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Hubert Böck, 54, ist SPD-Landratskandidat.

Löwls erster Herausforderer steht fest

Landratswahl 2020: Hubert Böck (SPD) aus Indersdorf will Landrat werden

  • Stefanie Zipfer
    VonStefanie Zipfer
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Einstimmig hat der Vorstand der SPD im Landkreis Dachau seinen Vorsitzenden, den Zweiten Bürgermeister von Markt Indersdorf, Hubert Böck zum Kandidaten für die Landratswahl im März 2020 gewählt.

Wann wird gewählt? Wie sieht der Stimmzettel aus? Wir haben bereits alle Informationen zur Komunalwahl 2020 in Bayern zusammengestellt.

Hubert Böck kann stur sein. Wenn er etwas wirklich will, dann kämpft er dafür, egal wie lange es dauert. Das Indersdorfer Jugendfreizeitgelände war so ein Thema, fünf Jahre setzte sich der SPD-Gemeinderat dafür ein – bis er bekam, was er wollte. Von den hohen Kosten, die viele damals fürchteten, ist heute nicht mehr die Rede. In Indersdorf ist man mittlerweile stolz auf das Gelände.

Ähnlich verhält es sich mit Böcks Werdegang in der Lokalpolitik. Der Familienvater, hauptberuflich BRK-Rettungsdienstleiter und im Jahr 2006 ehrenamtlicher Elternbeirat im Kindergarten, war einfach unzufrieden mit der Kinderbetreuungssituation in seiner Heimatgemeinde. Und weil er – im Gegensatz zur örtlichen CSU – der Meinung war, dass Indersdorf mehr Kindergartenplätze braucht, trat er kurzerhand in die SPD ein und zur Kommunalwahl im Jahr 2008 an.

Seitdem ist Böck aus der Indersdorfer sowie der Landkreis-SPD nicht mehr wegzudenken. Seit elf Jahren sitzt er im Gemeinderat, seit fünf Jahren ist er zudem zweiter Bürgermeister, er ist Kreisrat und seit einigen Monaten auch noch Nachfolger von Martin Güll als SPD-Kreisvorsitzender. „Wenn ich was erreichen will, muss ich mich einsetzen“, lautet dabei das Credo des 54-Jährigen.

Und dieser Einsatz soll nun weit über Indersdorf hinausgehen. Wie Böck gestern bestätigte – die Gerüchte gab es ja bereits seit Wochen – will er Landrat werden. Der SPD-Kreisvorstand habe ihm für seine Kandidatur einstimmig sein Vertrauen ausgesprochen. Laut Harald Dirlenbach, SPD-Fraktionsvorsitzender im Kreistag und Bürgermeister von Vierkirchen, ist Böck ein Mann, der „unterschiedliche Meinungen miteinander vermitteln und Probleme schnell und unbürokratisch lösen kann“.

Tatsächlich dürfte Böcks unbürokratische, hemdsärmelige Herangehensweise an die Politik die Eigenschaft sein, die ihn am meisten vom Amtsinhaber unterscheidet. Stefan Löwl ist Jurist und war vor seiner Zeit als Landrat Abteilungsleiter im Landratsamt. Böck dagegen sieht gerade in seiner verwaltungstechnischen Unerfahrenheit eine Stärke: Auf dem Chefsessel im Landratsamt brauche es „eben keinen Verwalter“. Vielmehr gehe es darum, „seinen gesunden Menschenverstand einzubringen und zu sagen: Da wollen wir hin“!

Wo er konkret hin will beziehungsweise wie sein Wahlprogramm aussehen soll, will Böck nun im Juli auf einem SPD-Kreis-Parteitag erarbeiten. Wichtigste Themen seien, klar, „bezahlbares Wohnen, weniger Verkehr und nachhaltiges Wirtschaften“. Dass seine Partei, zumindest im Bund, gerade in einem Umfragetief steckt, ficht ihn dabei nicht an. Kommunalwahlen seien Persönlichkeitswahlen, bestes Beispiel sei vor sechs Jahren die knappe Niederlage Martin Gülls gegen Stefan Löwl gewesen: „Da hat nicht viel gefehlt!“ Hubert Böck ist daher überzeugt: „Je besser die Leute einen Kandidaten kennen, desto unwichtiger wird das Parteibuch.“

Dass er nicht so ein Renommee hat wie der frühere Landtagsabgeordnete Güll, weiß der 54-Jährige selbst. Dennoch ist er – auch außerhalb von Indersdorf – bekannt, unter anderem für sein Engagement beim BRK, bei der Wasserwacht und als Baseball-Abteilungsleiter beim TSV Indersdorf. Und gerade in der Politik, sagt der Baseballer Böck, sei es wie beim Sport: „Man weiß nie, wie’s am Ende ausgeht.“

Kommentar: Eine Alternative, immerhin

Gegen einen jungen, beliebten CSU-Amtsinhaber anzutreten, ist ein Himmelfahrtskommando, klar. Doch Hubert Böcks Entscheidung, für die SPD als Landrat zu kandidieren, verdient aus mehreren Gründen Respekt: Erstens, weil er damit seiner Partei einen Dienst erweist und das Selbstverständnis der SPD, immer noch eine Volkspartei zu sein, die natürlich einen eigenen Landratskandidaten stellt, untermauert. Zweitens setzt er ein Zeichen: Dass es in einer Demokratie Alternativen braucht und dass es sich, Umfragewerte hin oder her, immer lohnt, für seine Ideen zu streiten. Und drittens, weil er sich damit als Sozialdemokrat im besten Sinn präsentiert: Er krempelt die Ärmel hoch und macht’s einfach, völlig uneitel und unideologisch. Damit wird die Landratswahl vielleicht nicht spannender, aber immerhin menschlicher.

Alle Infos und News zur Kommunalwahl 2020 im Landkreis Dachau finden Sie immer aktuell auf unserer großen Themenseite.

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