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Die KZ-Tür mit der zynischen Inschrift „Arbeit macht frei“ ist mit vielen Roststellen und Schrammen am Mittwoch in der Gedenkstätte in Dachau angekommen. Sie war 2014 von Unbekannten gestohlen worden.

Mehr als zwei Jahre nach dem Diebstahl

KZ-Tür ist zurück in Dachau und soll wichtige Aufgabe erfüllen

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Dachau - Mehr als zwei Jahre, nachdem die Tür des ehemaligen KZ Dachau gestohlen wurde, ist sie in die Gedenkstätte zurückgekehrt. Optisch hat sie einiges mitgemacht. Nach der Restaurierung soll sie künftig einen sicheren Platz im Museum bekommen – und dort eine wichtige Aufgabe erfüllen.

Der langersehnte Moment dauert nicht länger als ein paar Minuten. Die beiden Mitarbeiter des Transport-Unternehmens öffnen die Tür des Lieferwagens und hieven die mehrfach verpackte Ladung nach draußen. Der Inhalt des Pakets ist schwer. Mehr als 100 Kilogramm rostiges Eisen. Die beiden Männer schneiden den Karton vorsichtig auf – und heben die Tür des KZ-Tors heraus. Sie ist endlich heimgekehrt. Zurück in die Gedenkstätte in Dachau, wo Unbekannte sie in der Nacht auf den 2. November 2014 gestohlen hatten.

Sicher verpackt wurde die KZ-Tür angeliefert.

Und sie hat einiges mitgemacht, bis sie nach einem anonymen Hinweis Ende vergangenen Jahres in Norwegen gefunden wurde. Die letzten 28 Monate haben Spuren hinterlassen. Das Gitter der Tür ist an etlichen Stellen verrostet, das Eisen hat viele Schrammen bekommen. Allein die zynische Inschrift „Arbeit macht frei“ ist fast unversehrt geblieben.

Die Schäden sind einer der Gründe, warum die Tür nicht mehr in das Tor am Eingang des Jourhauses eingehängt wird. Es müsste zu viel erneuert werden, sagt Gabriele Hammermann, die Leiterin der KZ-Gedenkstätte. Die Tür soll nun zunächst mit Unterstützung des Landesamts für Denkmalschutz fachmännisch restauriert werden. Der Erosionsprozess werde aufgehalten, Abnutzungsspuren blieben aber sichtbar. Ab dem 30. April wird die Tür in einer Vitrine im letzten Raum der Dauerausstellung im Gedenkstätten-Museum zu sehen sein. Auch um sie vor einem erneuten Diebstahl zu schützen. Im Eingangstor bleibt weiter die Replik eingehängt.

Die Heimkehr der Tür ist nicht auf großer Bühne abgelaufen. Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU), Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerischer Gedenkstätten, und Jean-Michel Thomas, der Präsident des Comité International de Dachau, sind gekommen, um die historische Tür gemeinsam mit Gabriele Hammermann in Empfang zu nehmen. Der Diebstahl war eine „Attacke auf die Integrität der Gedenkstätte“, betonte Spaenle. Und Karl Freller ergänzte: „Für uns ist das ein extrem wichtiger Tag. Wir sind sehr dankbar, dass die Tür wieder hier ist – auch wenn wir immer noch nicht wissen, wer die Täter waren.“

Die Touristin Anna Albert (rechts) hatte von dem Diebstahl nichts mitbekommen und bekam am Mittwoch eine Gänsehaut.

Es ist gut möglich, dass für immer unklar bleiben wird, wer die KZ-Tür gestohlen hat. Bisher gibt es keine Spur zu den Tätern. „Es ist der große Wunsch der Überlebenden und ihrer Angehörigen, dass die Ermittlungen fortgeführt werden“, betonte Hammermann am Mittwoch Der Diebstahl sei einer der schwersten Angriffe auf die Gedenkstätte Dachau gewesen. „Umso wichtiger wäre es, dass die Tat aufgeklärt wird.“

Anna Albert hat von der verschwundenen KZ-Tür aus Dachau am Mittwoch das erste Mal gehört. Sie lebt in Moskau – und war genau an dem Tag zu Besuch in der Gedenkstätte, als die schmiedeeiserne Tür angeliefert wurde. Sie steht etwas abseits, als das Paket geöffnet wird und die Männer die Tür so herausheben, dass der Schriftzug zu lesen ist. „Was passiert hier?“, fragt sie einen der Fotografen. Die 28-Jährige ist an diesem nasskalten Februartag eine von nur wenigen Gedenkstättenbesuchern, die bemerken, dass es ein besonderer Tag ist. „Es war ein ergreifender Moment“, sagt sie, nachdem die Tür ins Museum getragen wurde. Anna Albert ist in das ehemalige Konzentrationslager gefahren, weil sie wissen wollte, was sie an diesem Ort fühlen würde. Mit der Gänsehaut, die sie bekam, als die Eisen-Tür an ihr vorbeigetragen wurde, hatte sie nicht gerechnet.

Die Nachrichten von dem gestohlenen Dachauer Tor sind in mehr als 30 Sprachen um die Welt gegangen. Trotzdem werden viele Besucher der Gedenkstätte erst am 30. April, dem 72. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers, erfahren, dass sie nicht durch die Original-Tür auf das Gelände gegangen sind. Im Museum wird die historische Tür eine wichtige Aufgabe haben, sagt Hammermann. Sie soll nicht nur ein zentrales Symbol für den Leidensweg der Häftlinge sein – sondern mit dem Diebstahl auch ein weiteres dunkles Kapitel in der jüngsten Geschichte der Gedenkstätte repräsentieren.

Gestohlenes Tor kehrt zurück in Dachauer KZ-Gedenkstätte

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