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Zu Ehren des Handwerks im Sparkassensaal: Ulrich Dachs, ZDH-Präsident Peter Wollseifer, Landrat Stefan Löwl, MdB Kathrin Staffler, OB Florian Hartmann bei der Begrüßung durch den Hausherrn Hermann Krenn (von links). 

Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft im Sparkassensaal Dachau

Region braucht „mehr Meister als Master“

Beim Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft im Sparkassensaal Dachau gab es deutlich Worte und den klare Appell, das Handwerk zu unterstützen

Dachau – „Für das Handwerk war 2019 ein gutes Jahr mit einer Zuwachsrate von vier Prozent“, so der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks Peter Wollseifer in seiner Festansprache beim 20. Neujahrsempfang der Dachauer Kreishandwerkerschaft im Sparkassensaal.

Zunächst begrüßte Sparkassen-Vorstand Hermann Krenn die 140 Gäste, Vertreter der Handwerkerschaft, aus der Politik, Verbänden, Kirche und Schule. Er betonte „die enge Verbindung“ der Sparkasse und der Volksbank-Raiffeisenbank mit dem Handwerk. Der Freistaat ist Krenn zufolge ohnehin ein gutes Pflaster für das Handwerk: 20 Prozent der deutschen Handwerksbetriebe befänden sich in Bayern. Die beiden Banken richten die Veranstaltung im jährlichen Wechsel aus.

Ulrich Dachs als Vorsitzender der Kreishandwerkerschaft Dachau und Gastgeber rückte in seiner Ansprache den Fachkräftemangel in den Mittelpunkt seiner Betrachtung und forderte die Betriebe dazu auf, dem Mangel aktiv entgegenzutreten. Er verwies auf die laufenden Projekte in den Schulen, die Bedeutung des MINT-Campus, der eine Möglichkeit sei, „Talente zu entdecken“. Die finanzielle Unterstützung für die „Talentschmiede“ sei wichtig. Allerdings müsse nicht jeder studieren. Die Verantwortung für den schulischen Werdegang der Kinder liege auch bei den Eltern.

ZDH-Präsident Peter Wollseifer, Rheinländer aus NRW, erntete zunächst Applaus, als er Bayern „als Vorbild in vielen Bereichen“ herausstellte. Er beteuerte, dass auch in politisch bewegten Zeiten das Handwerk „in guter Verfassung“, sei, „verankert in der Gesellschaft und ein Stabilisator, auf den wir stolz sein können“. Im Mittelstand stehe in den nächsten Jahren ein Generationswechsel bevor, 150 000 Betriebe würden an einen Nachfolger übergeben. Eine gute Entscheidung von Seiten der Politik sei da die Rückkehr zur Meisterpflicht in zwölf Handwerksberufen. In Klimaschutz und Nachhaltigkeit sieht er „gute Chancen“ für das Handwerk, „aber wir müssen es gemeinsam schaffen, ohne uns gegeneinander auszuspielen und mit Maß und Ziel“!

Viele Forderungen an die Politik

Wollseifer forderte darüber hinaus die komplette Abschaffung des Soli, die Deckelung der Sozialabgaben und er beklagte die Überbürokratisierung: Ein Handwerker verbringe 40 Prozent seiner Zeit am Schreibtisch. In puncto Fachkräftemangel sei wichtig, „auf allen Ebenen aktiv zu sein, um Einfluss zu nehmen. Wir brauchen, wenn 60 Prozent der Schulabgänger studieren, eine Umkehr in der Bildung und eine größere Wertschätzung des Handwerks. Nicht nur Master, sondern auch Meister brauchen wir!“ Aus eigener Erfahrung wisse er, dass sich auch im Handwerk „gutes Geld“ verdienen lasse.

Die fundierte, anschauliche Schilderung des ZDH-Präsidenten Wollseifer zur aktuellen Lage kam bei seinen Zuhörern bestens an. Ulrich Dachs bedankte sich mit einer bayerischen Brotzeit. Grußworte sprachen auch Landrat Stefan Löwl und Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann. Löwl nannte die Handwerker „die Basis für unser Leben im Landkreis“. Um den Fachkräftemangel in den Griff zu bekommen, sprach er die Integration ausländischer Mitarbeiter an, die notwendig sei, „um unseren Lebensstandard zu sichern“. Dies erfordere, „offen zu sein“.

OB Hartmann betonte, dass „das Handwerk allgegenwärtig in Dorf und Stadt“ sei. Doch, so fragte er: „Wie bekomme ich als Handwerksgeselle eine bezahlbare Wohnung in Dachau?“ Bei dem Lohn eines Bauhofmitarbeiters oder dem Gehalt einer Erzieherin sei das kaum möglich. Er verwies auf die aktuellen und in Planung befindlichen Baumaßnahmen der Stadtbau Dachau, wie am Amperweg und am Neufeld. „Die Stadt wird ein verlässlicher Partner bleiben“, versicherte er und appellierte: „Sprechen Sie uns an!“ INGRID KOCH

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