+
Nur diese Lösung fand eine Mehrheit im Verkehrsausschuss: Tempo 30 soll nachts von der Krankenhausstraße bis zum Fabrikberg gelten.

Stadtratsausschuss beschließt Tempo 30

Flüsterzone für die Nacht

  • schließen

Der Lärm in der Stadt wird immer größer, vor allem durch den Verkehr. Darüber waren sich die Stadträte einig. Deshalb haben sie sich für eine Tempo-30-Zone entlang der Mittermayerstraße entschieden – die gilt allerdings nur nachts.

Dachau– In der Stadt soll es leiser werden. Darüber waren sich die Stadträte im Umwelt- und Verkehrsausschuss einig. Wie das gehen soll? Durch Tempo-30-Zonen in den sogenannten Lärmbrennpunkten Dachaus, wie zum Beispiel der Mittermayerstraße bis zum MD-Papierfabrikberg oder entlang der Münchner Straße. Die Geschwindigkeitsbegrenzung sollte aber nur nachts gelten, also zwischen 22 und 6 Uhr. Die Ausschussmitglieder diskutierten über einen Lärmaktionsplan für die Stadt und verschiedene Maßnahmen, den Lärm einzudämmen: Nach einer europäischen Richtlinie sollen die Kommunen Maßnahmen für weniger Lärmbelastung finden.

„Der Lärm nimmt ständig zu“, sagte Verkehrsreferent Volker C. Koch (SPD) in der Sitzung. Grund dafür sei vor allem der Verkehr. „In Facebook liest man viele Beschwerden über Leute, die nachts auf der Münchner Straße Rennen fahren.“ Er schlug deshalb ein durchgehendes nächtliches Tempo 30-Limit von der Einmündung Krankenhausstraße über die Mittermayerstraße und Münchner Straße bis zur Hermann-Stockmann-Straße vor. Zudem müsse die Münchner Straße wegen der Rennen nachts überwacht werden.

Peter Strauch (CSU) kritisierte den Vorschlag. So eine lange 30er-Zone sei „nicht verhältnismäßig“. Denn nur in der Mittermayerstraße gäbe es viele Anwohner, die sich über den Lärm beschwerten. Er schlug eine nächtliche 30er-Zone über die Mittermayerstraße bis zur Ampel an der Konrad-Adenauer-Straße am Papierfabrikberg vor.

Norbert Winter (Bürger für Dachau) blieb skeptisch. „Zwei bis zweieinhalb Dezibel weniger bringen nicht die Welt“, sagte er: „Als Anwohner spürt man das nicht einmal mit verbundenen Augen.“ Bauamtsleiter Michael Simon erklärte dagegen, dass der Verkehrslärm durch die nächtlichen 30er-Zonen sogar um drei Dezibel zurückgehen würde. Das sei nicht zu vernachlässigen, da die Grenzwerte der Lärmbelastung in diesen Brennpunkten ohnehin überschritten würden. Zudem hätten Anwohner nachts ein größeres Bedürfnis nach Ruhe.

Außerdem diskutierte der Ausschuss darüber, Bereiche in der Stadt als „Ruhige Gebiete“ auszuweisen, wie Wald- und Stadtfriedhof, Hofgarten und Teile des Landschaftsschutzgebietes „Amperauen mit Hebertshauser und Inhauser Moos“. Strauch warf ein, dass der Plan auch das Gasthaus Alte Liebe an der Amper mit Biergarten einschließe und es dort dementsprechend lauter sein könne. Simon antwortete, dass das Ziel „Ruhiges Gebiet“ kein rechtliches bindendes sei. Aber im Fall der Alten Liebe müsse eben abgewägt werden, was wichtiger ist: Weniger Lärm in den Amperauen oder das gesellschaftliche Erlebnis im Biergarten.

Auch über Durchfahrtsverbote für Lastwagen, zum Beispiel von Hebertshausen kommend durch das Gewerbegebiet in Dachau-Ost, ging es in der Sitzung. Dafür sollen in den Nachbargemeinden Beschilderungen angebracht werden, das hat der Ausschuss einstimmig beschlossen. Zudem sollen die Stadtbusse in Zukunft mit alternativen Antriebssystemen wie Elektro- oder Hybridantrieben fahren.

Schließlich kam es zur Abstimmung über die nächtlichen 30er Zonen: Kochs Vorschlag, eine Zone zwischen Mittermayerstraße und Hermann-Stockmann-Straße zu errichten, wurde gegen neun Stimmen der CSU, Wolfgang Moll (parteilos) und Norbert Winter abgelehnt. Zustimmung fand Strauchs Vorschlag: Mit zehn zu fünf Stimmen entschied sich der Ausschuss für eine nächtliche 30er-Zone zwischen der Krankenhausstraße über die Mittermayerstraße bis zur Ampel am Fabrikberg.

Außerdem wurde beschlossen, dass sich der Leiter des Ordnungsamts, Stefan Januschkowetz, bei der Polizei erkundigen soll, ob eine feste Geschwindigkeitsmessanlage in der Münchner Straße für rund 50 000 Euro im Jahr installiert werden kann.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Volksfest komplett geräumt
Am Freitag ist etwas passiert, das es in der langjährigen Geschichte des Dachauer Volksfestes noch nicht so oft gab: Wegen des heftigen Unwetters wurde der …
Volksfest komplett geräumt
Frauen sind für Frauen da
Neben Gaudi im Bierzelt und Fahrvergnügen haben Volksfeste auch Schattenseiten, kommt es zu sexuellen Übergriffen und Belästigungen. Die Opfer bekommen auf dem Dachauer …
Frauen sind für Frauen da
Stadtplan für Kinder und Jugendliche
Die Stadt präsentiert erstmals einen Stadtplan, der für ihre kleinen Bewohner gedacht und mit diesen zusammen erarbeitet worden ist.
Stadtplan für Kinder und Jugendliche
Emilian aus Oberschleißheim
Der kleine Emilian kam in Dachau in der Klinik auf die Welt. Der Bub war 54 Zentimeter groß und 3700 Gramm schwer und darf sich über seinen zwei Jahre älteren Bruder …
Emilian aus Oberschleißheim

Kommentare