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Die Anklage lautet: versuchter Mord. Das Landgericht München befasst sich abermals mit dem Fall aus dem Jahr 2014.

Bluttat von 2014 wird neu aufgerollt

Mordversuch in der Liebesnacht?

Dachau - Neun Jahre Haft – diese Strafe verhängte das Landgericht gegen einen Ungarn, der einen Dachauer brutal niedergeschlagen hatte. Doch der BGH hob das Urteil auf, nun wird neu verhandelt. Die Strafe dürfte aber wieder ähnlich ausfallen.

Es sollte eigentlich eine Liebesnacht werden, doch sie geriet für den Dachauer Helmut B. (66, Name geändert) zum Horror. Mitten in der Nacht schlug ihn sein Bekannter Gabor S. (45) mit einem Fleischklopfer und einer vollen Flasche Sekt brutal zusammen. S. stahl B. eine Goldkette und das Handy. Das Landgericht München II verurteilte ihn im April 2015 wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von neun Jahren. Doch der Bundesgerichtshof (BGH) hob das Urteil auf. Seit gestern wird der Fall vor einer anderen Kammer des Landgerichts neu aufgerollt. Angeklagt ist S. erneut wegen versuchten Mordes.

Gabor S., ein berufsloser Ungar ohne festen Wohnsitz, hatte Revision gegen das Münchner Urteil eingelegt. Und dieses hielt der strengen Prüfung in Karlsruhe tatsächlich nicht stand. Der Tatablauf sei in der Urteilsbegründung nicht ausreichend erklärt und begründet worden.

Dabei kann S. mit seinem Revisionserfolg nun gar nichts anfangen. Er habe gewollt, dass der Anwalt die Revision zurücknimmt, sagte er der Vorsitzenden. „Ich habe die neun Jahre Haft verdient.“ Im Gefängnis scheint er auch gut zurechtzukommen. „Da kann ich arbeiten“, sagt er.

Die beiden Männer hatten sich auf einem Internet-Portal kennengelernt und verabredet. Am 11. Juli 2014 besuchte der Angeklagte den Dachauer dann in dessen Wohnung. Nachmittags gingen sie getrennte Wege, abends kam der Ungar jedoch wieder zu dem Dachauer. Sie tranken ein bisschen und unterhielten sich, anschließend wechselten sie ins Schlafzimmer. Doch mitten in der Nacht stand der heute 45-Jährige auf, holte einen Fleischklopfer und eine Pulle Sekt aus der Küche und schlug damit auf den schlafenden Helmut B. ein. Es folgte ein Gerangel, bei dem der Angreifer mit einem Acrylgestell und einem Barhocker auf sein Opfer losging. Das alles gibt S. zu.

Helmut B. erlitt einen Schädelbasisbruch und zahlreiche Verletzungen im Gesicht. Er hat bleibende Schäden: Er sieht schlechter und hat oft Kopfschmerzen. Am meisten aber leidet er unter den psychischen Folgen. Sein Vertrauen ist erschüttert. Er könne mit niemandem über den Vorfall reden und „flüchtet“ aus seiner Wohnung, so gut es gehe. Die Richterin fragte ihn, ob er die Entschuldigung des Angeklagten angenommen habe. „An sich nicht“, sagt er, „weil ich bis heute nicht verstehe, wieso das passiert ist.“

Das weiß Gabor S. angeblich selbst nicht. Er gibt an, dass der Rentner im Schlaf um sich geschlagen und ihn getroffen habe. Aber die Tat kann er sich nicht erklären: „Ich kann’s nicht sagen, ich weiß es nicht. Ein normaler Mensch tut so etwas nicht.“

Alles Nachfragen der Richterin half nichts. Sie riet ihm eindringlich, offen zu reden. „Schlimmer kann’s nicht mehr werden als die neun Jahre, eher besser. Aber wir sind gerade auf keinem guten Weg.“ Der Prozess dauert an. Nina Gut

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