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Vier neue Buslinien und ein altes Problem

Landkreis Dachau baut seinen Nahverkehr aus - nur leider fehlen Busfahrer

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Der Landkreis Dachau geht mit großem Elan sein Nahverkehrskonzept an. Zukünftig soll es zwei neue Ringbuslinien geben, dazu zwei weitere, landkreisübergreifende Verbindungen im Hinterland. Das Geld dafür ist vorhanden, das Wohlwollen der MVV-Partner erkennbar. Nur ein großes Problem gibt es: fehlende Busfahrer.

Das Tempo, das der Landkreis Dachau in Sachen Verbesserung des Busverkehrs vorlegt, sucht seinesgleichen. Erst Mitte Oktober hatte der Kreisausschuss im Rahmen seines Ende 2018 beschlossenen Nahverkehrskonzepts den Grundstein für die Schnellbuslinie Dasing-Pasing gelegt (wir berichteten). Nun brachte das Gremium die MVV-Ringbuslinien Dachau-Garching und Fürstenfeldbruck (Buchenau)-Dachau sowie die neuen Verkehrsachsen Petershausen-Lohhof (Linie 771) sowie Indersdorf-Unterschleißheim (Linie 772) auf den Weg. Und quasi als Sahnehäubchen obendrauf soll die bestehende Linie 707 ausgeweitet werden (Einzelheiten siehe Artikel unten).

Für alle Linien beschloss der Ausschuss jedenfalls einstimmig die gesetzlich vorgeschriebene Vorabbekanntmachung und die Durchführung des Ausschreibungsverfahrens. Freilich braucht es noch die Genehmigung aller am MVV beteiligten Gremien, zu denen der Freistaat, die Landeshauptstadt sowie acht umliegende Landkreise zählen. Sollte es bis Dezember 2019 grünes Licht geben, dann könnten zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember 2021 die Busse rollen.

Könnten! Denn einen großen, allseits bekannten Haken hat die Sache noch. „Nicht der Wille, nicht das Geld, die Busfahrer sind das Problem“, sagte Landrat Stefan Löwl. Und sein Buslinien-Koordinator Albert Herbst, der für seine Arbeit viel Lob von den Kreisräten einheimste, sprach von einer „dramatischen Entwicklung“, was die Chauffeure angehe. Herbst ging auf das Gesamtkonzept des MVV ein, das insgesamt sieben Ringbuslinien vorsieht, und meinte: „Für alle Ringbuslinien um München rum bräuchte es über 200 zusätzliche Busfahrer. Mir ist Angst und Bange, wer das fahren soll.“

Die Kosten für die Buslinien im Dachauer Land können derzeit noch nicht exakt taxiert werden. Löwl sprach jedoch von einem „siebenstelligen Betrag“. Und auch zu den Fahrgastzahlen gibt es keine präzisen Erhebungen. Herbst ließ sich diesbezüglich zu der Prophezeiung hinreißen: „Es wird spannend!“

CSU-Fraktionssprecher Wolfgang Offenbeck sprach in der Sitzung von einem „wichtigen Tag“, was die Verbesserung des Nahverkehrs angehe. ÖDP-Kollege Georg Weigl nannte das Konzept einen „mutigen Schritt“. Selbst Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann, der wegen der steigenden Kosten für den Öffentlichen Nahverkehr und der (auch deswegen) steigenden Kreisumlage für seine Stadt derzeit wie berichtet einen Strauß mit dem Landrat ausficht, gab zu: „Das ist eine riesige Verbesserung des Tangentialverkehrs“, und schob die Worte „super ausgeweitetes Angebot“ und „kostengünstig“ hinterher. Sebastian Leiß (Freie Wähle Dachau) hingegen ist skeptisch, was das bessere Busangebot im Dachauer Land angeht. Die Menschen im ländlichen Bereich, so argumentierte er, hätten eine ganz andere Haltung als die Städter. Leiß: „Dort draußen ist das Auto das Nonplusultra.“

Vier neue Buslinien und die Ausweitung der bestehenden Linie 707 zum MVV-Fahrplanwechsel 2021

Im MVV-Verbund soll es zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember 2021 die beiden neuen Expressbuslinien X201 und X800, die beiden neuen, landkreisübergreifenden Verbindungen 771 und 772 sowie eine Ausweitung der bestehenden Linie 707 geben. Im Einzelnen: . Linie X201 Dachau, Oberschleißheim bis Garching (Hochbrück und Forschungszentrum, beides U-Bahn): Die jährlichen Betriebskosten für den Landkreis Dachau liegen zwischen 312 000 und 367 000 Euro. . Linie X800 Dachau, Esting, Fürstenfeldbruck bis Buchenau (S-Bahn): Die jährlichen Betriebskosten belaufen sich für den Landkreis Dachau auf 920 000 Euro bis 1,02 Millionen Euro. Beide Linien verkehren von Montag bis Samstag im 20-Minuten-Takt von 5 bis 22 Uhr sowie an Sonntagen und Feiertagen im 60-Minuten-Takt von etwa 7 bis 22 Uhr. . Linie 771 zwischen Petershausen, Kollbach, Kammerberg, Fahrenzhausen, Haimhausen und Lohhof (S-Bahn): Die Busse verkehren von Montag bis Freitag im 40-Minuten-Takt zwischen 5 und 22 Uhr, am Samstag im 40-Minuten-Takt zwischen 7 und 14 Uhr sowie im 80-Minuten-Takt zwischen 14 und 22 Uhr. Am Sonntag fahren die Busse im 80-Minuten-Takt zwischen 7 und 22 Uhr. Voraussichtliche jährliche Bruttokosten für den Landkreis Dachau: 269 000 bis 297 000 Euro. . Linie 772 zwischen Indersdorf, Großinzemoos, Röhrmoos, Schönbrunn, Ampermoching, Ottershausen, Haimhausen und Unterschleißheim (S-Bahn): Zu beachten ist, dass die Busse zwischen Röhrmoos und Haimhausen über Ampermoching fahren. In Röhrmoos selbst ist die Haltestelle in der Inzemooser Straße und nicht am S-Bahnhof, weil dafür eine zeitaufwendige Stichfahrt samt Buswende erforderlich wäre. Die Busse verkehren von Montag bis Freitag im 60-Minuten-Takt zwischen 5 und 22 Uhr, am Samstag im 60-Minuten-Takt zwischen 7 und 14 Uhr sowie im 120-Minuten-Takt zwischen 14 und 22 Uhr. An Sonntagen und Feiertagen fahren die Busse im 120-Minuten-Takt zwischen 7 und 22 Uhr. Voraussichtliche Bruttokosten für den Landkreis Dachau: 482 000 bis 533 000 Euro. . Linie 707 zwischen Altomünster, Tandern, Hilgertshausen, Jetzendorf, Petershausen: Es wird einen 60-Minuten-Grundtakt im Abschnitt Tandern, Hilgertshausen, Jetzendorf, Petershausen geben. Wenn möglich eine Anbindung in Petershausen an den Regionalexpress nach München-Hauptbahnhof. Die Linie wird teilweise in Richtung Altomünster verlängert. Weitere Fahrten werden bis nach Altomünster angebunden (über Weitenwinterried, Randelsried, Asbach, Schmarnzell, Reichertshausen, Pipinsried). Und: Es werden zusätzliche Fahrten auch über Steinkirchen angeboten. Jährliche Gesamtkosten: 585 000 bis 650 000 Euro. 

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