Mauer mit Stacheldraht
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Die KZ-Gedenkstätte ist, wie das damalige KZ, von einem Zaun umgeben. Beim Umbau des KZ in eine Gedenkstätte waren einige Zaunpfosten entfernt worden

Angeblich Zaunpfeiler aus Dachauer KZ auf Ebay

Ebay-Wahnsinn: Original-Zaunpfeiler aus KZ Dachau zum Verkauf - Plattform mit umgehender Reaktion

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Es gibt nichts, was es auf Ebay nicht gibt. Sogar ein Zaunpfeiler aus dem KZ Dachau wurde angeboten. Darauf gab es reichlich Reaktionen.

Dachau – Auf der Online-Plattform Ebay stand am Wochenende ein angeblicher Original-Zaunpfeiler aus dem früheren KZ Dachau zum Verkauf – für 1200 Euro. Ob das „Angebot“ überhaupt legal ist, wird nun von mehreren staatlichen Stellen geprüft. Ebay nahm es zwischenzeitlich von seiner Seite.

Mit Nazi-Devotionalien lässt sich noch heute eine Menge Geld verdienen. So brachte die Versteigerung von Adolf Hitlers Faltzylinder im Herbst 2019 50 000 Euro ein, ein Cocktailkleid aus dem Schrank von Eva Braun erzielte immerhin 4600 Euro.

Ebay: Zaunpfeiler aus dem KZ Dachau zum Verkauf? Plattform reagiert umgehend

Doch auch mit vermeintlich kleineren, über 70 Jahre alten Relikten aus der NS-Zeit lässt sich wunderbar Geld verdienen: Im Internet kann man noch heute Hitler-Postkarten, Eiserne Kreuze und Feldpostbriefe erstehen. Oder, wie zuletzt, einen angeblich originalen Zaunpfeiler aus dem KZ Dachau.

Ein Verkäufer namens „tobiraeumtauf“ bot das 2,70 Meter hohe und zirka 90 Kilo schwere Betonteil auf dem Online-Marktplatz Ebay als „Original Stück Zeitgeschichte“ an. Es sei bei der Umwandlung des Lagers in eine Gedenkstätte entfernt und „auf dem Gelände des zuständigen Bauhofs von Mitarbeitern gesichert“ und somit „vor der Zerstörung gerettet“ worden. Grundsätzlich, so verspricht der Verkäufer, handle er „nach bestem Wissen und Gewissen“, jegliche „Haftung, Gewährleistung und Rücknahme“ sei allerdings ausgeschlossen. Wer nun „dieses selten gewordene Stück“ erwerben wolle, brauche nichts weiter tun, als 1200 Euro zu zahlen.

Ebay-Angebot: KZ-Dachau-Zaunpfeiler zum Verkauf? „Nicht zulässig“

Wie viele Interessenten sich für das „Angebot“ fanden, ist unbekannt. Fest steht, dass Ebay den Zaunpfeiler nach entsprechender Anfrage der Heimatzeitung sofort von seiner Seite nahm. Ein derartiger Artikel „ist auf unserem Online-Marktplatz nicht zulässig“, schreibt Lisa Krause von der Ebay-Unternehmenskommunikation. Diese Vorgehensweise habe Ebay in seinem „Grundsatz zu nationalsozialistischen und anderen extremistischen Artikeln“ geregelt, wo es heiße: „Folgende Artikel sind verboten: sämtliche Artikel mit Bezug zum Völkermord an den europäischen Juden und anderen Bevölkerungsgruppen sowie den Geschehnissen in den Konzentrationslagern.“

Grundsätzlich bittet Krause alle Nutzer von Ebay, „entsprechende Angebote zu melden, die möglicherweise gegen unsere Grundsätze verstoßen“. So könnten langfristig gegen Verkäufer, die durch Meldungen von Nutzern auffällig wurden, „Maßnahmen ergriffen“ werden; etwa, in dem man bestimmte Angebote aus den Suchergebnissen ausschließt. Zudem, so betont Krause abschließend, „arbeiten wir im Bereich des illegalen Kulturgüterhandels sehr eng mit den zuständigen Behörden zusammen“.

KZ Dachau: Skandalöses Ebay-Angebot - Behörden dementieren vehement

Ob es sich bei dem Betonpfeiler aber überhaupt um ein historisches „Kulturgut“ handelt, ist fraglich. Denn sowohl der städtische Bauhof als auch die Straßenmeisterei an der Pater-Roth-Straße betonen, „garantiert nie“ solche Pfeiler gesichert, geschweige denn gerettet zu haben. Vielmehr handle es sich bei dem online angebotenen Pfeiler um ein „Allerweltsteil“ beziehungsweise um einen „ganz normalen Zaunpfosten“.

Verkäufer „tobiraeumtauf“ selbst will sich auf Nachfrage nicht näher dazu äußern, wo er das gute Stück genau her hat. Legal sei der Verkauf allemal, wie er versichert. Die Pfeiler seien schließlich „Bauschutt“ und für keine weitere Verwendung vorgesehen gewesen; der Freistaat habe „wahrscheinlich vor 50/60 Jahren“ Hunderte Pfeiler entsorgt. Klar, schließlich habe „alle vier Meter ein Pfeiler“ gestanden.

Ebay-Wahnsinn: Angeblicher KZ-Zaunpfeiler zum Verkauf - „Bizarr“

Bei der KZ-Gedenkstätte ist man sich noch nicht ganz sicher, ob „tobiraeumtauf“ mit dieser juristischen Einschätzung richtig liegt. Dr. Christoph Thonfeld, stellvertretender Leiter der Gedenkstätte, betont, den Sachverhalt an die drei für seine Einrichtung zuständigen Behörden weitergegeben zu haben: das Staatliche Bauamt Freising, das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege sowie die Untere Denkmalschutzbehörde in Dachau. Dort müsse nun die Frage geklärt werden, ob der Verkauf des Zaunpfeilers strafrechtlich relevant ist beziehungsweise ob es sich – sofern der Pfeiler echt ist – um ein schützenswertes Kulturgut handelt, mit dem jegliches Handeltreiben verboten ist.

Denn, so viel steht laut Thonfeld fest: Rein theoretisch könnte es sich bei dem Betonteil durchaus um einen echten Zaunpfeiler handeln. Das frühere KZ nämlich sei wesentlich größer gewesen als die jetzige Gedenkstätte. So sei nicht ausgeschlossen, dass bei der Umwandlung der Flächen auch Bereiche in Privathand gelangt sein könnten.

Dass es selbst für graue Betonpfeiler irgendwo auf der Welt eine Nachfrage gibt, davon ist Thonfeld ohnehin überzeugt. Klar sei es „bizarr“. Andererseits sei Dachau „ein Begriff. Und es gibt viele Leute da draußen, die einfach viel zu viel Geld haben“.

Der rechtsradikale „Volkslehrer“ Nikolai Nerling hat sich in der KZ-Gedenkstätte der Volksverhetzung schuldig gemacht. Dies stellte das Landgericht München II nach einer grotesken Verhandlung fest. Die Gedenkstätte war erleichtert über das Urteil.

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