Erweiterung oder Neubau, aber kein neuer Standort

Trotz Verkehr: Landratsamt bleibt

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Das Landratsamt muss dringend erweitert werden. Doch wie und wo? Die Antwort: Ein Realisierungswettbewerb soll Ideen für den Umbau des bisherigen Standorts am Bürgermeister-Zauner-Ring liefern.

Dachau – Die Landkreisbevölkerung wächst und mit ihr die Aufgaben, die der stete Zuzug in die Region für die Verwaltung bedeutet. Schon heute arbeiten rund 300 Menschen im Landratsamt, in wenigen Jahren werden es mindestens 100 Mitarbeiter mehr sein. Und schon heute platzt das in den 1970er Jahren gebaute Landratsamt am Bürgermeister-Zauner-Ring aus allen Nähten. Eine Mitarbeiterzahl jenseits der 400 wird in dem Gebäudekomplex – allein aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen – nicht möglich sein.

Doch soll das Amt erweitert oder gänzlich neu gebaut werden? Und wenn es einen Neubau geben soll: Wo kommt der hin? Der Bauausschuss des Stadtrats war sich weitgehend einig: Das Landratsamt bleibt an seinem Platz. Ob das Gebäude einfach nur erweitert oder abgerissen und neu gebaut wird, soll nun ein Realisierungswettbewerb aufzeigen.

Grundlage für diesen Beschluss, dem einzig Stadtrat Kai Kühnel (Grüne) nicht zustimmte, war ein vom Landratsamt in Auftrag gegebenes Verkehrsgutachten. Dieses prophezeit zwar „Probleme der Verkehrsabwicklung“, schlägt aber gleichzeitig Maßnahmen vor, mit denen sich der Verkehr in dem Bereich reduzieren lasse.

Tatsächlich ergaben die vom beauftragten Gutachterbüro durchgeführten Verkehrszählungen nicht nur die direkten Anwohner ängstigende Ergebnisse: Schon heute fahren am Bürgermeister-Zauner-Ring täglich zirka 17 000 Autos, an der östlichen Augsburger Straße zirka 15 000, an der östlichen Brucker Straße zirka 2000 und an der Weiherstraße zwischen 500 und 320 Autos. Sollte es in dem Bereich zu einem weiteren Anstieg der Kfz-Zahlen kommen, liegt das aber laut Ingenieurbüro „nicht an der Erweiterung des Landratsamts“, sondern an der „allgemeinen Verkehrszunahme, die das Straßennetz von Dachau nicht mehr bewältigt“. Demnach müsse sich das Verkehrsverhalten der gesamten Dachauer Stadt- und Landkreisbevölkerung ändern, „um künftig weiterhin Zustände im Straßenverkehr zu haben, die ein Wohnen (und Leben) an höher belasteten Straßen noch zumutbar machen“.

Für Kai Kühnel ist das Gutachten eine „totale Kapitulation“. Denn selbst wenn man einzelne Landratsamtsmitarbeiter zu einem Umstieg auf den öffentlichen Personennahverkehr überreden oder ein – wie im Gutachten vorgeschlagen – „betriebliches Mobilitätsmanagement“ einführen könne, sei das Verkehrsaufkommen an dieser Stelle langfristig einfach zu groß. Kurz: Kühnel kann sich „an diesem Standort keine Umsetzung vorstellen“.

Auch Stadtrat Volker C. Koch (SPD) war nicht glücklich mit dem Gutachten, betonte aber: „Grundsätzlich sehe ich keinen anderen Platz, wo in Dachau ein neues Landratsamt entstehen soll.“

Oberbürgermeister Florian Hartmann und Sören Schneider (beide SPD) bemühten sich dagegen, bei aller berechtigter Kritik auch das Gute in dem Gutachten zu sehen. Die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Landkreis sei bislang „sehr gut gelaufen“, lobte Schneider. Und der OB versprach, dass man auf „einem guten Weg“ sei und „gemeinsam an einer Lösung“ arbeite.

Um diese Lösung am Ende umzusetzen, stellte der Bauausschuss jedoch Bedingungen: Am Landratsamt soll es in Zukunft bis auf maximal zwölf Parkplätze für Behinderte keine oberirdischen Parkflächen geben , um einen Park-Such-Verkehr zu verhindern. „Den Besuchern muss klar sein, dass Stellplätze nur in der Tiefgarage angeboten sind“, heißt es im Beschluss des Ausschusses.

Außerdem sollen die Gebäude maximal fünfstöckig werden und grüne Dächer beziehungsweise Fassaden erhalten. Der Zentraleingang des Landratsamts wird sich am Bürgermeister-Zauner-Ring befinden, eine Erschließung wie bisher über den Weiherweg dagegen ausgeschlossen sein.

Bis Mai 2018 können nun Architektur- und Stadtplanungsbüros nun ihre Vorschläge einreichen. Eine endgültige Entscheidung darüber, wie das erweiterte oder neu gebaute Landratsamt aussehen soll, ist für Juni terminiert.

zip

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