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Freudiger Protest: Auf dem Rathausplatz wurde gesungen, getanzt, Musik gemacht. Etwa 200 Besucher kamen. 

Kulturfest gegen die AfD am Dachauer Rathausplatz

Bunt und laut

Beim interkulturellen Kulturfest, der Konterveranstaltung zum AfD-Infoabend, haben die Dachauer wahrlich Farbe bekannt. Hier war einiges geboten: Neben multikulturellen Musikeinlagen gab es auch ein Grußwort von dem jüdischen KZ-Überlebenden Ernst Grube.

Dachau –„Unsere Stadt ist bunt und nicht braun“: Das ist die unmissverständliche Botschaft des Runden Tischs gegen Rassismus Dachau. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, in Zeiten von wachsendem Rechtspopulismus ein Zeichen für Toleranz zu setzen.

Und das ist den Organisatoren am Dienstagabend auch voll und ganz gelungen. Bei einem interkulturellen Kulturfest arrangierte der Runde Tisch eine Konterveranstaltung zum zeitgleich stattfindenden Vortragsabend des AfD-Ortsverbandes. OB Florian Hartmann hatte die Veranstaltung der AfD im Ludwig-Thoma-Haus zunächst untersagt, diese erstritt sich aber gerichtlich den Zugang in das Gebäude. Mit mäßigem Erfolg: Der Saal war beim Vortrag kaum gefüllt.

Am Rathausplatz hingegen herrschte eine heitere Stimmung. Björn Mensing, Pfarrer der evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte und Mitglied des Runden Tischs, hat ein klares Ziel vor Augen: „Es soll hier kein einziges Mal rechtspopulistische Propaganda verbreitet werden, ohne dass es ein stärkeres Zeichen dagegen gibt.“ Aus diesem Grund organisierten er und sein Team am Rathausplatz das interkulturelle Fest. „Das ist jetzt schon das vierte Mal, dass wir Veranstaltungen zur selben Zeit wie die AfD machen“, berichtete Mensing. Der Runde Tisch wolle zeigen, dass es in Dachau keinen Platz für Rassismus gebe. Auch das Stadtoberhaupt setzte an diesem Abend ein Zeichen, denn auch Hartmann nahm an dem Fest teil.

Luise Krispenz, Sprecherin des Runden Tischs, ließ in ihrem Grußwort verlauten: „Wir wollen eine vielfältige und tolerante Stadt, in der Brücken gebaut werden und der Nachbar nicht als potenzielle Gefahr, sondern als gleichwertiges Gesellschaftsmitglied anerkannt wird.“

Dieses Anliegen wurde auch von den Besuchern des Festes vertreten. „Es geht darum, ein Zeichen zu setzen, dass die AfD in dieser Stadt keinen Platz hat“, erklärte eine Besucherin. Es sei umso wichtiger, sich nicht zu verkriechen, sondern sich in der Öffentlichkeit gegen fremdenfeindliches Gedankengut stark zu machen – gerade auch wegen Dachaus Geschichte.

Dazu meldete sich auch der 84-jährige Ernst Grube, jüdischer KZ-Überlebender und Gründungsmitglied vom Runden Tisch, zu Wort. Er erklärte, seit Jahrzehnten kämpfe er als Zeitzeuge gegen alte und neue Nazis und warne vor ausländerfeindlicher Hetze in der Mitte der Gesellschaft. Dabei ging Grube auch besonders auf fremdenfeindliche Äußerungen der AfD-Spitzenpolitiker ein.

Auch der Freiraum Dachau, auf dessen Initiative der Runde Tisch vor drei Jahren überhaupt ins Leben gerufen wurde, positionierte sich. Einige Freiraum-Mitglieder hielten ein großes Tuch mit der Aufschrift „Nationalismus ist keine Alternative“ in die Höhe.

Dass Dachau im Großen und Ganzen eine weltoffene, und bunte Stadt sei, konnte man an der hohen Besucherzahl des Kulturfestes erkennen. Laut Schätzungen wurde ein Höchststand von etwa 200 Personen ausgemacht, die sich auf dem Rathausplatz tummelten. Ganz im Gegensatz zur AfD-Veranstaltung. Hier konnte der Saal nicht einmal ansatzweise gefüllt werden. Das Kulturfest hat den Vortragsabend der AfD bei weitem überboten.

Außer in punkto polizeilicher Sicherheit: Während für die Veranstaltung des Runden Tischs lediglich ein paar Polizei-Beamte im Einsatz waren, wurde vor dem Ludwig-Thoma-Haus eine Truppe von gut zehn Mann aufgestellt.

Insgesamt hatten die Polizisten jedoch nicht viel zu tun, denn der Abend sei laut Roland Itzstein, Pressesprecher der Dachauer Polizei, reibungslos und ohne Zwischenfälle verlaufen.

(vm)

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