Johann Fritz zeigt, wie man mit einer App Pflanzen bestimmen kann, beispielsweise mit der „Flora Incognita“
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Johann Fritz zeigt, wie man mit einer App Pflanzen bestimmen kann, beispielsweise mit der „Flora Incognita“

Naturschutzwächter im Landkreis Dachau

Der 81-jährige Johann Fritz bewacht die Natur

Derzeit zieht es viele Menschen mangels anderer Freizeitmöglichkeiten an die frische Luft. Für Johann Fritz (81) ist das seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil seines Lebens. Seit 20 Jahren ist er einer der Naturschutzwächter im Landkreis Dachau.

Dachau – Johann Fritz aus Bergkirchnen zog es schon immer in die Berge, aber auch im Landkreis Dachau war er immer gerne unterwegs. Und auch beim Bund Naturschutz ist der 81-Jährige schon lange aktiv. Als er im Jahr 2000 als Bundesbahn-Amtmann in Pension ging, beschloss Fritz, auf jeden Fall „etwas Sinnvolles“ zu tun. Da stieß er auf die Stellenausschreibung des Landratsamts, das einen Naturschutzwächter suchte. „Das ist das Bindeglied zwischen der Unteren Naturschutzbehörde und der Bevölkerung“, erklärt Fritz, der nach abgelegter Prüfung vereidigt wurde.

Johann Fritz arbeitet aber nicht nur für den Landkreis, er bietet auch über die Vhs Bergkirchen und für Schulen Führungen und Wanderungen an. Besonders schön sind für ihn die Ausflüge mit Kindern und Jugendlichen. Mit ihnen übers Olympiadach kraxeln, wie er das viele Jahre machte, das muss mittlerweile nicht mehr unbedingt sein.

Wer mit Johann Fritz an der Amper entlang marschiert, der traut ihm das jedoch immer noch zu. Trittsicher, voller Elan, mit scharfem Blick und mit einem Leuchten in den Augen ist Fritz zweimal die Woche in seinen Gebieten unterwegs. Zwischen vier bis sechs Kilometer legt er dann an einem Tag zurück.

Diesmal ist die sogenannte Wacholderweide, die Josef Keller, Mitbegründer des BN wiederentdeckt hatte, an der Reihe. Keller starb im Mai 2010 und vermachte alles dem Bund Naturschutz, der das Gebiet mit pflegt. Gemäht wird das kleine Naturparadies auch von den Stadtwerken, die in unmittelbarer Nachbarschaft am Gündinger Wehr sind. Vor etwa 15 Jahren hat Johann Fritz mit deren Unterstützung auch das dort wuchernde Springkraut in den Griff bekommen, das sich immer mehr ausbreitete.

„Die Stadtwerke mähen jetzt schon Anfang Juli, da sind noch keine Samen da“, erklärt der Naturschutzwächter den Erfolg.

Der 81-jährige gebürtige Bergkirchner erklärt auf dem Weg durch die Wacholderheide sämtliche Pflanzen, Sträucher und Bäume. Er ist aber auch bestens mit der Amper und allen anderen Gewässern im Landkreis vertraut, kennt die Verläufe und Quellen. Er zeigt „Bayerns einzige, echte Liane“, die Waldrebe. „Wie bei Tarzan“, lacht der Naturschützer.

Er warnt aber auch vor dem Pflücken von Pflanzen und Kräutern. Wie beim Bärlauch, der leicht mit Giftpflanzen zu verwechseln sei, etwa mit der Herbstzeitlosen, die zusammen mit dem Eisenhut zu den giftigsten Pflanzen Europas zählt. „Viele reiben den Bärlauch, der ja so ähnlich wie Knoblauch riecht, um zu prüfen, ob es Bärlauch ist. Wenn aber nach einiger Zeit die Hände dann nach Knoblauch riechen und man pflückt was anderes, dann riecht das ja auch nach Knoblauch“, warnt Fritz, der seine Kräuter lieber im eigenen Garten anbaut.

Viele Spaziergänger pflücken aber nicht nur Bärlauch, sondern stechen sich einfach Pflanzen aus, die sie dann im heimischen Garten wieder einsetzen wollen. „Das ist im Landschaftsschutzgebiet verboten“, erklärt Fritz, der die Leute auch schon mal die Pflanzen zurückbringen und wieder eingraben lässt.

Auch Hundebesitzer muss er regelmäßig auf die Leinenpflicht, gerade in der Brutzeit, hinweisen. Sein Geheimrezept: „ Man muss nur richtig mit den Leuten reden.“ Meistens ist die Resonanz positiv. In seltenen Fällen wird es aber auch mal laut. „Letztes Jahr hat mich eine ältere Dame dermaßen angeschrien“, erinnert sich Fritz.

Was ihm Kummer bereitet, ist das zunehmende Müllproblem. „Wir finden an den Straßen Tausende von Schnapsflaschen.“ Gerade in der Pandemie scheint der Alkoholkonsum zugenommen zu haben, vermutet Fritz anhand seiner Funde.

Der 81-Jährige ist auch ausgebildeter Biberberater. Dieses Amt übergibt er allerdings im Sommer an einen Nachfolger. Fritz erinnert sich noch gut an das Jahr 2010, als im Palsweiser Moos ein Landwirt zu weit in die Torfschicht eingedrungen war. Das Gebiet drohte auszutrocknen. Da gab es das Palsweiser Moos in der heutigen Form gar nicht, es existierte nur ein kleiner Graben. Doch die Biber erschufen eine einmalig schöne Seenlandschaft, und Fritz setzte sich dafür ein, dass Landwirte und Biber als Nachbarn miteinander auskamen. Als Biberberater machte er sich anfangs nicht nur Freunde. Aber seinem unermüdlichen Einsatz und seiner Geduld ist es auch zu verdanken, dass das Verständnis für die Wichtigkeit des Bibers geweckt wurde.

Nachdem 1867 der letzte Biber in Bayern geschossen worden war, setzte man 1966 wieder Tiere aus, die man von der Elbe geholt hatte, um sie in Bayern wieder heimisch zu machen. „Der Biber ist unheimlich wichtig für die Natur, hat aber keine natürlichen Feinde“, erklärt Fritz die rasante Verbreitung. Er selbst ist „unglaublich fasziniert vom perfekten Dammbau“ der Tiere, versteht aber auch die andere Seite. Mit Tricks – ohne den Biber töten zu müssen – hat Johann Fritz schon viele Konflikte lösen können. Er befüllt etwa Kanister mit Steinen und hängt sie in Flüssen und Bächen auf. Stößt der Biber beim Schwimmen daran, „scheppert es“. Der Biber erschrickt, baut den Damm anderswo.

Seine Leidenschaft für die Natur hat Johann Fritz auch seinem Sohn Walter und seinen Enkeln Tobias und Christoph vererbt. „Der Tobias ist sogar noch verrückter als ich war“, schmunzelt der 81-Jährige, wenn er von den Klettertouren, Alpenmarathons und Weltreisen seines 30-jährigen Enkelsohns berichtet. Die ganze Familie Fritz ist einfach gerne draußen unterwegs – zu Fuß, auf dem Rad, oder am Kletterseil.

Simone Wester

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