Ganz oben auf dem Kartoffelroder werden die Kartoffeln über das Förderband in den Vorratsbehälter transportiert. Bernhard Ruile und die Erntehelferinnen sortieren Steine und faule Kartoffeln von Hand aus. Zuvor wurden die Kartoffeln über mehrere Siebbänder befördert und von Erde und Pflanzenteilen getrennt.
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Ganz oben auf dem Kartoffelroder werden die Kartoffeln über das Förderband in den Vorratsbehälter transportiert. Bernhard Ruile und die Erntehelferinnen sortieren Steine und faule Kartoffeln von Hand aus. Zuvor wurden die Kartoffeln über mehrere Siebbänder befördert und von Erde und Pflanzenteilen getrennt.

Ernte fällt heuer geringer aus

Landwirte im Landkreis Dachau sind besorgt: Kälte und Nässe bedrohen die Kartoffel

  • Nikola Obermeier
    VonNikola Obermeier
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Zu kühl und zu nass: Das mag die Kartoffel nicht. Aus diesem Grund fällt die Ernte in diesem Jahr kleiner aus. Weil es in den vergangenen Wochen viel geregnet hat, drohen weitere Probleme wie Fäulnis, Schnecken- oder Drahtwurmfraß – und die nassen Böden erschweren die Ernte. Aber: „Der Geschmack der Kartoffeln ist sehr gut!“ Deshalb hat Kartoffelbauer Bernhard Ruile aus Arzbach einen Appell an die Verbraucher.

Landkreis – Die Bedingungen für die Kartoffel waren das ganze Jahr über schwierig. „Zuerst die langanhaltende Kälte im Frühjahr, dann der viele Regen im Juli und August“: Für Bernhard Ruile vom Boschthof in Arzbach, der Biokartoffeln anbaut, bedeutet das „ein Drittel weniger Ertrag in diesem Jahr“. Es könnte passieren, „dass die Kartoffeln über den Winter ausgehen“. Nun beginnt die Ernte – etwas später als sonst, denn aufgrund des vielen Regens konnte bisher nicht gerodet werden. Die nassen Böden sind schlecht von den schweren Kartoffelrodern befahrbar, zudem kann der Roder die feste, schwere Erde nicht von den Kartoffeln beseitigen.

Äcker sind derzeit nicht befahrbar

Aus diesem Grund hat die Stärkefabrik „Südstärke“ vergangene Woche wieder zugesperrt, berichtet Simon Sedlmair, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes Dachau (BBV). „Das habe ich noch nie erlebt!“ Obwohl die Produktion schon angelaufen sei, habe die Fabrik den Betrieb für eine Woche dicht gemacht – weil keine Kartoffeln geerntet werden konnten. „Die Nässe war einfach zu stark“, so Sedlmair. Er weiß von Bauern aus anderen Regionen, deren „Kartoffeln regelrecht ersoffen sind“. Auch die Bauern im Landkreis Dachau haben laut Sedlmair Einbußen, manche mehr, manche weniger. Wer seine Kartoffeln auf Kiesböden anbaue, rund um Dachau und Karlsfeld, habe einen Vorteil, doch auf den schweren Böden im Dachauer Hügelland bilde sich schnell Staunässe. Hier drohen die Kartoffeln zu verfaulen. Auch die Haltbarkeit der Kartoffeln sei heuer schwierig. Ein weiteres Problem ist laut Sedlmair die Krautfäule, die sich im feuchtwarmen Herbst gerne ausbreitet. Die Einbrüche im Bio-Sektor seien teilweise eine „Katastrophe“, so Sedlmair. Wer konventionell wirtschaftet, könne Krankheiten behandeln und Schädlinge bekämpfen.

Landwirte haben mit der Krautfäule zu kämpfen

Aber auch Johann Kraut aus Neuhimmelreich, ein konventioneller Kartoffelbauer, hat mit der Krautfäule zu kämpfen. „Die Pflanzenschutzmittel halten eine bestimmte Anzahl von Tagen auf den Blättern, bei Regen muss man öfter behandeln“, erklärt er. Und wenn sich die Krautfäule ausbreite, gehe es oft ganz schnell. Er hat nun mit der Ernte auf den Kiesböden begonnen, „hier haben wir gute Bedingungen“. Allerdings kämpft auch er mit den Folgen der Nässe: ,,Bei Kartoffeln, die das ganze Jahr im Wasser standen, kann es vorkommen, dass nicht alle faulen Kartoffeln beim Ernten und Sortieren erkannt werden.“ Es bestehe die Gefahr, dass sich die Fäulnis im Lager ausbreite.

Insgesamt hat es zu viel geregnet

Ein weiteres Problem sind Wachstumsrisse und Hohlherzigkeit, die einige Kartoffeln aufweisen. „Das kommt durch den hohen Zelldruck in den Knollen, die bei Wachstumsschüben entstehen“, erklärt Kraut. Die Pommes-Industrie könne solche Kartoffeln nicht gut verarbeiten. Die Erntemenge insgesamt sei zwar durchschnittlich gut – „aber es muss eben ein Teil aussortiert werden“. Trotzdem ist Kraut zufrieden: Insgesamt habe es zu viel geregnet, aber immerhin „wurden wir im Landkreis auch vor größerer Trockenheit und größeren Unwettern verschont“. Kraut sagt zufrieden: „Wir sind schon froh, dass wir hier im Dachauer Umland sind.“

Jetzt kommt es auf die nächsten 14 Tage an

Auf die nächsten 14 Tage kommt es nun an, sagt Kartoffelbauer Ruile, ob Schnecken und Drahtwurm anfangen zu fressen. So lange die Kartoffeln im Boden sind, so lange bestehe die Gefahr. Am vergangenen Dienstag startete Ruile mit der Ernte auf einem Feld in Dachau-Ost. Auch er bemerkt ab und an Wachstumsrisse und deformierte Kartoffeln. Daher hat Bernhard Ruile einen Appell an die Verbraucher: „nicht auf die Schönheit achten, sondern auf den Geschmack!“ Der sei nämlich in allerbester Ordnung.

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