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Kein Geld, kein Personal, zu viele Katzen

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Frau mit 2 Katzen in Decke
Tierpflegerin Nicole Geissler mit Rajan und Ray. Die beiden Katzen würden sich über ein neues Zuhause freuen. © Sim

Dachau – „Momentan ist es Wahnsinn“, sagt Sylvia Gruber. Wenn man weiß, dass die langjährige Vorsitzende des Tierschutzvereins Stress gewohnt ist und sich praktisch rund um die Uhr sieben Tage die Woche um ihre Tiere kümmert, überrascht dieser Satz dann doch.

VON SIMONE WESTER

Der „Wahnsinn“, den Gruber beschreibt, ist das, was derzeit mit vielen Katzen im Landkreis geschehe. „Mindestens drei totgefahrene Katzen pro Tag“, würden dem Tierheim gemeldet. Das Schlimme an der Sache sei, dass viele Autofahrer einfach weiterfahren und nicht einmal schauen würden, ob das Tier noch lebe, beklagt Gruber.

Neben den vielen schwer verletzten und toten Katzen und derzeit auch immer wieder Igeln, macht Sylvia Gruber auch noch die Personalknappheit sehr zu schaffen. Zwei Vollzeitkräfte seien seit langem erkrankt, neues Personal sei nicht zu bekommen. „Wir suchen Tierpfleger oder tiermedizinisch ausgebildete Fachkräfte.“ Denn mit Gassigehen und Saubermachen sei es bei weitem nicht getan. Das Personal müsse unter anderem auch in der Lage sein, Medikamente zu verabreichen. Bewerbungen sind allerdings „Fehlanzeige“.

Auf der anderen Seite quillt das Tierheim derzeit über. Vor allem die vielen Katzen, zumeist Katzenbabys, bereiten viel Sorge: „Wir haben 71 Katzen, normalerweise sind es im Dezember 30 bis 40“, weiß Gruber aus Erfahrung, die vor allem viele kranke Kätzchen aus der Landwirtschaft aufpeppelt. Einige haben es nicht geschafft, mussten eingeschläfert werden, andere wiederum konnten schon vermittelt werden.

Aber die oft schwer kranken Katzen brauchen viel Pflege, viel Zeit und viel Geld. Geld, das das Tierheim eigentlich gar nicht hat. „2020 haben wir allein für Tierarzt- und Tierklinikkosten und Medikamente 170 000 Euro ausgegeben“, rechnet Gruber zusammen. 35 000 Euro schlugen für Gas, Strom und Wasser zu Buche, 50 000 Euro für Futterkosten, und 10 000 Euro für die Müllentsorgung. Von den Kosten für den Tierheim-Neubau gar nicht zu sprechen. Wie berichtet, plant der Verein für rund 1,2 Millionen Euro den Bau eines sogenannten Multifunktionshauses; dessen Finanzierung steht jedoch seit Jahren auf unsicheren Beinen (wir berichteten). „Ich weiß gar nicht, wie ich das zahlen soll!“ Gruber kommt langsam an den Rand des Machenbaren. „Das Geld ist immer ein Thema“, gesteht sie.

Noch viel mehr bedrückt die Tierschützerin aber der Umgang der Menschen mit den Tieren. Fast täglich bekommt sie Tiere, die nicht mehr gewünscht sind. Sei es, weil sie alt und pflegebedürftig werden. Aber auch junge Tiere, bei denen eine teure OP ansteht. „Die Leute kaufen sich für 1000 Euro und mehr eine Rassekatze. Wenn dann aber was ist, wollen sie kein Geld für den Tierarzt ausgeben!“ Sylvia Gruber steht nach ihren fast 30 Jahren im Tierschutz in solchen Situation immer noch fassungslos da.

Einfach einschläfern, wie es viele überforderte und desinteressierte Tierhalter fordern – das lehnt Gruber vehement ab und ist aus tierschutzrechtlichen Gründen gesetzlich gar nicht möglich. Also nimmt sich der Tierschutzverein dieser armen Geschöpfe an und bezahlt Operationen und Medikamente und übernimmt die Pflege.

Neben den Katzen sind derzeit auch 17 Hunde und 27 Kleintiere im Tierheim Dachau untergebracht. Diese werden oft nach Todesfällen abgegeben. Die Angehörigen liefern das Tier oft noch am Sterbetag direkt im Tierheim ab. „Den kann ich nicht brauchen“ – ein Satz, den Gruber oft zu hören bekommt.

Immerhin: Erfreulich ist laut der Tierheim-Chefin derzeit wenigstens die hohe Vermittlungsquote, gerade bei Katzen. Bei den Hunden suchen derzeit auch einige Kandidaten ein neues Zuhause, andere müssen vor Abgabe erst sozialisiert werden.

Helfen kann man den Dachauer Tierschützern nicht nur mit Geldspenden, sondern auch mit Sachspenden wie Putz- und Waschmitteln, Stroh, Heu oder auch Salat und Karotten. Vor allem Spezialfutter für Allergiker wird dringend gebraucht. Die Spendenkonten und viele weitere Infos gibt es unter www.tierschutz.dachau.net.

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