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Probleme mit Rücken, Hüfte, Knie? „Nie gehabt“, sagt Karl-Heinz Findeisen, der mit 90 noch immer bei den Tennisfreunden Dachau aktiv ist.

Karl-Heinz Findeisen ist mit 90 noch immer begeisterter Tennisspieler

Ein Grandseigneur des weißen Sports

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Karl-Heinz Findeisen sagt von sich selbst, er sei ein „Tennis-Verrückter“.Jede Woche spielt der Münchner zwei Stunden bei den Tennisfreunden Dachau. Das Besondere: Findeisen ist 90 Jahre jung! Seine für sein Alter außergewöhnliche Fitness führt er auf zwei Gründe zurück: Sport und „ganz ganz viel Glück“.

Dachau – Probleme mit Rücken, Hüfte, Knie? „Nie gehabt!“ Gewichtsprobleme? „Kenn’ ich nicht!“ Stressbedingt mal keine Lust auf Sport? „Von wegen! Ich bin immer dran geblieben!“ Ein einziges Mal, räumt Karl-Heinz Findeisen nach hartnäckigem Nachfragen ein, habe er eine Sportverletzung gehabt: „Beim Skifahren auf der Streif in Kitzbühel habe ich mir die Bänder gedehnt.“ Klar, viele sportlich aktive Menschen haben das Glück, von Verletzungen verschont zu bleiben. Das Außergewöhnliche an Karl-Heinz Findeisen aber ist: Er ist 90 Jahre alt!

Sein ganzes Leben, sagt er, treibt er Sport. Zunächst, in seiner Kindheit, sei es vorwiegend Wassersport und Radfahren gewesen, erinnert er sich. Später dann, Mitte der 60er-Jahre, aber traf er auf „seinen“ Sport: Tennis. Ein Nachbar hatte ihn zur Tennisanlage des Münchner Sportclubs (MSC) mitgenommen, Findeisen war sofort fasziniert. „Tennis ist nicht nur Körper, sondern auch Kopf“, beschreibt er es.

Obwohl er erst spät, im Erwachsenenalter, mit dem weißen Sport begann, wurde er schnell besser. Sofern es Familie und Beruf – er war selbstständiger Handelsvertreter – zuließen, trainierte er. Einfach nur ein paar Bälle schlagen, war dabei nie (bis heute nicht) sein Ding, Findeisen ist Wettkämpfer: „So nach 15, 20 Minuten einschlagen will ich dann schon ein Match spielen!“

33 Jahre stand er am Ende für den MSC auf dem Platz, unter anderem in der Seniorenoberliga Ende der 70er-, Anfang der 80er-Jahre. Über seinen Sohn Alexander dann kam er zu den Dachauer Tennisfreunden, wo er als auch seine Frau Marga sofort „super aufgenommen wurden“. Die Anlage der Tennisfreunde ist für Findeisen ohnehin „eine der schönsten in ganz Bayern“. Und er muss es wissen: Als aktiver Oberliga-Spieler kam er weit herum, bestritt unzählige Matches zwischen Würzburg und München; als passiven Zuschauer verschlug es ihn sogar bis nach Melbourne zu den Australian Open.

Bis vor zwei Jahren spielte Karl-Heinz Findeisen für die TF noch in der Mannschaft, mittlerweile belässt er bei seiner wöchentlichen, zweistündigen Herren-Doppelrunde. Auch seinen geliebten Skisport hat er vor wenigen Jahren aufgegeben. Statt weiter Reisen um den Globus fährt er nun lieber nach Bad Füssing. Und die Entwicklung seines Lieblingssports sieht er sogar kritisch: „Tennis ist ein wahnsinniger Kraftsport geworden. Früher war es ein eleganter Sport, es ging um Technik. Wenn du heute keine Kraft hast, bis du verloren.“ Auch die Etikette habe sich zu seinem Bedauern verändert: „Früher wurde man mit einer blauen Hose weggeschickt. Da durfte man nur in Weiß spielen.“ Das, so der 90-Jährige, „hat mir besser gefallen“. Dennoch: Ganz auf Tennis will er nicht verzichten. „Es braucht Gleichmäßigkeit im Leben“, findet er. Zumal zum Tennis für ihn auch immer die Geselligkeit gehört habe, das Zusammensitzen mit der Mannschaft nach den Spieltagen.

Apropos Geselligkeit: Abstinent habe er nie gelebt, gesteht Findeisen. Er trinkt gerne mal ein Bier, gönnt sich eine Schwarzwälder Kirschtorte, und bis vor vier Jahren hat er „hin und wieder“ sogar das eine oder andere Zigarettchen geraucht. „Ich habe nie extrem gelebt, sondern immer normal.“ Klar, er habe Maß gehalten, „statt einem Stück Fleisch lieber zwei Stück Fisch gegessen“. Aber eine Diät? „Nein“, sagt er, „man muss sich doch auch was gönnen können!“

Insofern hat er auch seinen runden 90. Geburtstag groß gefeiert, in Füssing, mit (Sport-)Freunden und Familie. Die Dachauer Tennisfreunde ehrten ihr ältestes Mitglied mit warmen Worten und einem Geschenkkorb. Was den selbst ernannten „Tennis-Verrückten“ aber am meisten gefreut hat, war die Zusage von TF-Boss Helmut Treutler: „Karl-Heinz, du darfst bei uns so oft spielen, wie du willst!“ Das Geheimnis seiner Gesundheit ist für Findeisen daher auch schnell erklärt: „Meine tolle Familie, meine fantastischen Freunde und ganz ganz viel Glück!“

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