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Er hilft Menschen mit Messie-Syndrom: Der Dachauer Jürgen Bonigut räumt Wohnungen von Menschen auf, die den Zwang haben, Dinge zu sammeln.

Er räumt in ganz Deutschland auf

Der Messie-Helfer: Wie ein Dachauer Betroffenen aus der Patsche hilft

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Jürgen Bonigut (46) berät Messies und räumt zugemüllte Wohnungen aus. Der Dachauer ist in ganz Deutschland unterwegs. Dabei kommt er oft ins Staunen. Es ist kurios, was Menschen so alles sammeln.

Dachau Jürgen Bonigut (46) hilft gerne, kann organisieren und räumt gerne auf. Beste Voraussetzungen für seinen Job: Der Dachauer hilft seit gut einem Jahr Menschen aus der Patsche, die das zwanghafte Verhalten an den Tag legen, übermäßig Dinge zu sammeln und irgendwo zu horten, vulgo: Messies. Dazu hat der gelernte Schreiner und Ingenieur der Holztechnik bei der „Ersten Messie Akademie Deutschland“ mit Sitz in Gauting eine Ausbildung zur Messie-Hilfe-Fachkraft absolviert. Seit gut einem Jahr ist Bonigut deutschlandweit hauptberuflich auf Achse. Der Dachauer hat sehr viel zu tun. Und er hat schon Erstaunliches erlebt.

Da war einmal der ältere Herr aus München. Der Mittsiebziger hatte ein halbes Jahrhundert lang Bücher und Schallplatten gesammelt. Seine beiden Wohnungen, drei angemietete Dachboden- sowie zwei Kellerabteile waren allesamt voll bis an die Decke, als Jürgen Bonigut bei ihm vorbeischaute. „Da blutet einem das Herz. Es bedurfte großer Anstrengung, den Verstand auszuschalten“, so Bonigut, denn es nutzte nichts: Der ältere Herr musste in eine 50-Quadratmeter-Wohnung umziehen.

Fast alle seine Schätze, darunter beispielsweise antiquarische Werke mit von Hand gezeichneten Ansichten von München, landeten auf dem Sperrmüll – samt der acht Plattenspieler, die allerdings alle kaputt waren.

Betreuungsstellen verständigen die Helfer

Rund zwei Millionen Deutsche wie der ältere Herr aus München leiden unter ihrer übervollen Wohnung, schätzt die Deutsche Messie Akademie. „Menschen, die unter dem Messie- bzw. Vermüllungssyndrom leiden, wissen sich in ihrer Wohnsituation oft nicht selbst zu helfen und benötigen externe Hilfe und Unterstützung. Hier komme ich beziehungsweise das Messie-Hilfe-Team ins Spiel. Und gemeinsam mit den Betroffenen schaffen wir es meist innerhalb kurzer Zeit, das wohnliche Umfeld, unter dem Messies oft leiden, deutlich zu verbessern“, sagt Jürgen Bonigut.

Verständigt werden die Messie-Helfer von Betreuungsstellen der Landratsämter, aber auch von verzweifelten Angehörigen, von Vermietern oder gar von Nachbarn. Der aktuelle Fall führte Jürgen Bonigut nach Freilassing. Eine alleinstehende ältere Dame brauchte ihn. „Sie war körperlich eingeschränkt und konnte ihre Wohnung nicht mehr sauber halten oder den Müll rausbringen“, so der Messie-Helfer. Es galt viele abgelaufene Lebensmittel, jede Menge Töpfe und Geschirr zu entsorgen – und scharenweise Fruchtfliegen zu verjagen. „Sein Einfühlungsvermögen nimmt den Betroffenen die Angst und lässt sie ihr Schamgefühl überwinden. Herr Bonigut verbindet sein Feingefühl mit zielgerichtetem professionellem Arbeiten“, sagt Akademiediektor Michael Schröter.

Arbeiten können bis zu 17 Tage dauern

Jürgen Bonigut arbeitet entweder alleine oder mit einem Kollegen zusammen. „Zunächst fahren wir zur Wohnung und sprechen mit dem Betroffenen, machen uns ein Bild und geben ein Angebot ab. Bis dahin kostet es nichts“, so der 46-jährige Dachauer. Nimmt der Betroffene oder seine Angehörigen das Angebot an, dann wird ein Betrag fällig, der sich ganz nach den Umständen des Einzelfalls richtet.

16 oder gar 17 Tage kann es schon mal dauern, bis Jürgen Bonigut eine Wohnung geleert hat. Aber es geht auch schneller. Wie bei einer Frau aus der Landeshauptstadt, die jahrzehntelang die Süddeutsche Zeitung gehortet hatte. Bonigut: „Wir schleppten das wohl größte Archiv außerhalb der SZ-Redaktion aus dem Haus.“ Doch das war kein Problem, schließlich hilft der 46-Jährige seinen Kunden gern aus der Patsche.

Betroffene können das Messie-Hilfe-Team um Jürgen Bonigut unter Telefon 0 89/ 87 57 90 61 erreichen.

Lesen Sie auch: Ärger über vermüllten Wertstoffhof: Gemeinderat beklagt „erschütternden“ Anblick

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