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Gäste aus Italien und Frankreich beim Volksfest 2018: OB Florian Hartmann mit seiner Frau Julia, Fondis Bürgermeister Salvatore De Meo (3.v.l.) sowie Barban Laurent, Bürgermeister von Léognan.

Neue Partnerschaft

Dachau sagt „oui“ zu Léognan

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Seit zwei Jahren verbindet eine herzliche Freundschaft die Städte Dachau und Léognan. Im Sommer hatten die Franzosen der Großen Kreisstadt sogar eine Partnerschaft angeboten. Die Stadträte im Kulturausschuss waren davon nun – mehrheitlich – begeistert. Nur der CSU fehlte die „Augenhöhe“.

Dachau –Die bayerische Landeshauptstadt hat sieben Partnerstädte: Edinburgh, Verona, Bordeaux, Sapporo, Cincinnati, Kiew und Harare. Abgesehen von der simbabwischen und ukrainischen Hauptstadt sowie der japanischen Metropole sind die Münchner Partnerstädte zum Teil wesentlich kleiner als die 1,5-Millionen-Einwohner-Stadt an der Isar. Bordeaux beispielsweise hat nur 250 000 Einwohner.

Um genau diese Verhältnismäßigkeit aber ging es der CSU-Fraktion bei der Frage, inwiefern der Bordeaux’sche Vorort Léognan eine Partnerstadt von Dachau werden könnte. „Die Augenhöhe stimmt nicht ganz“, betonte denn auch CSU-Sprecherin Silvia Kalina am Dienstag im Kulturausschuss. Eine „Freundschaft gern“, fand Kalina, erklärte dann aber namens ihrer Fraktion: „Eine Partnerschaft kommt nicht in Frage.“

Genau das aber hatte die westfranzösische Gemeinde Léognan im Sommer dem Dachauer Oberbürgermeister Florian Hartmann angeboten. Eine Freundschaft zwischen beiden Kommunen bestand zu dem Zeitpunkt bereits seit zwei Jahren, Léognans Bürgermeister Laurent Barban ist bekennender Fan des Dachauer Volksfests.

Den größten Freundschaftsbeweis aber lieferten die Franzosen den Dachauern im April, als eine Delegation der Großen Kreisstadt nicht nur an einer Gedenkveranstaltung zu Ehren der Weltkriegsopfer am Kriegerdenkmal von Léognan teilnehmen, sondern OB Hartmann einen Kranz niederlegen durfte; dazu intonierten die Knabenkapelle Dachau und die französische „Band’a Léo“ die Hymnen beider Länder. „Sehr ergreifend“ hatte Hartmann gegenüber der Heimatzeitung damals die Zeremonie genannt.

Für Sören Schneider (SPD) und Sabine Geißler (Bündnis für Dachau) war daher klar: „Was wollen wir denn noch mehr?“ Geißler sprach von einer „Herzlichkeit, mit der wir dort empfangen wurden“, und davon, dass sogar ältere Franzosen – also diejenigen, die noch den Zweiten Weltkrieg erlebt hatten – mit den Dachauern „das Gespräch gesucht“ hätten! Zudem erinnerte sie daran, dass vor knapp 20 Jahren, als das Ignaz-Taschner-Gymnasium einen Schüleraustausch mit dem französischen Blois an der Loire hatte begründen wollen, dies noch beinahe „am Votum der französischen Eltern gescheitert wäre“. Dieses Angebot aus Léognan nun abzulehnen, würde in Geißlers Augen daher „in der Bevölkerung auf völliges Unverständnis stoßen“!

Horst Ullmann (Bürger für Dachau) hatte vor allem die vielen Jugendlichen der Knabenkapelle im Blick, die in den Sitzungssaal gekommen waren, um eine Partnerschaft mit ihren französischen Freunden zu unterstützen. „Das berührt mich zu sehen“, so Ullmann. Und: „Wenn uns einer die Hand hinstreckt, dann sollten wir sie in Gottes Willen doch auch annehmen!“

Helmut Esch (Grüne) war angesichts der mittlerweile vielen persönlichen Freundschaften zwischen Bürgern aus Dachau und Léognan bemüht, die Franzosen nicht vor den Kopf zu stoßen, falls man deren Anfrage ablehne. Überhaupt, so Esch, könne er sich nicht erinnern, „dass eine französische Stadt jemals einer deutschen die Partnerschaft angetragen hat“.

Am Ende stimmte der Ausschuss gegen die Stimmen der CSU für die Partnerschaft. Partnerschaftsreferent Wolfgang Moll (Wir) sprach sich zwar ebenfalls dagegen aus, war aber als Nicht-Ausschussmitglied nicht stimmberechtigt. Sollte der Stadtrat den Beschluss des Kulturausschusses bestätigen, wovon auszugehen ist, wäre Léognan nach Fondi und Klagenfurt Dachaus dritte Partnerstadt. Ach ja, Klagenfurt: „Die haben über 100 000 Einwohner“, so Sören Schneider (SPD). „Und denen sind wir ja auch nicht zu popelig.“

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