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Ein Schnellbus wird bald Dasing und Pasing verbinden. Problem nur: Es gibt zu wenig Busfahrer.

ÖPNV-Angebot ausgeweitet

Im Doppeldecker von Dasing nach Pasing

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Der Landkreis Dachau hat gehandelt: In Eigenregie bietet der Kreis einen Schnellbus von Pasing nach Dasing an. Noch gilt es einige Details zu klären. Sind diese gelöst, könnten die Fahrzeuge bereits Ende 2020 über die A 8 rollen.

Landkreis – Der Landtagsabgeordnete Bernhard Seidenath (CSU) sprach von einer „bestechenden Idee“. Bergkirchens Bürgermeister Simon Landmann hat schon mal die Baumaschinen loslegen lassen, um den Mitfahrparkplatz im Gada-Gewerbegebiet zu vergrößern. Denn der Kreisausschuss hat in seiner Freitagssitzung –wie berichtet – den Weg frei gemacht für die MVV-Regionalbusline Dasing-Pasing (Linie 732). Einstimmig brachte das Gremium das dazugehörige Ausschreibungsverfahren auf den Weg.

Doch damit nicht genug. Im Rahmen des Ende 2018 verabschiedeten Nahverkehrsplans für Kreis und Stadt Dachau wird es neben dem Schnellbus auch noch zusätzliche Fahrzeuge auf den Linien 703, 704, 706 und 721 geben (Näheres unter www.landratsamt-dachau.de unter dem Button Verkehr).

Der Schnellbus fährt auf der Autobahn 8 und bedient wie bislang die Orte entlang dieser Strecke. Von Odelzhausen nach Pasing fährt er im 30-Minuten-Takt und auf den Abschnitten Sittenbach-Pasing sowie Egenburg-Pasing im 2-Stunden-Takt plus einer Verdichtung am Morgen. Die Strecke Odelzhausen-Pasing erhält zwischen 17 und 18 Uhr eine zusätzliche Fahrt in beide Richtungen.

Der Schnellbus kostet den Landkreis nach Berechnungen des Landratsamtes jährlich zwischen 490 000 und 540 000 Euro. Vom Freistaat kommen Zuschüsse von einer halben Million fürs erste Jahr und dann 400 000 sowie 300 000 Euro in den Folgejahren.

Seit 2014 hatten die Verantwortlichen versucht, die „bestechende Idee“ zu realisieren. Doch der Landkreis Aichach-Friedberg stellte sich beharrlich quer. „Wir sehen den Bedarf für den Bus nicht“, sagte ein Sprecher des dortigen Landratsamtes noch im vergangenen Jahr.

Als „sehr frustrierend“ bezeichnete Dachaus Landrat Stefan Löwl das Verhalten des Nachbarlandkreises. Denn im Landratsamt Dachau sieht man das mit den Fahrgastzahlen anders. Neben den hohen Pendlerzahlen im Dachauer Land „sprechen die erheblichen Pendlerzahlen aus dem Landkreis Aichach-Friedberg nach München eine deutliche Sprache“, rechnet Albert Herbst, im Landratsamt Dachau für den öffentlichen Nahverkehr zuständig, vor. Und: Die Pendlerzahlen würden aufgrund von Zuzug und weiterem Siedlungsdruck künftig noch steigen. Schließlich hat die Verbindung Pasing-Dasing noch einen Vorteil: In Dasing besteht ein gut bedienter Anschluss an die Bahnlinie Augsburg-Ingolstadt.

Es gilt freilich noch einige Dinge zu klären wie die tarifliche Integration der Haltestellen Adelzhausen und Dasing, die Verlegung der Haltestelle in der Rudolf-Diesel-Straße in Odelzhausen oder die Beteiligungen des Freistaats, der Landeshauptstadt München sowie des Landkreises Aichach-Friedberg an den Kosten. Doch wenn alles passt, dann könnten schon Mitte Dezember 2020 Busse über die Autobahn 8 rollen.

Dabei soll es um doppelstöckige Busse handeln, die zwischen 75 und 90 Sitzplätze bieten. Zum Vergleich: Die bisher auf der Linie 732 eingesetzten Fahrzeuge haben nur 55 Sitze.

Weiteres „Schmankerl“ für die Schnellbus-Fahrgäste: Sie werden in den Genuss einer WLAN-Verbindung kommen. Auch das hat der Kreisausschuss beschlossen.

Bei all den Gesprächen um die Ausweitungen der genannten Buslinien wurde allerdings eines deutlich: „Der Busfahrermangel ist das ganz, ganz große Problem“, so Herbst, „ich weiß nicht, wer das alles fahren soll.“ Nach Informationen von Bernhard Seidenath seien „hundert Prozent der Busfahrer keine Einheimischen mehr“. Was die Anwerbung von Personal so schwierig macht, brachte Marese Hoffmann von den Grünen auf den Punkt: das niedrige soziale Ansehen, die niedrige Bezahlung und der Mangel an Wohnungen.

Von Seidenath war zu erfahren, dass in puncto Wohnung vielleicht die im Sommer gegründete Genossenschaft „Wohnungsvermittlung für Menschen in Sozial- und Gesundheitsfachberufen im Landkreis Dachau“ helfen könne. Vielleicht, so der Landtagsabgeordnete, könne man die Vermittlung auch auf Busfahrer ausdehnen. Ein Kandidat steht bereits im Fokus von Seidenath. Ein Busfahrer aus Rom.

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