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„Das haben wir schon gemacht.“ Landrat Stefan Löwl (2.v.l.) versucht seine Herausforderer (von links) Achim Liebl, Hauke Stöwsand, Sebastian Leiß, Dagmar Wagner, Jonathan Westermeier und Hubert Böck zu überzeugen.

Kommunalwahlkampf 2020: Podiumsdiskussion der Landrats-Kandidaten

Sechs gegen den Landrat

Sechs Herausforderer wollen Stefan Löwl bei den Kommunalwahlen am 15. März als Landrat beerben. Bei einer Podiumsdiskussion der Dachauer Nachrichten im Unteren Haus Petersberg kamen alle zu Wort.

Petersberg – Es wirkte beinahe kuschelig, wie die sieben Kandidaten für das Amt des Landrats bei der Podiumsdiskussion der Dachauer Nachrichten dicht an dicht auf ihren Stühlen im Saal der Katholischen Landvolkshochschule (KLVHS) Petersberg saßen. Ein Sinnbild für den Abend, zu dem etwa 130 Zuschauer gekommen waren, um sich zu informieren, wem sie das Amt des obersten Kommunalbeamten im Dachauer Land zutrauen wollen, oder um einen Einblick in die aktuellen Aufgaben des Landkreises zu bekommen, oder um sich einfach unterhalten zu lassen.

In den folgenden zweieinhalb Stunden des friedlichen Happenings unter der Leitung der Redaktionsleiterin der Dachauer Nachrichten, Nikola Obermeier, und des politischen Leiters der KLVHS, Sascha Rotschiller, hörten sie von Amtsinhaber Stefan Löwl sowie seinen sechs Herausforderern Hubert Böck (SPD), Achim Liebl (Die Grünen), Dagmar Wagner (Freie Wähler), Hauke Stöwsand (ÖDP), Sebastian Leiß (Freie Wähler Dachau) und Jonathan Westermeier (Die Linke/Die Partei) nur dosiert Konfrontatives. Das Septett fuhr eher einen Kuschelkurs, sprach vom Landkreis als der „attraktivsten Region in ganz Deutschland“ (Löwl) oder dem „Paradies, in dem wir leben“ (Wagner), um nur zwei Beispiele zu nennen.

Trotz allem gelte es im Land der Seligen noch manches zu verbessern, war von allen Podiumsteilnehmern zu erfahren; etwa in den Bereichen Gesundheitswesen, Verkehr, Klimaschutz, Wachstum, Bildung oder Digitalisierung, um sechs Beispiele zu nennen. Auszugsweise im Einzelnen:

Hubert Böck

Der hauptberufliche BRK-Rettungsdienstleiter, 54, blühte – wenig überraschend – so richtig beim Thema Gesundheit auf. Wie berichtet, bekommt der Landkreis drei zusätzliche Kinderarztsitze. Diese müssten dezentral verteilt werden, und zwar so, wie es bei der Stationierung von Rettungswagen Usus sei. „Da gibt’s ein Gutachten, und dann kommen sie dort hin, wo es notwendig ist“, so der SPD-Kreisrat, der die Befürchtung hegt, dass die für die Verteilung zuständige Kassenärztliche Vereinigung Bayerns das anders sehen könnte.

Achim Liebl

Der 60-jährige Informatiker und Kreisrat, der sich wegen der Kommunalwahl beruflich zurückgenommen hat und derzeit selbstständig beratend tätig ist, brachte beispielsweise konkrete Vorschläge, wie man zukünftig „zehn bis 15 Prozent der Autos von der Straße holen könnte“. Verkehrsvermeidung sei das Zauberwort, so Liebl. Dies könnte gelingen durch: die Bildung von Fahrgemeinschaften, mehr Home-Office und Carsharing.

Dagmar Wagner

Die 49-jährige Diplom-Agraringenieurin mit Erlebnisbauernhof in Kreuzholzhausen ist in Westfalen geboren, in Gelsenkirchen aufgewachsen und in der Welt zu Hause. Sie knöpfte sich den Öffentlichen Personennahverkehr vor. Dieser sei im Dachauer Land „so schlecht wie nirgendwo sonst“. Um etwa von Kreuzholzhausen nach Fürstenfeldbruck zu gelangen, ließ sie aufhorchen, müsse sie erst nach München hinein, um von dort aus wieder hinaus in den Nachbarlandkreis zu kommen. Ihre Forderung daher: mehr Buslinien und Quertangenten.

Hauke Stöwsand

Mit dem bemerkenswerten Satz: „Die ÖDP ist das bessere Grün“, gelang es dem 44-jährigen Juristen aus Erdweg die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu erhaschen. Und in Sachen Klimaschutz legte er gleich nach: Er habe in einem kleinen Ort in Niedersachsen gelebt, „und wir waren dort von Windrädern umzingelt, doch kein Mensch hat sich darüber aufgeregt“. Natürlich brauche es mehr Gewinnung ökologischer Energie auch im Landkreis. Das müsse mit einem Mix aus Biomasse, Photovoltaik, Wasser- sowie Windkraft gelingen, ist er überzeugt.

Sebastian Leiß

Der mit 30 Jahren jüngste Kreisrat verwehrte sich dagegen, als Lobbyist der Autofahrer zu gelten. Aber er habe eben eine dezidierte Meinung. So lehnt er Radschnellwege ab, denn er könne es sich nicht vorstellen, dass „jemand, der acht Stunden arbeitet und erst noch eine Stunde zum Arbeitsplatz hinradeln muss“, diese nutze. Auch Seilbahnen seien nicht sein Ding. „Ich habe nichts gegen Seilbahnen, aber nur, wenn ich Skischuhe anhabe“, so der Freie-Wähler-Dachau-Mann.

Jonathan Westermeier

Ein gerade mal 27-jähriger Anwärter, der für eine Satirepartei antritt, ziemlich links beheimatet ist, sich ellenlange Rastalocken hat wachsen lassen und einen Kapuzenpulli mit einem Motiv der englischen Kult-Punkband „The Clash“ samt Aufdruck „Chaos in New York“ trägt. Sorgt so jemand für Chaos im Landkreis, wenn er Landrat wäre? „In mir ist erstaunlich wenig Satire“, sagt Jonathan Westermeier. Stattdessen stehe er „für eine Politik, die effizient und realistisch ist“ und die die Dinge „intelligent steuert“. Dazu ein Beispiel zum Thema Digitalisierung an Schulen: Er sei dafür, dass Schüler selbstständiger lernen. Warum? Lehrer würden digitales Equipment im Unterricht nur ungern einsetzen, wenn sie merken, dass die Schüler damit besser umgehen. „Wenn mir ein Lehrer sechs Stunden nur was erzählt, schlafe ich ein.“

Stefan Löwl

Der Landrat verfolgte ruhig die Anregungen bzw. Wahlkampfversprechen seiner Herausforderer. Löwls verbale Konter gingen mehrfach in die Richtung: Das haben wir schon gemacht. Auf die Frage, ob ihm das Amt des Landrats nicht zu wenig sei und er größere politische Ambitionen hege, meinte Löwl: „Ich denke Schritt für Schritt.“ Zunächst jedoch möchte er zumindest eine weitere Wahlperiode in Dachau wirken.

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