Trotz Coronakrise: Ministerpräsident Markus Söder gedachte gestern der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau. 
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Trotz Coronakrise: Ministerpräsident Markus Söder gedachte gestern der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau. 

Im kleinen Kreis

Befreiung des KZ Dachau vor 75 Jahren: Söder und Aigner kommen zur Gedenkfeier

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Anstelle der Feier zum 75. Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau gab es  ein kleines Gedenken. Ministerpräsident Markus Söder war der Termin, trotz Corona, wichtig.

  • Zum 75. Mal jährt sich der Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau.
  • Eigentlich wäre eine große Feier geplant gewesen, doch die fällt aus. 
  • Zum kleinen Gedenken kam Ministerpräsident Markus Söder.

Dachau – Gestern Mittag hätte Gabriele Hammermann am Flughafen gestanden, um Überlebende, Befreier und deren Familien in Empfang zu nehmen. Für heute wäre die große Willkommensveranstaltung terminiert gewesen, im Anschluss hätten eine Reihe von Zeitzeugengesprächen, Diskussionen sowie eine Ausstellungseröffnung stattgefunden. Am Freitag wäre es zu den Außenlagern gegangen, bevor die Gedenkstättenleiterin am Samstag „das größte Dinner meines Lebens“ mit 500 Teilnehmern erlebt hätte. Dabei, sagt Hammermann, wäre auch ein Angehöriger der US-Army mit einem Ehrenpreis des Comité International de Dachau (CiD) bedacht worden. Alles war vorbereitet, die Flüge gebucht, die Hotelzimmer reserviert. Allein: Nichts davon findet statt, trotz monatelanger, aufwändiger Planung.

„Das tut schon weh“, sagt Hammermann. Stattdessen gab es gestern „ein würdiges Zeichen nach außen“, nur – wie Stiftungsdirektor Karl Freller betonte – im kleinstmöglichen Rahmen. Das heißt: Lediglich die beiden höchsten Vertreter des Freistaats – Ministerpräsident Markus Söder und Landtagspräsidentin Ilse Aigner – kamen nach Dachau, um am Internationalen Mahnmal „das Richten der Schleife“ zu vollziehen.

75. Jahrestag der KZ-Befreiung in Dachau: Söder und Aigner bei Gedenkfeier dabei

Protokollarisch steht dieses Richten noch unter einer offiziellen Kranzniederlegung; Aigner und Söder kamen, hielten inne, bückten sich zu den beiden Kränzen von Landtag und Staatsregierung und hielten dann ein stilles Gedenken. Dafür, dass die örtlichen Würdenträger, Mitglieder der diplomatischen Corps verschiedenster Länder sowie die Vertreter der einzelnen Opfergruppen nicht dabei sein durften, bat Freller „um Verständnis. Das war alles andere als böser Wille“ – sondern der Coronakrise geschuldet. Gedenkstättenchefin Hammermann war dennoch froh um die Veranstaltung und dass es so „neben der ganzen digitalen Angebote doch auch noch einen analogen Termin gegeben hat“.   

Dass dieses Gedenken, dieses aktive Erinnern an den 29. April 1945 immer noch wichtig, ja geradezu hochaktuell ist, wurde der Ministerpräsident gestern nicht müde zu betonen. Solange es Menschen wie den AfD-Mann Alexander Gauland gebe, die den Nationalsozialismus in Deutschland als „Vogelschiss“ bezeichnen und die Gräueltaten zu relativieren versuchten, müsse man sich „einfach wehren“. Dies sei „Bestandteil einer klaren Strategie“ gegen die Verbreitung von Nationalismus, Rechtsextremismus und Rechtspopulismus. Schließlich, so erinnerte Söder in seiner Rede, sei auch das Nazi-Grauen „nicht auf einen Schlag“ gekommen, sondern „in vielen kleinen Schritten“. Viele hätten die Nazis unterschätzt, hätten sich gedacht: „So schlimm wird’s schon nicht werden.“ Genau dieses Unterschätzen, mahnte Söder, „darf uns aber nie wieder passieren“!

Ministerpräsident bei Kranzniederlegung im KZ Dachau: Söder dankt US-Soldaten

Explizit dankte der Ministerpräsident auch „unseren Freunden in den Vereinigten Staaten von Amerika“ sowie den US-Soldaten „für ihren Beitrag, den sie hier geleistet haben“. Damit sei die KZ-Gedenkstätte Dachau nicht nur ein Mahnmal des Grauens, sondern auch der Freundschaft.

Sowohl Söder als auch Hammermann hoffen nun, die Gedenkfeier in großem Rahmen im kommenden Jahr stattfinden zu lassen. Freller stellte zugleich ein weiteres wichtiges Datum in den Raum: das Jahr 2033. Zum 100. Jahrestag der Anlage soll die umfassende Sanierung und Erweiterung der KZ-Gedenkstätte abgeschlossen sein. Wobei auch in diesem Zusammenhang das Coronavirus eine Rolle spielt. „Bis vor sechs Wochen“, so Freller, „hätte ich mir um die Finanzierung dieser Maßnahme keine Sorgen gemacht“. Doch so groß das Haushaltsloch des Freistaats in den kommenden Jahren auch sein mag: „Der politische Wille ist weiterhin da.“ Zur Not werde man eben schrittweise vorgehen, etwa indem man in einem ersten Schritt die alten Baracken saniert oder das Gelände um den ehemaligen Kräutergarten erweitert.

Die digitalen Angebote zur KZ-Befreiung haben sich etabliert

Trotz des schlechten Wetters, trotz des kleinen Rahmens, wollte Hammermann am Ende doch noch zwei positive Aspekte des gestrigen Tages hervorheben: Vor fünf Jahren, zum 70. Jahrestag der Befreiung, war das Wetter so schlecht, „dass Angela Merkel über die Bordsteinkante ging, um nicht in den Schlamm treten zu müssen“. Zudem hätten sich die digitalen Angebote, die im Zuge von Corona eingeführt wurden, etabliert: Den via Internet übertragenen Rundgang zum Thema „Der Häftling Franz Brückl“ am Dienstag hätten 2000 Menschen verfolgt.

zip

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