Das Kodály-Quartett beim Dachauer Schlosskonzert

Romantisch und schwerblütig

Die neue Saison der Dachauer Schlosskonzerte wurde von einem Kammermusikensemble aus Ungarn eröffnet: Das Kodály-Quartett hatte abwechslungsreiche Stücke und eine beeindruckende Beethoven-Interpretation im Programm.

DachauDas Streichquartett wurde 1966 in Budapest von Studenten gegründet, das Konzert in Dachau war Teil seiner Welttournee zum 50-jährigen Jubiläum. Die heutigen Ensemblemitglieder, Attila Falvay, Ferenc Bangó, János Fejérvári und György Éder traten der Gruppe erst später bei und gewannen mit ihren CD-Einspieungen bereits mehrere Preise.

Ihre Spielweise ist temperamentvoll, romantisch und schwerblütig. Bei dem Streichquartett in B-Dur KV 589 von Wolfgang Amadeus Mozart hatten sie dadurch allerdings manchmal zu kämpfen. Die für Mozart typische Leichtigkeit und Spritzigkeit standen bei der rauen, fast schon aggressiv artikulierten Interpretation zurück. Deutliche Lagenwechsel und ein ausladendes Vibrato waren etwas zu romantisch für das Werk der Klassik.

Aber auch wenn der Charakter oft angespannt war, fanden sich die Musiker nach und nach besser in das Stück und spielten schließlich feierlich, elegant und schwungvoll. Zu dem Streichquartett Nr. 4 von Bela Bartók passte die relativ harte Klangsprache des Ensembles dagegen wesentlich besser.

Selbst an den leisen Stellen hielten die Musiker die Spannung mit einer lauernden, brodelnden Atmosphäre aufrecht, wenn auch bisweilen mit etwas großzügiger Intonation. Bartók schrieb dieses Werk nach dem Formideal eine Brücke, die fünf Sätze sind also um den dritten, den „Kernsatz“ geschichtet. So ist der vierte Satz eine Variation des besonders wilden und virtuosen zweiten Satzes, Kopf- und Schlusssatz enthalten das gleiche Thema. Die Musik ist durchsetzt mit aufregenden Klangeffekten wie „glissando“, versetzten Einsätzen der Instrumente, ungewöhnliche verwendetem pizzicato und dem Spiel mit Dämpfer.

Mit einem unglaublichen Wandel überraschte das Kodály-Quartett sein Publikum beim cis-Moll- Streichquartett op. 131 von Ludwig van Beethoven. Die – im Übrigen preisgekrönte – Interpretation war präzise ausgearbeitet, vielseitig und farbenreich, zart und doch energetisch, der Klan fein und elegant. Das harmonische Zusammenspiel, das differenzierte Vibrato, das geschmackvolle Verharren auf den Vorhalten und die wundervoll phrasierten Kantilenen machten die Musik zu einem Klangerlebnis besonderer Schönheit. Das siebensätzige Werk gilt als größtes Quartett Beethovens, der Komponist selbst sprach statt von Sätzen sogar von eigenständigen Stücken.

Als Zugabe spielten Falvay, Bangó, Fejérvári und Éder einen weiteren langsamen Satz eines Mozart-Quartetts.

(san)

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