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Verzweifelte Suche nach einer Wohnung: Daniela Janzen. Unser Bild entstand 2015 im Krankenhaus, wo Janzen behandelt werden musste, nachdem sie niedergeschlagen wurde.  

Odysee im Landkreis Dachau

Schwer kranke 32-Jährige auf Wohnungssuche: So erlebt sie die Kälte des Systems

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Die explodierenden Mieten in München und Umgebung sorgen ständig für Schlagzeilen. Sucht eine alleinerziehende, schwer kranke Mutter zweier Kinder eine Bleibe, dann sind ihre Chancen gleich null. Eine Geschichte von Schicksalsschlägen und der Kälte des Systems.

Puchschlagen – Daniela Janzen hatte ein schönes Leben. Sie wohnte mit Ehemann, Tochter Alina und Sohn Leonhard in Puchschlagen bei Schwabhausen. Sie arbeitete als Kindergärtnerin und engagierte sich in ihrer Freizeit als Rettungssanitäterin beim BRK. Doch die unbeschwerten Tage sind für die heute 32-Jährige längst vorbei. In den vergangenen drei Jahren musste Daniela Janzen drei Schicksalsschläge verkraften, die ihr Leben völlig aus den Fugen geraten ließen.

Alles begann am 17. Februar 2015. Nach dem Weichser Faschingsumzug wollte Janzen die Platzwunde eines angetrunkenen Jugendlichen versorgen und wurde von diesem bewusstlos geschlagen. Mit Verdacht auf Schädel-Hirn-Trauma kam sie ins Dachauer Krankenhaus. Danach konnte (und wollte) die ehrenamtliche Helferin ihre Arbeit beim BRK nicht fortsetzen. Bald danach zerbrach auch noch ihre Ehe. Daniela Janzen zog mit ihren beiden Kindern nach Murnau und nahm in München-Solln eine Stelle als Kindergartenleiterin an.

„Die Diagnose war ein Schock für mich!“

Im August 2017 dann die dritte Tragödie: Daniela Janzen wird mit Verdacht auf Schlaganfall in die Klinik gebracht. Es stellte sich jedoch heraus, dass die junge Frau an Multipler Sklerose erkrankt ist. „Die Diagnose war ein Schock für mich! Ich habe massive Panik bekommen und im November 2017 meine Wohnung in Murnau gekündigt, um nach Puchschlagen zu meinem Ex-Mann in die Nähe zu ziehen, damit die Kinder im Notfall versorgt sind.“ Doch seither bekommt die 32-Jährige die ganze Kälte des Systems zu spüren.

Als alleinerziehende, schwer kranke Mutter zweier Kinder – Alina ist heute zehn, Leonhard sieben Jahre alt – hat sie bis heute keine Wohnung gefunden, obwohl sie alles probierte. Daniela Janzen durchforstete die Mietanzeigen in sämtlichen Medien. „Zusätzlich habe ich mehrere Annoncen geschaltet und via Facebook und in Ebay-Kleinanzeigen eine Belohnung von 200 Euro ausgesetzt, wenn mir jemand hilft“, fügt sie an. Die Reaktion, sagt sie traurig, „war gleich null“. Lediglich drei Wohnungen habe sie in den zurückliegenden vier Monaten überhaupt ansehen dürfen, ansonsten sei sie sofort „aussortiert“ worden.

Die verzweifelte Wohnungssuche einer Familie aus dem Hasenbergl war kürzlich gar Gegenstand einer ZDF-Dokumentation.

Odysee im Landkreis Dachau

Dabei könnte die 32-Jährige die Miete für eine Drei- oder Vier-Zimmer-Wohnung problemlos aufbringen. Seit neun Wochen wird sie zwar in einer Klinik für psychosomatische Erkrankungen in Taufkirchen behandelt und erhält momentan nur Krankengeld. Aber sie macht Fortschritte und hat mittlerweile ihre Schockdiagnose verdaut. Und körperliche Einschränkungen hatte Janzen von Anfang an nicht. „Noch zwei bis drei Wochen werde ich in Taufkirchen bleiben, danach kann ich auf jeden Fall in meinen Job in München zurückkehren.“ Und dann möchte sie Alina und Leonhard zurückholen, die derzeit von ihrem Ex-Mann in Puschschlagen betreut werden.

Doch wo soll sie mit ihren beiden Kindern leben? „Ich werde mich wohl in Murnau obdachlos melden oder in ein Hotel ziehen“, sagt die 32-Jährige und wirkt niedergeschlagen. Dazu ist zu sagen, dass Daniela Janzen seit langer Zeit keinen Kontakt zu ihren Eltern hat. Ihre Zwillingsschwester ist beruflich ständig unterwegs und kann sich nicht um Nichte und Neffen kümmern, und zu ihrem Ex-Mann zurück möchte sie nicht.

Sicher ist sich Daniela Janzen im Klaren darüber, dass ihre Panikreaktion bei der Kündigung ihrer alten Wohnung in Murnau ein Fehler war. „Aber ich hätte nie gedacht, dass es im Dachauer Land so schwer ist, eine neue Bleibe zu finden!“ Vielleicht glaubte sie aber auch einfach etwas zu optimistisch an das Gute im (Mit-)Menschen: „Ich habe in meiner Zeit beim BRK jahrelang immer den Menschen geholfen, aber wenn man selbst Hilfe braucht, ist keiner da.“

Video: Unmoralische Angebote - Wenn die Wohnungssuche zum Alptraum wird

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