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Konzept für Bürgerbiergarten steht

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Von: Stefanie Zipfer

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Hinter der neuen Wohnanlage sollen bald Gäste bewirtet werden – wenn es nach den Wünschen der Stadt geht.
Hinter der neuen Wohnanlage sollen bald Gäste bewirtet werden – wenn es nach den Wünschen der Stadt geht. © Norbert Habschied

Der geplante Bürgerbiergarten am Schlossberg nimmt Gestalt an. Gestern beschloss der Bauausschuss ein entsprechendes Nutzungskonzept. Die gute Nachricht: Es wird einen Ausschankwagen und ein mobiles WC geben. Die schlechte: Aus der Eröffnung im kommenden Frühjahr wird nichts.

Dachau – Per Definition ist Zubereitung „eine Tätigkeit, durch die gemäß einem Kochrezept (Kochkunst) aus bestimmten Zutaten beziehungsweise Grundstoffen nach einem gegebenen Verfahren ein Produkt erzeugt wird“. Ein Grillhendl, eine Leberkässemmel oder eine Bratwurscht müssen demgemäß zubereitet werden – und sind im künftigen Bürgerbiergarten der Stadt am Schlossberg nicht erlaubt.

Erlaubt dagegen sind eine Reihe von anderen Freizeitgenüssen, wie der Bau- und Umweltausschuss gestern bei der Festlegung des Nutzungskonzepts für den Biergarten einstimmig beschloss.

Wie mehrfach berichtet, waren die Gaststätte und der knapp 1000 Quadratmeter große Biergarten der früheren Schlossbergbrauerei seit 2009 geschlossen. Im Jahr 2014 waren die ehemalige Flaschenabfüllerei abgebrochen und der dreijährige Umbau in ein Mehrfamilienhaus in diesem Sommer abgeschlossen worden. Zuvor aber hatte die Grundstückseigentümerin, die Sedlmayr Grund- und Immobilien KGaA, der Stadt den ehemaligen Biergarten überlassen – unter Auflagen.

Unter Beachtung dieser vertraglichen Verpflichtungen – die aus Geruchsgründen die besagte Zubereitung von warmen Speisen auf dem Gelände untersagen sowie unter anderem „musikalische Darbietungen jeglicher Art“, den Betrieb von „offenen Feuerstellen“ und „Veranstaltungen unter Hinzuziehung von Lautsprecheranlagen“ – und eigenen Überlegungen zimmerten die Stadträte nun folgendes Biergartenkonzept: Geöffnet wird die Anlage von April bis Oktober täglich bis spätestens 22 Uhr. Die Bürger können ihre Speisen selbst mitbringen, einen Ausschank in Form eines Getränkewagens aber soll es geben. Alles andere, so fand etwa ÜB-Stadträtin Ingrid Sedlbauer, mache wenig Sinn, denn: „Ich glaube nicht, dass jeder, der da seine Flaschen nach oben trägt, sie anschließend auch wieder mitnimmt.“ Sören Schneider (SPD) fand ebenfalls: „Ein Biergarten ohne Ausschank ist wie ein Bier ohne Schaum.“

Auch in der Toilettenfrage waren sich die Stadträte einig. Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, entweder mobile WCs – etwa in Form von Wagen oder Dixi-Klos – aufzustellen, oder den Biergartennutzern den Weg zu den öffentlichen Toiletten „bergab beim Kochwirtanwesen“, die in „fußläufiger Entfernung erreichbar“ wären, zu weisen. Stadträtin Sedlbauer fand, unter zustimmendem Nicken ihrer Kollegen: „Eine Toilette beim Kochwirt geht gar nicht!“ Die Gefahr, dass sich die Biergartenbesucher zu späterer Stunde auf dem nahen Spielplatz erleichtern, sei einfach zu groß.

Thomas Kreß (Grüne) dachte langfristig: Ob denn nicht später das Aufstellen eines weiteren Wagens möglich sei? Also ein Wagen für Speisen, einer für Getränke? Hier machten der OB und Bauamtsleiter Moritz Reinhold Hoffnung. Schließlich, so Reinhold, beziehe sich die Nutzungsbeschränkung nur auf das von der Sedlmayr Grund- und Immobilien KGaA übertragene Grundstück. „Drum herum gibt es ja noch städtische Flächen“, so Reinhold. Der Grund, dass sich der Stadtrat nun fix auf ein Nutzungskonzept festlegen musste, liegt – wie so oft – am Geld: Für ihr Projekt „Grünanlage mit temporärer Ausschankmöglichkeit am Schlossberg“ bekommt die Stadt von der Regierung von Oberbayern eine Förderung in Höhe von 144 000 Euro; angesichts von Gesamtkosten in Höhe von zirka 185 000 Euro ist dies eine erkleckliche Summe. Dafür muss aber fristgerecht eine Betriebsbeschreibung samt Nutzungskonzept in München vorliegen.

Den Antrag wird die Stadt damit pünktlich abgeben. Der noch im Juli angekündigte Eröffnungstermin Frühjahr 2022 aber ist nicht zu halten. Wegen „erforderlicher weiterer Abstimmungen und Genehmigungen“ – unter anderem braucht es nun ein Lärmschutzgutachten – wird die Inbetriebnahme „deutlich mehr Zeit“ benötigen.

Immerhin: Dass gerade der Lärmschutz kein Problem werden dürfte, davon ist Gertrud Schmidt-Podolsky (CSU) überzeugt. Durch die viel gescholtenen Autoposer am Schlossberg, fand sie lachend, „haben wir die Lärmwerte schon aufgebraucht“.

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