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Hintergründe zur Netflix-Serie „Kitz“: Produzent Vitus Reinbold im Interview ‒ „Weil er auch ein Dorfi ist“

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Von: Verena Möckl

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Vitus Reinbold ist der Produzent der erfolgreichen Netflix-Serie „Kitz“
Vitus Reinbold ist der Produzent der erfolgreichen Netflix-Serie „Kitz“ © Privat

Vitus Reinbold, der Produzent der Netflix-Serie „Kitz“, ist in Günding aufgewachsen. Im Interview spricht er darüber, wie seine Jugend auf dem Land ihn inspirierte.

Günding – Sie war Anfang dieses Jahres eine der erfogreichsten Serien auf der Streaming-Plattform Netflix. Die Rede ist von „Kitz“. In dem sechsteiligen deutsch-österreichischen Drama geht es um den bekannten Luxus-Skiort Kitzbühel, in dem zwei Welten aufeinanderprallen: Die Dekadenz der High Society aus München und das Leben der einheimischen Tiroler Dorfbewohner.

Erfolgreiche Serie auf Netflix: Produzent von Kitz im Interview

Der Produzent des sechsteiligen Dramas, Vitus Reinbold, kennt das Leben auf dem Land. Der heute 37-Jährige ist in Günding aufgewachsen und in Dachau zur Schule gegangen. Heute lebt er in München. Im Interview verrät er, wie er ins Filmgeschäft kam, warum Kitz größtenteils gar nicht in Kitzbühel gedreht wurde, und wie ihn seine Jugend auf dem Dorf inspiriert hat.

Infos zur Serie

Seit dem 30. Dezember läuft die Mini-Serie „Kitz“ auf Netflix. In der Serie geht um die Annäherung der 19-jährigen einheimischen Lisi an das reiche Münchner Instagram-Model Vanessa, die jedes Jahr über Silvester mit ihrer Clique in dem Nobelskiort einfällt.

Herr Reinbold, warum ausgerechnet Kitzbühel? Haben Sie zu dem Ort eine besondere Verbindung?

Vitus Reinbold: Bevor wir angefangen haben, für die Serie zu recherchieren, ehrlich gesagt sehr wenig. Skiurlaub habe ich mit meiner Familie immer im Zillertal gemacht.

Mein Kollege Nikolaus Schulz-Dornburg hingegen, mit dem ich die Serie konzipiert habe, kommt aus München und war in seiner Jugend oft in Kitzbühel zum Skifahren. Er war es auch, von dem viele Ideen für die Figuren der reichen Jugendlichen kamen. Wir haben die Ursprungsidee zur Serie erstmal aus der Sicht der reichen Münchner entwickelt.

Sie sind in Günding aufgewachsen. Hat Sie Ihr Leben auf dem Dorf zu Charakteren der Kitzbühler inspiriert?

Ich war früher sehr verwurzelt in meinem Dorf. Ich hab beim SV Günding Fußball gespielt und war beim Burschenverein. Meine Zeit in Günding hat mich auf jeden Fall inspiriert.

In jeder Figur steckt ein bisschen was von einem selber drin. Hans ist so ‘ne Figur, mit der ich mich stärker identifiziere. Weil er auch ein „Dorfi“ ist, weil er auch bei der Feuerwehr ist. So wie er, bin auch ich auf einem Bauernhof aufgewachsen.

Haben Sie eine Lieblingsfigur?

Das ist, als würden Sie fragen, ,was ist Ihr Lieblingsbaby’ (lacht). Mein Kollege und ich haben uns alle Figuren selber einfallen lassen und daher auch eine besondere Verbindung zu ihnen.

„Ich hatte schon immer eine Faszination“: So kam Vitus Reinbold zum Film

Wie sind sie eigentlich zum Filmgeschäft gekommen? War das Ihr Traumberuf?

Ich hatte immer schon eine Faszination für Fernsehen und Film. Mit 15 Jahren hab ich dann angefangen, mit meinen Freunden Filme zu drehen. Irgendwann in der 11. Klasse hab ich festgestellt, dass man das auch beruflich machen kann.

