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Athletik-Training heißt das Stichwort für viele Mannschaftssportler der Region. Wegen der Corona-Pandemie müssen nämlich allerlei Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. Die ASV-Volleyballerinnen Nele (vorne), Lilly (verdeckt) und Lisa absolvieren daher viele Körperstabili sationsübungen sowie Ballkontrollübungen. Was wegfällt, ist der Wettkampf. 

Vor allem im Mannschaftssport gelten noch zahlreiche Einschränkungen

Schwitz-Hygiene und Jubel-Verbot: Kuriose Corona-Regeln im Sport

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Jubel-Verbot, Namenslisten, Abstandsregeln und ganz viel Athletik-Training: Die Mannschaftssportler in Stadt und Landkreis haben es zur Zeit nicht leicht. Dennoch lassen sich die Aktiven von Corona die Freude an der Bewegung nicht nehmen.

Das mit den Corona-Lockerungen im Sport, erklärt ASV-Dachau-Vorsitzender Andreas Wilhelm, läuft im Regelfall so: „Am Mittwoch verkündet der Ministerpräsident in einer Pressekonferenz: Am kommenden Montag erlauben wir den Bereich XY.“ Am Donnerstag schreibt der Sportverband: „Toll, am Montag dürfen wir XY wieder machen!“ Gleichzeitig bombardieren die Mitglieder Wilhelm mit Glückwünschen und Fragen zur neuesten Lockerung im Bereich XY. „Und am Freitag um 23.15 Uhr bekommen wir als Verein dann vom Ministerium die genauen Richtlinien, die wir bis Montag in Hygienekonzepten umsetzen sollen.“ Wilhelm muss sich merklich zügeln, wenn er davon berichtet, und sagt dann diplomatisch: „Ich bin froh, wenn im Herbst wieder alles normal ist, weil lange mach ich das nicht mehr mit!“

Diese nachvollziehbarerweise mit heißer Nadel gestrickten Konzepte bringen für die Aktiven jedoch so manche – um in der Sportler-Sprache zu bleiben – Hürde mit sich. Wie schon beim Fußball (wir berichteten), treiben diese Konzepte nämlich bei vielen Mannschaftssportarten teilweise kuriose Hygiene-Blüten.

Basketball

Der Kern des Sports, nämlich als Mannschaft den Ball möglichst oft in den Korb zu bugsieren, fällt derzeit aus. Sebastian Lange, Trainer der U12- und U14-Mannschaften beim TSV 1865 Dachau, lässt derzeit jeweils maximal zwei Kinder, die je ihren eigenen Ball dabei haben, auf einen Korb werfen. Die Bälle dürfen sich die Kinder nicht zupassen; rollt der Ball des einen Kindes zum Anderen, muss letzteres den Ball mit dem Fuß zurückkicken. Denn: „Es dürfen nicht zwei Spieler den gleichen Ball berühren.“ Anfängertraining, sagt Lange, ist wegen der Abstandsregeln ebenfalls schwierig: „Wir können ja an die Kinder nicht ran.“ Neben einer Liste, in die Lange die Teilnehmer des Trainings einträgt, gibt es auch eine Whatsapp-Gruppe mit den Eltern. Da er in der Halle als Trainer eine Maske tragen muss, verlagert er seine Stunde bevorzugt nach draußen, wo keine Maskenpflicht gilt: Athletiktraining ist das Stichwort. Aber, sagt er: „Die Kids machen gerne mit! Ich habe es mir wirklich schlimmer vorgestellt.“

Volleyball

Beim Volleyball, erklärt ASV-Vorsitzender Wilhelm, sind Spielzüge erlaubt. Das heißt: „Die Spieler dürfen den Ball übergeben.“ Allerdings findet das Volleyball-Training aktuell meist als Beachvolleyball im Freien statt. Grund: Die Lüftungsvorgaben erfüllt auf dem ASV-Gelände nur die Mehrzweckhalle. „Wir machen Fenster und Türen auf und drehen die Lüftung auf volle Pulle“, so Wilhelm. Alles in allem sei dies jedoch „ein Wahnsinnsaufwand“. Aber auch draußen, beim Beachvolleyball, gelten besondere Regeln. So sollten die Spieler „möglichst nicht blocken oder in die Mitte spielen“. Und das Mittel der Corona-Wahl ist auch hier, wie beim Basketball, das Athletik-Training auf der Leichtathletikanlage.

Baseball

Beim Baseball, erklärt Hubert Böck, Abteilungssprecher der Indersdorfer Fireflies, ist der „Kontakt relativ gering“. Beim Fangen tragen die Spieler einen Handschuh, geschlagen wird mit dem Schläger. Die einzige „Begegnungssituation“ ist der Moment, wo zwei Spieler versuchen, vor dem jeweils anderen auf eine sogenannte Base zu kommen. Leider ist genau diese Begegnungssituation das Spannende am Baseball – und aktuell verboten. Stattdessen, sagt Böck, würden die Spieler werfen und fangen, unter der Maßgabe, dass die Schläger anschließend desinfiziert werden und sich die Aktiven den Schweiß „nur mit der Armbeuge, aber nicht mit der Hand aus dem Gesicht wischen“. Dies klappe „eigentlich ganz gut“, sagt Böck, auf dem riesigen Feld würden sich die Spieler gut verteilen. Doch bei aller Leidenschaft für Wurftraining wird es „schon Zeit, dass wir wieder gscheit spielen dürfen“!

American Football

Das Schöne am Football ist, dass für jede Körpergröße und Figurform die passende Position dabei ist. Es gibt die drahtigen Sprinter, die kraftvollen Werfer und die Jungs mit ordentlich Masse, deren Aufgabe es ist, ihren Quarterback zu beschützen. Aktuell dürfte das Training aber gerade letzteren nicht gefallen: Laut ASV-Mann Wilhelm werden aktuell nur Weitwürfe und – wenig überraschend – die Athletik trainiert.

Jubel

„Nicht abklatschen“, trichtern die Übungsleiter der Vereine sämtlichen Sportlern ein. Die Kinder, sagt Wilhelm, würden sich auch daran halten – für einen begrenzten Zeitraum. „Im Training sind sie alle brav“, berichtet er. Anschließend aber habe er schon beobachtet, wie sie dann „Hände haltend nach Hause spaziert“ sind.

Haftung

Was passiert eigentlich, wenn ein Sportler an Covid-19 erkrankt? In diesem Fall müssen die Vereine ihr Hygienekonzept aus der Schublade ziehen und damit beweisen, dass der Sportler sich wo auch immer, aber nicht beim Training angesteckt hat. ASV-Chef Wilhelm, der „so viele Stunden“ über seinem Konzept gebrütet hat, will an dieses Szenario aber am liebsten gar nicht denken: „Wir hoffen, dass es erst gar nicht so weit kommt.“

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