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Schneller um Dachau herum: Die Nord- und die Ostumfahrung um die Große Kreisstadt sollen den Pendlern das Leben erleichtern  so der Stand Ende 2018.

Jetzt sollen Stadt- und Gemeinderäte entscheiden

Konzept für Verkehrsentlastung im Landkreis  Dachau - Schlechte Nachrichten für Karlsfeld

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Wie soll man die wachsenden Verkehrsströme leiten?  Fragen wie diese soll das MIV-Konzept des Landkreises beantworten. Auf die Gemeinden kommen schwierige Entscheidungen zu.

Dachau – Das Verkehrswesen ist geprägt von Fachbegriffen und Abkürzungen. Wer beispielsweise Bus oder Bahn fährt, nutzt den sogenannten Öffentlichen Personennahverkehr, kurz ÖPNV. Wer – noch – mit seinem Auto durch die Lande gondelt, ist Teil des MIV, also des Motorisierten Individualverkehrs.

Für den ÖPNV hatten Stadt und Landkreis Dachau im Dezember einen gemeinsamen Nahverkehrsplan verabschiedet (wir berichteten). Rund zwei Jahre hatten die politischen Gremien mit der Verwaltung daran gearbeitet; speziell an der Finanzierung der städtischen Buslinien hatte sich heftiger Streit entzündet. Kein Wunder, denn es geht um viel Geld: Ab 2020 sollen in Dachau die Busse deutlich länger und öfter unterwegs sein. Um dieses Angebot zu gewährleisten, müssen die Stadtwerke 26 weitere Fahrzeuge kaufen und 45 neue Mitarbeiter einstellen.

Teuer dürfte nun auch die Umsetzung der Maßnahmen aus dem sogenannten MIV-Konzept werden. Im Prinzip geht es dabei um nichts weniger als den Aus- beziehungsweise den Umbau des überörtlichen Straßennetzes im gesamten Landkreis Dachau. In einem ersten Schritt hatten die Gemeinden, Bürger sowie Planer dem Landratsamt Vorschläge für entsprechende Straßen(um)baupläne gemacht und diese Vorschläge – unter Berücksichtigung entsprechender Verkehrs- und Bevölkerungsdaten – einer groben Bewertung unterziehen lassen.

Diese erste Maßnahmenprüfung ist nun abgeschlossen und soll in den kommenden Wochen den Stadt- beziehungsweise Gemeinderäten vorgestellt werden. Bis November bittet das Landratsamt dann um Rückmeldung. Weil das Thema „immer emotional“ ist, stellte Landrat Stefan Löwl die Prüfung als „Grundlage für die weiteren Diskussionen zum MIV“ am Montag auch der Presse vor. Und formulierte dabei klar und deutlich die Ausgangslage: „Wenn wir nix machen, wird es überall schlimmer!“

Über 70 Ideen aus den Gemeinden und Bürgerbeteiligungen seien demnach eingegangen, 48 davon schafften es in die Grobbewertung. Von vornherein ausgeschlossen etwa wurde eine Ringstraße um Altomünster; genauer untersucht wurden dagegen verschiedene Ortsumfahrungen, beispielsweise um Ampermoching, Schwabhausen oder Erdweg, sowie die Auffahrtsmöglichkeit auf die B471 über die Gündinger Straße. Klar wurde dabei: Umfahrungen bieten den Gemeinden im Hinterland tatsächlich die Möglichkeit, ihre Ortskerne zu entlasten. Die Bedingung dafür, so Löwl, ist, „dass die Gemeinde das massiv will. Dann hat sie gute Chancen, das in plus minus zehn Jahren umzusetzen“. Für realistisch hält Löwl hier vor allem die seit Jahren geplanten Umfahrungen um Petershausen und Indersdorf.

Doch politischer Wille allein, speziell bei überörtlichen Projekten, dürfte nicht reichen. Eine Westumfahrung für Dachau etwa würde zwar einerseits Günding massiv, also um bis zu 7800 Fahrzeuge pro Tag, entlasten, dafür aber Bergkirchen und speziell Kreuzholzhausen schwer belasten. Die Gemeinde Bergkirchen lehnt das Projekt daher – egal welche Trassenführung man wählen würde – bereits rundheraus ab.

Hinzu kommen bau- und umweltschutzrechtliche Probleme: Für eine leistungsfähige Verbindung zwischen Großinzemoos und Dachau-Nord etwa müsste erst noch eine Trasse gefunden werden. Abgesehen davon spielen auch Grundstücksfragen eine Rolle: Die Vorstellung des MIV-Konzepts dürfte in manchen Orten des Landkreises daher auch erst einmal im nicht-öffentlichen Teil der Gemeinderatssitzungen stattfinden, mutmaßt der Landrat.

Die „zweite Wahrheit“, wie Löwl es nannte, ist zudem: Für den täglichen Stau Richtung MAN und MTU würde keine dieser 48 Maßnahmen eine Lösung bringen. Wer aus dem Hinterland nach München will, so Löwl, „umfährt den Bereich längst“, beispielsweise über Badersfeld. Umfahrungen um Dachau entlasten außerdem nur die angrenzenden Stadtteile – die Nord-Ost-Umfahrung also nur Etzenhausen und Dachau-Ost. „Großflächige Verlagerungen aus Dachau und Karlsfeld heraus“ seien schlicht „unmöglich“.

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