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Lärm, Dreck und immense Schäden: Krähen nerven alle - in der Stadt und auf dem Land

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Von: Verena Möckl

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Rabenkrähen bereiten den Jägern Sorgen.
Rabenkrähen bereiten den Jägern Sorgen. © JJV

Die Zahl der Saatkrähen wächst. Was Naturschützer freut, ist für Stadtbewohner und Landwirte ein Ärgernis. Die Vögel verursachen immense Schäden.

Dachau – In Dachau liegt Ärger in der Luft. Genauer gesagt sitzt er in einer Baumkrone und krächzt. „Das fängt in der Früh um vier an und geht bis spät in der Nacht“, schimpft Karin Lachner. Die Inhaberin des Brunnenwirts in Dachau-Ost ist genervt.

Ich würde ja nichts sagen, wenn eine Amsel singt, aber das Gekrächze ist einfach nicht schön.

Karin Lachner, Inhaberin Brunnenwirt Dachau

Direkt neben ihrem Biergarten haben es sich Saatkrähen in ihren Nestern hoch oben in den Bäumen bequem gemacht. „Das ist eine massive Lärmbelästigung. Ich würde ja nichts sagen, wenn eine Amsel singt, aber das Gekrächze ist einfach nicht schön.“

Krähenplage in Dachau: Stadtbewohner genervt - „massive Lärmbelästigung“

Vom Dreck und Gekrächze genervt: Die Inhaberin des Brunnenwirts Karin Lachner in Dachau klagt über die Krähen.
Vom Dreck und Gekrächze genervt: Die Inhaberin des Brunnenwirts Karin Lachner in Dachau klagt über die Krähen. © Verena Möckl

Noch schlimmer als der Lärm sind für Lachner die Hinterlassenschaften der Vögel. „Ich könnte täglich mit meinem Auto in die Waschanlage fahren“, schimpft sie. Würde sie die Schirme in ihrem Biergarten nicht aufspannen, würde der Vogelkot direkt auf die Tische regnen.

Dachau: Stadt geht gegen Krähen vor - ohne großen Erfolg

Der Stadt ist die wachsende Krähenplage in Dachau bekannt. Wie Bauamtsleiter Moritz Reinhold mitteilte, versuche man bereits seit fünf Jahren gegen die Krähen mit bestimmten Vergrämungsmaßnahmen vorzugehen: Nester werden entfernt, Äste werden zurückgeschnitten. 100 Nester beseitigte die Stadt pro Jahr.

Bislang haben diese Maßnahmen jedoch keinen spürbaren Effekt erzielt. 37 000 Euro hat die Vergrämung bisher gekostet. Der Erfolg geht gegen Null. Laut dem Pressesprecher der Regierung von Oberbayern, Wolfgang Rupp, bergen die Maßnahmen sogar das Risiko, dass sich Kolonien aufsplittern. Heißt: Noch mehr Krähen in noch mehr Stadtteilen.

Wie etwa am Ernst-Reuter-Platz in Dachau. Dort zählt Karin Lachner mittlerweile 20 Nester. Im vergangenen Jahr seien es noch fünf gewesen. „Die Bestände der Saatkrähe haben, wie in ganz Bayern, auch in der Stadt Dachau zugenommen“, bestätigt Regierungssprecher Rupp.

Katastrophe für Landwirte: Krähen zerstören Aussaat

Auch auf dem Land müssen sich die Landwirte mit der zunehmenden Krähenplage herumschlagen. „Die Population nimmt Überhand“, sagt Simon Sedlmair. Der Dachauer Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) berichtet von hunderten Krähen auf den Feldern. Eine Katastrophe.

Die Landwirte bleiben auf den Kosten sitzen.

Simon Sedlmair, BBV-Kreisobmann Dachau

Besonders stark betroffen sind Felder in Günding, Bergkirchen, Schwabhausen und Indersdorf, so Sedlmair. Dort picken die Krähen das Saatgut von den Feldern. „Manche Landwirte müssen zwei- oder sogar dreimal aussäen“, berichtet Sedlmair.

Auch auf Siloballen haben es die Krähen mit ihren spitzen Schnäbeln abgesehen. Zehn Landwirte haben sich bereits beim Kreisobmann gemeldet. Bei ihnen haben die Vögel insgesamt einen Schaden in Höhe von 60 000 Euro angerichtet. „Die Landwirte bleiben auf den Kosten sitzen“, beschwert sich Sedlmair.

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Jäger besorgt: Krähen bedrohen Kiebitz, Rebhuhn und Feldhase

Auch dem Dachauer Jagdschutz- und Jägerverein bereiten die Vögel Sorgen. „Das Problem sind – anders als in der Landwirtschaft – nicht die Saatkrähen, sondern die Rabenkrähen“, erklärt der Vereinsvorsitzende Ernst-Ulrich Wittmann.

Diese erbeuten Bodenbrüter wie Rebhühner und Kiebitze, aber auch junge Feldhasen. Mancher Bestand ist bedroht.

Was ist der Unterschied zwischen einer Saat- und Rabenkrähe?

Saatkrähen:

. heller Schnabel

. leben in Städten, auf Äckern und Wiesen

. fressen Würmer, Schnecken, Saatgut

. stehen unter Artenschutz und dürfen nur in Ausnahmefällen gejagt werden

. 2021: über 500 Brutpaare im Landkreis

Rabenkrähen:

. dunkler Schnabel

. leben in lichten Wäldern, Park- und Gartenanlagen, Städten und Dörfern, Feldern

. fressen Aas und Feldtiere, wie junge Bodenbrüter und Feldhasen

. dürfen gejagt werden

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Kampf gegen Krähen schwierig: Vögel stehen unter Artenschutz

Sedlmair, Wittmann und Lachner wünschen sich, dass die Politik endlich handelt. Um langfristig der Krähenplage Herr zu werden, sind sich die Betroffenen einig: Der Bestand der Tiere muss auf ein gesundes Maß gebracht werden. Wenn es darauf ankommt, auch mit Flinte und Schrot, meint Sedlmair.

Doch genau da liegt der Knackpunkt: Krähen stehen unter strengem Schutz. Nur in Ausnahmefällen dürfen die Tiere abgeschossen werden. „Eine radikale Dezimierung ist weder praktisch noch gesetzlich umsetzbar“, erklärt Cyrus Mahmoudi, Vorsitzender der Kreisgruppe Dachau des Landesbundes für Vogelschutz.

Nach dem aktuellen Stand wird sich an dem Krähenproblem in der Stadt Dachau und auf dem Land wohl erstmal nichts ändern. „Uns sind leider die Hände gebunden“, meint Oberbürgermeister Florian Hartmann.

Er habe sich aber an das Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz gewandt, teilte er mit. Ob das im Kampf gegen die Krähen wirklich etwas bringen wird, bleibt abzuwarten.

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