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Kaum zu glauben, aber diese Frau ist 90 Jahre alt! Die frühere Stadträtin und Dachauer AWO-Chefin Christine Haschek während der Vorbereitungen für ihren Geburtstag.

Frühere Stadträtin feiert 90. Geburtstag

Zwischen Politik und Menschlichkeit: Christine Haschek wird 90

Als SPD-Stadträtin und Vorsitzende der AWO hat Christine Haschek vieles erlebt. Klein kriegen ließ sie sich davon aber nie. Am Donnerstag feiert die junggebliebene Dachauerin ihren 90. Geburtstag.

Dachau – In der einen Hand der Boden für die Schwarzwälder Kirschtorte, in der anderen der noch nicht ganz fertige Butterkuchen: Christine Haschek steckte für die Feier ihres 90. Geburtstages am Christi-Himmelfahrts-Tag mitten in den Back-Vorbereitungen. „Und ich mache ja noch mehr Torten – bei den beiden bleibt es nicht“, lachte die Jubilarin.

Dass Christine Haschek nunmehr 90 Jahre alt ist, fällt einem schwer zu glauben. Von der sympathischen Dachauerin können sich viele Jüngere eine Scheibe abschneiden. „Ein paar kleine Wehwehchen hat jeder, aber ansonsten geht es mir gesundheitlich Gott sei Dank sehr gut“, betont die 90-Jährige lächelnd.

Die Jubilarin kam am 10. Mai 1928 im ehemaligen Königreich Jugoslawien (heutiges Serbien) als Christine Schmidt zur Welt. Für ihre Eltern war sie die zweite Tochter, ihrer ältere Schwester Katharina kam bereits 1925 zur Welt. „Leider ist Katharina im Alter von nur 47 Jahren bei einer Operation verstorben“, erinnert sich Christine Haschek. Ihr jüngerer Bruder, der 1933 zur Welt kam, starb im Jahr 2006 an Krebs.

Auch ihre Mutter verlor die 90-Jährige an den Krebs – und das in sehr jungen Jahren. „Meine Mutter starb, als ich 14 Jahre alt war. Ich hatte damals auch Floristin gelernt – so wie sie – und konnte und musste dann schon recht selbständig arbeiten“, erzählt Christine Haschek.

Mit dem Ende des Königreichs Jugoslawien im April 1941 begann für Haschek und fünf weitere Familienmitglieder eine Zeit mit vielen Ortswechseln. „Im Oktober 1945 kamen wir ins Durchgangslager Dachau und wurden 1946 nach Pellheim gebracht“, berichtet die Jubilarin.

Ein Jahr darauf lernte sie ihren späteren Ehemann, Wilhelm Otto Haschek, kennen. „Zum Fasching gab es damals noch einen sogenannten Polstertanz“, erinnert sich die 90-Jährige lächelnd. „Der Tanz war sehr beliebt. Man warf ein Polster vor den oder die Auserwählte und daraufhin gab es einen Kuss.“ Die beiden trafen sich immer wieder bei verschiedenen Tanzabenden. „Das war noch eine Zeit, in der man auf dem Dorf abends oft zusammenkam“, erklärt sie. „Im April 1948 haben wir bereits geheiratet.“ Die standesamtliche Hochzeit fand in Pellheim statt, kirchlich heiratete das Paar in der früheren evangelischen Kirche in der Frühlingstraße in Dachau. Nachdem das Paar 1950 die Totgeburt seines ersten Kindes zu verkraften hatte, zogen Christine und Wilhelm Haschek ins Lager Dachau. Zwei Jahre später kam ihre Tochter zur Welt. „Wie sollte sie anders heißen als Christine?“, fragt die 90-Jährige. „Sie kam ja auch zu einer Christine auf die Welt!“ Als ihre Tochter ein halbes Jahr alt war, zog die kleine Familie in das Haus, in dem Christine Haschek noch heute lebt. Dort wohnen auch ihre Tochter und ihr Schwiegersohn.

Als ihr Mann Vorsitzender der Seligergemeinde wurde, habe für sie das politische Leben begonnen, erinnert sich die Jubilarin. Geplant habe sie das aber nie: „Ich bin in das Ganze zusammen mit meinem Mann reingewachsen.“ Haschek war von 1972 bis 1984 SPD-Stadträtin in Dachau. Heute bezeichnet sie diese zwölf Jahre als „die schlechteste Zeit“. Haschek kämpfte beispielsweise für niedrigere Grabgebühren und wies Stadträte und Verwaltung immer wieder auf die Belastungen für die Hinterbliebenen hin. Sie war erfolgreich, musste jedoch auch viel einstecken. Und weil „eins ins andere“ gegangen sei, wurde sie im Jahre 1973 Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt.

Ihren 90. Geburtstag feiert die Jubilarin nun an Christi Himmelfahrt mit 26 Gästen. Zuerst wird in einem Gasthaus gespeist, und anschließend dürfen sich die Gäste Christine Hascheks selbst gebackenen Kunstwerke schmecken lassen.

nn

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