Der Sieger-Entwurf für das Karlsfelder Gymnasium.
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Zeitgemäßer Unterricht, mögliche neue Lernformen – das verspricht der Sieger-Entwurf für das Karlsfelder Gymnasium.

Sieben Eingangsklassen für Karlsfeld starten in Dachau

Karlsfeld: Schulgründung ohne Schulgebäude

  • Thomas Zimmerly
    VonThomas Zimmerly
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Rekordwerte bei den Neuanmeldungen vor allem an den Gymnasien im Landkreis meldet das Landratsamt. Wohin mit den vielen Gymnasiasten? Die Lösung des Problems: Das Gymnasium Karlsfeld wird schon im Schuljahr 22/23 gegründet – mit sieben Klassen, die vorerst im Josef-Effner-Gymnasium unterkommen.

Landkreis – Als der Schul- und Verkehrsexperte im Landratsamt Dachau, Albert Herbst, in der Sitzung des Schul- und Kreisausschusses über die Zahl der Neuanmeldungen an den weiterführenden Schulen für das Schuljahr 2021/22 referierte, benutzte er gleich mehrfach das Wort „dramatisch“. Denn die Zahlen schnellen nach oben. Sorgenfalten breiten sich deshalb in Landratsamt und Politik auf die Stirnen der Verantwortlichen aus – trotz der beiden geplanten Gymnasien in Karlsfeld und Röhrmoos, die zum Schuljahr 2025/26 in Betrieb gehen sollen. Doch eine Lösung ist in Sicht: so genannte Vorläuferklassen.

Bei den Realschulen gab es im Vergleich zum Vorjahr über 100 Neueinschreibungen mehr für die 5. Klassen. Die 18 Eingangsklassen (Vorjahr 14), die daraus gebildet werden, stellten einen Rekordwert dar, so Herbst. Nur in Theresia-Gerhardinger-Realschule Weichs bleibt die Zahl der Eingangsklassen mit vier konstant, in Dachau (6, Vorjahr 4), Odelzhausen (3, 2) und Indersdorf (5,4) wird es jeweils mehr geben.

Überall werden mehr Klassen nötig

Ähnlich ist die Situation bei den drei Landkreisgymnasien. Die Zahl der Anmeldungen ist mit 659 um 129 höher als noch zum Schuljahr 2020/21. Die 22 Eingangsklassen stellen ein Plus von vier dar. Auch das ist ein Rekordwert. Laut Herbst wird es am Ignaz-Taschner-Gymnasium (ITG) 7 (Vorjahr 5), am Josef-Effner-Gymnasium (JEG) 8 (7) und am Gymnasium Markt Indersdorf (GMI) 7 (6) fünfte Klassen geben.

Bei den Fachoberschulen in Indersdorf und Karlsfeld ist die Zahl hingegen nahezu konstant geblieben. Insgesamt gab es 281 Neuanmeldungen (Vorjahr 283).

Doch woher rührt dieser Anstieg? Wie Schulexperte Albert Herbst erfahren hat, werden in den Mittelschulen des Landkreises Dachau im neuen Schuljahr etwa 70 Schüler weniger die fünften Klassen besuchen. Weiter sei davon auszugehen, dass die Übertrittsquote gestiegen ist, was natürlich auch mit der Situation an den Mittelschulen zu tun hat. Zudem stammen die Fünftklässler des Schuljahres 2021/22 aus einem starken Geburtenjahrgang. Und „Corona hat auch beim Übertritt mit reingespielt“, so Herbst, ohne ins Detail zu gehen.

JEG-Außenstelle an der Steinstraße als Lösung

Die hohen Schülerzahlen stellen laut Herbst „räumlich und vom Sachaufwand her eine große Herausforderung dar“. In puncto Klassenzimmer habe man zwar am JEG Spielräume mit der Außenstelle Steinstraße. Und am ITG bringe der Bestandsumbau am Nordflügel zusätzliche Räume. Indes: „Wir verbauen uns in einem Schuljahr sämtliche räumlichen Ressourcen beim ITG und GMI. Das ist eine nichtschöne Entwicklung“, so Herbsts Fazit.

Wohin also mit den vielen Gymnasiasten, bis Karlsfeld und Röhrmoos fertig sind? Im Landratsamt hat man sich schon eine Lösung überlegt. Landrat Stefan Löwl erläuterte den Plan. Das Stichwort ist dabei: Bildung von Übergangs- bzw. Vorläuferklassen, also Klassen, die später geschlossen in die neuen Gymnasien umziehen. Diesbezüglich habe es bereits Gespräche mit der Stadt München gegeben, die in Karlsfeld beteiligt ist. Idealerweise könnte diese neue Schule, die als „Gymnasium Karlsfeld“ firmieren soll, zum Schuljahr 2022/23 in der JEG-Außenstelle in der Steinstraße gegründet werden, so Löwl. Das Projekt sei „schulrechtlich nicht einfach“, so der Landrat, jedoch immer noch besser, als etwa am GMI Container für drei Millionen Euro hinzustellen.

Am 21. Juli jedenfalls wird der Landrat ein Gespräch mit Kultusminister Michael Piazolo führen. „Die Stadt München samt ihrem OB Dieter Reiter, der Ministerialbeauftragte sowie alle Schulleiter befürworten den Plan“, ließ Löwl wissen, „weil es sowohl pädagogisch, organisatorisch als auch finanziell die Ideallösung ist.“ Der Landrat hofft nun von Piazolo „einen wohlwollenden Prüfauftrag zu bekommen“.

Zwei Klassen kommen aus München

Läuft es wie geplant, dann entstehen insgesamt sieben Vorklassen – mit eigenem Schulleiter, Lehrern und Sekretariat, ließ Löwl wissen. Drei Vorklassen kommen aus Dachau, und „zwei werden aus München nach Dachau gefahren“, so Löwl. Hinzu kommen zwei Vorklassen für Röhrmoos. Die Kosten schätzt er auf 150 000 bis 200 000 Euro. Man betrete mit diesem Plan Neuland, so der Landrat, „aber es sind auch noch nie zwei Gymnasien auf einmal gegründet worden in Bayern“.

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