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Historisch gewachsener Lagevorteil: Die Stadt Dachau (Bild) und sein Hinterland schneiden bei den Kriterien der Raumentwicklung sehr gut ab.  

Analyse zur Raumentwicklung

Landkreis in vielem überdurchschnittlich

Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat eine detaillierte Analyse zur Raumentwicklung in Deutschland erstellt. Dabei wurden alle 402 Landkreise und kreisfreien Städte untersucht. Der Landkreis Dachau schneidet dabei bei den meisten Kriterien sehr gut ab, was aber auch zu Herausforderungen in Bezug auf die Infrastruktur und Gefahren für die Mittelschicht führt.

VON BERNHARD HIRSCH

Dachau– Weil der Dachauer Landkreis bei den Kriterien Wohlstand, Armutsgefährdung, Schulden, Bruttogehälter, Lebenserwartung und Wahlbeteiligung stark überdurchschnittlich abschneide, haben die Experten der Friedrich-Ebert-Stiftung ihn als „starkes Umland“ eingeschätzt. Dieses sei geprägt durch historisch gewachsene Lagevorteile, aber auch durch die Nähe zu den attraktivsten Arbeitsmärkten Deutschlands. Als Folge würden sehr viele Menschen in die Regionen ziehen, auch wenn infrastrukturell, zum Beispiel beim Breitbandanschluss, noch Luft nach oben sei. Eine im Vergleich zu anderen Städten geringe Schuldenbelastung verleihe den Kommunen vergleichsweise viel Handlungsspielraum, um die Infrastruktur zu modernisieren. Die Nähe zu großstädtischen Arbeitsmärkten und infrastrukturellen Angeboten ermögliche eine hohe Lebensqualität, setze aber bei den Beschäftigten ein hohes Maß an Mobilität voraus.

Die Zahlen im Einzelnen: Der Landkreis Dachau weist nur eine Altersarmutsquote von 2,3 Prozent aus, in Deutschland sind es durchschnittlich 2,6 Prozent. Von Armut sind in Dachau nur 3,4 Prozent aller Kinder betroffen, deutschlandweit sind es 12,8 Prozent. Während die Lebenserwartung in Deutschland 80,6 Jahre beträgt, können die Dachauerinnen und Dachauer mit 82,1 Jahren rechnen. Um einen Hausarzt zu erreichen, brauchen die Landkreisbewohner im Durchschnitt 4 Minuten, in Deutschland sind es durchschnittlich 5,1 Minuten. Während in Deutschland das durchschnittliche Bruttogehalt 31 480 Euro beträgt, verdient man in Landkreis Dachau im Schnitt 37 240 Euro. Pro Einwohner sind die Kommunen des Landkreises mit 556 Euro verschuldet, bundesweit sind sie es mit 1721 Euro.

Nachholbedarf beim Breitbandausbau

Nur wenig besser als der Bundesdurchschnitt sieht es im Landkreis Dachau mit dem Breitbandausbau aus. 80 Prozent aller Haushalte sind angeschlossen, bundesweit sind es 79,6 Prozent. In anderen Landkreisen, die sich ebenfalls als starkes Umland bezeichnen können, beträgt diese Quote bis zu 96 Prozent. Stattdessen weist Dachau ein extrem hohes Zuwandersaldo auf. Während in Deutschland die Quote bei -1,1 Prozent liegt, beträgt sie für den Landkreis Dachau plus 554 Prozent. Das bedeutet, dass es in den Jahren 2013 bis 2015 im Schnitt fünf Mal mehr Zuzüge als Wegüge gab. Dabei sind Bewegungen von Flüchtlingen nicht eingerechnet. In Dachau arbeiten 16,4 Prozent der Beschäftigen als Hochqualifizierte (Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit Hochschulabschluss), im Bundesdurchschnitt sind es 13,5 Prozent.

In den vergangenen Jahren, so die Experten der Friedrich-Ebert-Stiftung, sei der Wettbewerbsvorsprung großer Städte wie München durch Investitionen in die Zukunft weiter ausgebaut worden. Jedoch stiegen dort auch die Lebenshaltungskosten. Gleichzeitig gebe es deutliche Hinweise auf Wanderungsbewegungen aus den Großstädten in das wohlhabende Umland, in dem das Armutsrisiko bei Weitem nicht so ausgeprägt sei. In der Konsequenz stiegen auch die Lebenshaltungskosten im Umland. Die Mobilität der Menschen zwischen Umland und Kernstadt sei Voraussetzung für diesen Trend und belaste die Infrastruktur.

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