gehabt: Das frühere Konzentrationslager sei „das moralische Korrektiv, mit allem, was ein Besuch dort auslöst“.

Doch auch wenn der damals 72-Jährige die Dachauer Anlage bereits kannte, so durfte auch er am 8. Februar 2015 etwas Neues erleben. Denn diesmal wurde er von Max Mannheimer, dem im September 2016 verstorbenen Holocaust-Überlebenden und langjährigen Präsidenten der Lagergemeinschaft Dachau, begleitet. „Ich habe damals noch fast jeden Tag mit Max telefoniert“, erinnert sich Hammermann. Als sie ihm von Bidens Besuch berichtet habe, „wollte er unbedingt dabei sein“! Zwischen den beiden Männern habe sie sofort eine „große Sympathie“ gespürt, mühelos hätte Mannheimer mit dem hohen Gast aus Übersee auf Englisch parliert.

Gesprächsthema bei Joe Bidens Besuch: Der Diebstahl des KZ-Tors mit der Inschrift „Arbeit macht frei“

Neben Mannheimers persönlichen Erlebnissen in Nazi-deutscher Lagerhaft ging es an jenem Sonntagnachmittag vor allem um ein Thema: das knapp drei Monate zuvor gestohlene KZ-Tor mit der Inschrift „Arbeit macht frei“. „Wir waren davon alle noch traumatisiert, es war noch ganz frisch“, sagt Hammermann. Biden hätte darauf fassungslos reagiert und betont, dass man einfach alles tun müsse, gegen Antisemitismus zu kämpfen.

Dass der designierte US-Präsident dies ernst meinte, davon ist Hammermann überzeugt. Zweieinhalb Stunden verbrachte Joe Biden damals auf dem Gelände. So viel Zeit wie nur wenige andere Politiker.

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