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Volle Hütte: Hier ist mal wieder Partyzeit im „Freiraum“.

Jugendtreff wird heute zehn Jahre alt

Aus einer Sauna wurde der „Freiraum“

Das Jugendzentrum „Freiraum“ wird am heutigen Samstag zehn Jahre alt. In seiner Geschichte machte der Jugendtreff mit seinem politischen und kulturellen Engagement schon häufig auf sich aufmerksam. Aber auch Angriffe aus der rechten Szene auf das Jugendzentrum und Ärger mit Nachbarn wegen lauter Veranstaltungen sorgten für Schlagzeilen.

Dachau „Anfangs haben wir überlegt, ob wir nicht nach Berliner Vorbild einfach ein Gebäude besetzen sollen. Aber wir haben uns dann doch für den offiziellen Weg entschieden“, erzählt Michael Gottschalk lachend von der Gründung des Jugendzentrums „Freiraum“ in der Brunngartenstraße. Der mittlerweile 33-Jährige ist von Beginn an bei dem Verein. Dessen Anfänge reichen zwölf Jahre zurück. Jetzt kann der Jugendtreff selbst seinen zehnten Geburtstag feiern.

Der Weg dahin war beschwerlich. Nachdem sich die Mitglieder des 2006 gegründeten Vereins „Freiraum“ gegen den Berliner Weg entschieden hatten, wurde in Zusammenarbeit mit der Stadt Dachau nach geeigneten Räumen gesucht. Die Wahl fiel schließlich auf den Raum in der Brunngartenstraße – eine ehemalige Sauna. Der Verein musste zwar einige Abstriche hinnehmen – man hatte sich mehr Platz erhofft, um Kunstwerkstätten einrichten zu können –, aber die Jugendlichen begannen sofort mit großem Eifer, die Räumlichkeiten umzubauen. „In der Bauphase waren eigentlich immer zwischen 20 und 50 Jugendliche dabei“, beschreibt Gottschalk die Anfangszeit.

Die Stadt steuerte als Anschubfinanzierung 50 000 Euro bei und stellte den Raum kostenfrei zur Verfügung. Der Verein selbst veranstaltete im Vorfeld Konzerte und sammelte dabei Geld für sein Projekt. Ohne den Arbeitseinsatz der Mitglieder wäre der Umbau aber dennoch nicht möglich gewesen. „Bis auf die Elektrik und die Lüftung haben wir alles selbst gemacht“, erklärt Gottschalk.

Das Ergebnis der Arbeit war ein Raum, der vielseitig genutzt werden kann. Dort finden seitdem Konzerte, Theateraufführungen, Diskussionen und Filmvorführungen statt, aber auch einen kleinen Café-Betrieb gibt es. Willkommen ist jeder, der sich an die Grundsätze des Vereins hält. „Antirassismus, Gleichberechtigung und das aktive Vorgehen gegen Homophobie und Sexismus sind Themen, die uns sehr wichtig sind“, führt Gottschalk aus.

Der „Freiraum“ war deshalb auch immer zur Stelle, wenn es darum ging, gegen rechtes Gedankengut im Landkreis anzukämpfen – sei es bei einer Spontandemo gegen den „Dritten Weg“ oder bei der Gründung des „Runden Tisches gegen Rassismus“. Mit seinem politischem Engagement machte sich der Verein deshalb nicht nur Freunde.

Bereits mehrfach war das Jugendzentrum Ziel von Angriffen, mutmaßlich aus der rechten Szene. Die Fassade wurde mit Parolen beschmiert, ein Schweineherz vor der Eingangstür platziert und ein Mülleimer in Brand gesteckt. Die Täter konnten nicht ermittelt werden. Gottschalk ist „ein bissl enttäuscht vom polizeilichen Interesse“ an der Aufklärung, merkt aber auch an, dass die Schuldigen natürlich nur schwer aufzuspüren seien.

Ebenfalls schwierig gestaltet sich die Lösung des Lärmproblems. Denn immer wieder beklagen Bürger, dass die Jugendlichen auf dem Weg zum und vom Jugendtreff zu laut seien. Gottschalk erklärt, dass sich der Verein durch bauliche Maßnahmen bereits um eine Verbesserung bemühte, aber Hin- und Rückweg natürlich nur schwer zu kontrollieren seien. Man werde aber weiter versuchen, die Situation für alle zu verbessern.

Wie es insgesamt mit dem „Freiraum“ weitergeht, vermag er aber nicht vorauszusagen: „Der Jugendtreff ist wie ein lebendiges Wesen und ändert sich ständig. Wohin er sich entwickelt, wird von den neuen Generationen abhängen.“ In seiner Zeit erlebte der 33-Jährige, wie sich der Ort von einem reinen Jugendzentrum zu einem Kulturzentrum verwandelte, bei dem auch zahlreiche Erwachsene mitmachen. Mittlerweile seien die Besucher zwischen 14 und 50 Jahre alt. „Noch einmal zehn Jahre ,Freiraum’ wären toll“, wünscht sich Gottschalk deshalb. Wie das Kulturzentrum dann aussieht, kann aber heute noch niemand erahnen.

Thomas Benedikt

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