Den Gangsta-Rapper gab Georg Ringsgwandl auf der Bühne des Echodroms: Wilde Drehungen und Wendungen sind aber eher ein Relikt aus alten Zeiten, denn insgesamt ist der Kabarettist viel ruhiger geworden. Foto: sch

Kabarett mit Kopf und Körperverrenkung

Dachau - Mit dem Auftritt von Georg Ringsgwandl hat das Amperitiv ein großartiges Ende gefunden.

Für sein dreistündiges Programm „Untersendling" erntete der bayerische Rockkabarettist frenetischen Applaus vom Publikum.

Kabarett-Fest Amperitiv

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Ringsgwandl ist älter, ruhiger und nachdenklicher geworden. Die schrillen Verkleidungen und exaltierten Verrenkungen, die ihn früher als schrägen Vogel, als Ausnahmeerscheinung in der süddeutschen Kabarettszene auszeichneten, sind einer bodenständigen, „geerdeten“ Show gewichen. Kaum geschminkt und im Anzug stand der nunmehr 60-jährige Ringsgwandl mit der Gitarre auf der Bühne, im Rücken eine hervorragende Band. Einziges Relikt aus alten Zeiten ist der graue Filzhut auf dem Kopf und hin und wieder eine wilde Körperverrenkung, mit der er seine Musik skurril unterstreicht.

Mit „Untersendling“ widmet der ehemalige Kardiologe, der vor vielen Jahren beschlossen hat, die Bühnenbretter dem OP vorzuziehen, zwar einem Münchner Stadtteil, der sich aber in jedem anderen beliebigen Großstadtvorort befinden könnte. Untersendling ist da, wo die Minderheiten die Mehrheit sind, wo es kaum Krawattenträger gibt und Hartz-4-Emfänger und Frührentner schon morgens in der Grünanlage sitzen. Kasachen leben neben Albanern, Österreicher neben Türken, Bulgaren neben Russen.

Auch die Musik hat sich beruhigt, ist runder und groovender geworden. Die Band ist große Klasse und bewegt sich mit größter Selbstverständlichkeit zwischen Rock, Blues und Folk. Der bewährte und superlässige Bluesgitarrist Nick Woodland, Manni Mildenberger (Schlagzeug, Keyboard und Gesang) und Sebastian Gieck (Bass und Gesang) stellten sich mit super Soli einzeln vor.

Ringsgwandl liebt die Gegensätze und dafür liebt ihn das Publikum. Und so folgt auf grotesken Blödsinn mit dem alten Fatalisten-Song „C’est la vie said the old folks“ pure Melancholie. Auf Bayerisch übersetzt heißt das „Irgendwie werd’s scho wern“. Poetisch, anarchisch – einfach herrlich. (sch)

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