Das Problem Verkehr lösen

Löwls Herzensprojekt Breitenau

Dachau ächzt unter dem zunehmenden Verkehrsaufkommen. Wie man der Problematik in Zukunft begegnen möchte, erläuterte Landrat Stefan Löwl in einem Pressegespräch.

Dachau – Die Bevölkerung im Landkreis wächst, und ein Ende der Entwicklung ist nicht in Sicht. Der Ausbau der Infrastruktur kann nur schwer mit diesem Tempo mithalten. Wie soll die daraus resultierende Verkehrsproblematik gelöst werden? Zwei Projekte liegen Löwl besonders am Herzen: zwei Umfahrungen für Dachau, um den innerstädtischen Verkehr zu reduzieren, und der Ausbau von Breitenau zu einem Knotenpunkt des öffentlichen Nahverkehrs.

Gerade der Bau der beiden Umfahrungen – die Ost-Umfahrung und die Nord-Umfahrung – ist in Löwls Augen unumgänglich. Eine neues Gutachten, das erstmals die geplante Nutzung des Seeber-Geländes, der MD-Fabrik und eine Erweiterung des Gewerbegebiets Dachau-Ost miteinbezieht, kommt laut Löwl zu dem klaren Ergebnis, dass der Bau der Umfahrungen dringend zu empfehlen sei.

Für die Nordumfahrung hat Löwl aber eigene Pläne. Er schlägt eine verkürzte Variante vor. Statt von der Kreuzung der Staatsstraßen 2047 und 2050 bis zur Freisinger Straße zwischen Prittlbach und Etzenhausen soll die verkürzte Umgehung erst kurz vor Webling beginnen. Die Ergebnisse beider Varianten seien vergleichbar, so Löwl. Vor allem Etzenhausen und Dachau-Ost würden von den Umfahrungen profitieren, weniger aber die Innenstadt.

Der Autoverkehr soll aber nicht nur umgeleitet, sondern auch reduziert werden. Dazu wird das Wegenetz für Radfahrer weiter ausgebaut – mehr Fahrradwege, Fahrradschnellstraßen und eine bessere Beschilderung – und der öffentliche Nahverkehr verbessert. Löwl gibt aber zu Bedenken, dass selbst „wenn alle, die die Möglichkeit haben, auf das Fahrrad umsteigen, nur acht Prozent an Autofahrten eingespart werden können“. Das reiche bestenfalls aus, um den erwarteten Zuwachs an Verkehr durch die zunehmende Bevölkerung auszugleichen.

Es braucht also weitere Schritte, um den Autoverkehr aus Dachau herauszubekommen. Ein Herzensprojekt Löwls ist der Ausbau von Breitenau (wir berichteten). Dazu geht der Landrat auch kreative Wege. So haben unter anderem BMW, MTU und MAN Interesse an der Einrichtung eines Werksbusses ab Breitenau bekundet. Um möglichst viele Mitarbeiter von dem Angebot zu überzeugen, sollen die Fahrzeuge mit W-Lan ausgestattet werden, und die Angestellten können bereits an der Haltestelle einstempeln.

Damit Breitenau aber überhaupt ein solches Angebot stemmen kann, müsste dort ein Parkhaus und Busbahnhof entstehen. Sollte der neue Verkehrsknotenpunkt gut angenommen werden, wäre dies auch ein Argument gegenüber der Bahn, dort eine S-Bahn-Haltestelle einzurichten. Momentan rechtfertigt das Verkehrsaufkommen einen solchen Ausbau aber nicht, wie die Bahn zu verstehen gegeben hatte, und auch Löwl merkt an: „Das dauert noch mindestens 20 Jahre.“

Grundsätzlich ist er bemüht, allen Wünschen gerecht zu werden. Den Bau von Umgehungsstraßen will er dazu nutzen, die Ortskerne und Stadtzentren in Form von Tempo-30-Zonen, Spielstraßen oder Fußgängerzonen verkehrstechnisch zu beruhigen. Löwl warnt aber auch vor einseitigen Lösungen: „Wir dürfen nicht nur auf ein Verkehrsmittel setzen. Das würde bedeuten, den Fehler von damals, als nur an die Autofahrer gedacht wurde, zu wiederholen. Wir brauchen aber alle Möglichkeiten.“

tb

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