Erst wollte ich dann Regisseur werden, und habe auch diese Richtung auf der Filmhochschule Macromedia in München studiert. Am Ende des Studiums gab es ein Praxissemester, bei dem ich dann den Beruf des Produzenten besser kennengelernt habe. Seit Ende des Studiums arbeite ich bei der Produktionsfirma Odeon Fiction.

Als Produzent sind Sie für die Serie beziehungsweise den Film verantwortlich. Was bedeutet das genau?

Nikolaus Schulz-Dornburg und ich hatten die Idee zur Serie und waren auch maßgeblich am Drehbuch beteiligt. Anders als oft vermutet, arbeiten Produzenten auch oft sehr inhaltlich mit und sind nicht nur reine Geldgeber.

Man ist bei einem Projekt vom Anfang bis zum Ende involviert und begleitet es dadurch maßgeblich. Wir haben zum Beispiel gemeinsam mit den anderen Kreativen auch die Drehorte ausgesucht.

Hintergründe zur Netflix-Serie Kitz: Drehorte, Drehtage und Corona-Regeln am Set

Zuschauer, die sich in Kitzbühel auskennen, merken schnell, dass die Serie größtenteils gar nicht dort gedreht wurde.

Wir waren nur in den ersten zwei bis drei Wochen in Kitzbühel. Wir hätten gerne mehr vor Ort gedreht. Aber wegen Corona ging das nicht. Unsere Dreharbeiten sind ja in den Anfang der Pandemie gefallen. Zu der Zeit wusste man noch nicht, wie das mit Grenzübergängen ist.

Wo haben Sie Kitz stattdessen gedreht?

Wir waren größtenteils in Berchtesgaden. Unser Serienteam war überwiegend deutsch. Darum haben wir versucht, so viel und so lange in Deutschland zu drehen.

Wie lange haben die Dreharbeiten zu Kitz gedauert?

Rund 70 Tage. Wir konnten auf gar keinen Fall das Risiko eingehen, mit unserem kompletten Drehteam in Österreich zu „stranden“. Das geht rein menschlich nicht. Es gibt ja auch Familienväter und -mütter im Team und unter den Schauspielern. Das tut niemandem gut, wenn man am Wochenende nicht auch mal nach Hause kann.

Während Corona eine Serie zu drehen, hört sich anstrengend an.

Das war es auch. Berchtesgaden war zu diesen Zeitpunkt Hochrisikogebiet. Wir haben sehr viel getestet, eine Mischung aus PCR- und Schnelltests. Bei den Proben hatten alle die Masken auf, nur bei dem Dreh durften die Masken runter. Wir hatten auch ein CO2-Messgerät vor Ort.

Im Netz gab es nicht nur positive Rückmeldungen. Einige Nutzer haben kritisiert, dass der Dialekt der Figuren nicht authentisch sei. Die Tiroler reden Hochdeutsch, die Müncherin Wienerisch.

Mir war das mit dem Dialekt durchaus bewusst. Das hören natürlich die Leute heraus, die aus der Gegend kommen. Wenn ich ’ne Serie schau und die Leute versuchen, da gestellt bayerisch zu reden, dann störe ich mich auch dran.

Aber die große Masse der Zuschauer merkt das nicht. Wir haben mit Netflix auch diskutiert, wie wir das umsetzen sollen. Untertitel wäre eine Möglichkeit gewesen, aber das wollten wir auch nicht. Die Serie soll ja für ein breites Publikum zugänglich sein.

Zum Schluss noch die Frage, die allen Kitz-Fans unter den Nägeln brennt: Gibt es einen Teil zwei?

Nein, es gibt keine Fortsetzung. Das ist natürlich schade. Ich hätte sehr gerne eine zweite Staffel gemacht. Solche Entscheidungen trifft nicht die Produktionsfirma. Aber es gibt schon ein nächstes Projekt: Wir drehen gerade „Boom Boom Bruno“. In der Serie treffen, wie bei „Kitz“, zwei unterschiedliche Welten aufeinander. Nur geht es diesmal um ein ungleiches Polizistenduo.

Interview: Verena Möckl

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