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Bei der Kommunalwahl 2020 dürfen die Hebertshauser wieder einen hauptamtlichen Bürgermeister wählen. Zuletzt hatte Richard Reischl das Amt im Nebenberuf inne.

Kleine Gemeinden im Landkreis Dachau denken vor Kommunalwahl über Neuregelung nach

Das sind die letzten ehrenamtlichen Bürgermeister

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Das Bürgermeisteramt ist mehr als ein Vollzeitjob. 60-Stunden-Wochen sind die Regel. Dennoch gibt es im Landkreis noch immer Bürgermeister, die die Aufgabe ehrenamtlich ausüben. Allerdings werden es immer weniger. Nach Hebertshausen denkt nun eine weitere Gemeinde darüber nach, das Bürgermeisteramt zum Hauptberuf zu machen.

Stellen Sie sich vor, Sie führen ein Unternehmen mit 70 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz zwischen 15 und 20 Millionen Euro, und das Ganze nur nebenbei – ehrenamtlich. So beschreibt Hebertshausens Bürgermeister Richard Reischl (CSU) seine aktuelle Situation als ehrenamtlicher Bürgermeister in der Landkreisgemeinde. Doch das ändert sich bald. Der Hebertshauser Gemeinderat hat einstimmig beschlossen, zur nächsten Wahlperiode den Bürgermeister im Hauptamt einzusetzen (wir berichteten).

Die Hebertshauser folgen damit einem Trend, der im ganzen Landkreis zu beobachten ist. Zuletzt wandelte die Gemeinde Hilgertshausen-Tandern 2016 vor der Kommunalwahl ihre Bürgermeisterstelle von einem Ehrenamt in ein Hauptamt um. Und nach dem Hebertshauser Beschluss sind es noch zwei ehrenamtliche Bürgermeister im Landkreis: Helmut Zech (CSU) in Pfaffenhofen an der Glonn und Gerhard Hainzinger (FWE) in Sulzemoos.

Gemeinhin gilt für die Entscheidung über Haupt- und Ehrenamt die 5000-Einwohner-Marke als Richtwert. Bei Gemeinden mit mehr Einwohnern ist der Bürgermeister für gewöhnlich hauptamtlich – außer der Gemeinderat spricht sich explizit dagegen aus – bei kleineren führt er die Aufgabe im Ehrenamt aus. Ab einer Einwohnerzahl von 10 000 ist der hauptamtliche Bürgermeister nach dem Kommunalrecht zwingend erforderlich.

Eine besonders wechselhafte Geschichte hat diesbezüglich die Gemeinde Hebertshausen hinter sich. Dort hatte es schon einmal einen hauptamtlichen Bürgermeister gegeben: Herbert Bartel war von 1968 bis 1990 im Hauptamt tätig. Sein Nachfolger Johann Zigldrum führte das Amt jedoch wieder ehrenamtlich. So hielt es die 5800-Einwohner-Gemeinde bis jetzt. Denn auch vor der jüngsten Kommunalwahl sträubte sich der Gemeinderat, wieder auf das Hauptamt umzuschwenken. „Das hatte politische Gründe“, erklärt der Sieger der damaligen Wahl, Richard Reischl.

Richard Reischl

Ihm stößt bei der Diskussion um Haupt- oder Ehrenamt vor allem eine Sache sauer auf: „Oft ist es eher eine Neiddebatte als eine Diskussion um die Sinnhaftigkeit.“ Viel zu häufig ginge es nur um die Frage des Gehalts. Doch, so rechnet Reischl vor: „Wäre ich in meinem alten Beruf als Elektromeister geblieben, hätte ich 45 Stunden in der Woche arbeiten müssen, um auf das Gehalt eines hauptamtlichen Bürgermeisters zu kommen.“ Wenn er in seinem Amt als Gemeindechef dagegen eine 45-Stunden-Woche hat, „dann war das eine sehr ruhige Woche“.

Helmut Zech kann das bestätigen, 60-Stunden-Wochen seien für die Bürgermeister die Regel. Trotzdem ist in seiner Heimatgemeinde Pfaffenhofen (rund 2300 Einwohner) eine Umstellung überhaupt nicht in der Diskussion. Obwohl Zech sagt: „Gerade in kleineren Gemeinden ist der Bürgermeister noch stärker in die Aufgaben der Verwaltung eingebunden, wenn es zum Beispiel keinen Bauhofleiter gibt.“

Helmut Zech

Etwas anders ist die Situation in der Gemeinde Sulzemoos (rund 3300 Einwohner). Dort will der amtierende Bürgermeister Gerhard Hainzinger noch im April im Gemeinderat den Vorschlag diskutieren lassen, das Sulzemooser Bürgermeisteramt ebenfalls in ein Hauptamt umzuwandeln. Ausgang: völlig offen. Wie die Stimmungslage dazu im Gemeinderat ist, vermag Hainzinger noch nicht zu sagen: „Wir haben bisher noch nicht über das Thema gesprochen.“ Hainzingers Fazit dazu fällt nach 22 Jahren an der Spitze der Gemeinde jedoch eindeutig aus: „Allein von der Arbeitszeit her, oft weit über 40 Stunden, müsste das Amt hauptamtlich sein.“

Gerhard Hainzinger

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