60 Schulkinder in Dachau auf der Warteliste

Immer noch fehlen Hortplätze

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Hort, Mittagsbetreuung oder Ganztagsklasse – im Familienausschuss gingen die Meinungen auseinander, was das Beste ist. Fest steht nur: Es stehen 60 Kinder auf der Warteliste für einen Hortplatz.

Dachau – Wenn Mama und Papa in Vollzeit arbeiten müssen, die Oma hunderte Kilometer entfernt wohnt und auch die Nachbarn oder Freunde nicht aufpassen können, dann bleibt Eltern oft nur eine Möglichkeit: Ihr Kind in einem Hort unterbringen. Doch mit Betreuungsplätzen für Schulkinder sieht es in Dachau schlecht aus: 60 Schulkinder stehen derzeit auf der Warteliste für einen Hortplatz.

Bei den 60 Anträgen haben zwar noch nicht alle Eltern die nötigen Nachweise für einen Hortplatz erbracht, zum Beispiel, dass sie in Vollzeit arbeiten oder eine Arbeit suchen und einen Hortplatz brauchen. Denn „damit steigt natürlich die Chance einen Hortplatz zu bekommen“, sagt Markus Haberl, Amtsleiter für den Bereich Kinderbetreuung. Doch Oberbürgermeister Florian Hartmann sagte in der Familien- und Sozialausschusssitzung am Mittwochnachmittag: „Im Hortbereich haben wir noch ein Problem, das wir noch nicht gelöst haben.“

Im vergangenen Jahr war die Warteliste mit 91 Schulkinder zwar länger. Die Tendenz ist aber: Immer mehr Eltern wollen ihr Kind nach der Schule bis zum Feierabend um 17 Uhr in einem Hort unterbringen. Deshalb steht die Stadt vor einer Herausforderung. Die derzeit 710 Hortplätze in Dachau reichen nicht mehr aus.

Einige Beispiele: In der Klosterschule in der Altstadt gibt es derzeit überhaupt keinen Hortplatz. Acht Eltern haben dort aber einen Antrag gestellt. Für einen Betreuungsplatz im Schulsprengel Augustenfeld stehen acht Schulkinder auf der Warteliste, in Dachau-Süd sogar 16 Kinder. In Dachau-Ost ist der Bedarf am größten: 28 Eltern warten auf einen Hortplatz.   

Was die Stadt dagegen tun will? In Dachau-Ost soll bis zum Ende des Jahres ein Pavillon mit drei Hortgruppen und einer Mittagsbetreuungsgruppe in der Nähe der Grundschule entstehen. Eine Hortgruppe hat dabei mindestens 25 Kinder, es würden also etwa 75 Plätze entstehen. Auch die Schulkinder auf der Warteliste hätten in dem Pavillon Platz, sagte Hartmann, und die Mittagsbetreuungsgruppe der Grundschule. Sie ist derzeit nur provisorisch im Jugendzentrum Dachau-Ost untergebracht.

An der Grundschule Augustenfeld will die Stadt bis 2020 zwei zusätzliche Hortgruppen mit jeweils 25 Kindern und eine Mittagsbetreuungsgruppe schaffen.

Doch an der Klosterschule gibt es derzeit keine Möglichkeit, einen Hort zu integrieren, sagte OB Hartmann: „Da ist es vom Platz her bisher am schwierigsten.“ Die Schule ist an ihrer Kapazitätsgrenze, alle Klassenzimmer sind belegt. Ein freies Zimmer für einen Hort gibt es nicht, eine Mittagsbetreuung schon. Die Stadt will prüfen, ob in dem Raum eine verlängerte Mittagsbetreuung möglich ist, damit Schulkinder wenigstens bis 15 oder 16 Uhr betreut werden können.

Elisabeth Zimmermann (CSU), ehemalige Lehrerin an der Grundschule, schlug vor, in dem derzeitigen Mittagsbetreuungsraum einen Hort anzubieten. Das will Amtsleiter Haberl prüfen. Sylvia Neumeier (SPD) hingegen fand, dass Ganztagesschulen im Gegensatz zu Horten „der bessere Weg“ wären. Deshalb müsse die Akzeptanz dafür in der Gesellschaft gestärkt werden. Katja Graßl (CSU), selbst Lehrerin, erwiderte: „Ganztagesschulen sind nicht für alle Kinder das Allheilmittel.“ Jürgen Seidl (FDP) zeigte sich insgesamt skeptisch gegenüber dem Hortplatzausbau. Die Stadt solle „bei den Hortplätzen die Handbremse anziehen“. Er warnte davor jede Anfrage zu bedienen, denn das bedeute auch, dass mehr Menschen in den Landkreis kommen: „Wie viel Zuzug können wir uns noch leisten?“, fragte er. Zudem seien die Kommunen nicht gesetzlich verpflichtet, Hortplätze zu schaffen.

Rubriklistenbild: © dpa

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