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Daumen hoch für das Toilettenhäusl: Dieter Moser, Heidi Hager, Hans Seelos und Thea Zimmer vom Seniorenbeirat wollen für weitere Toiletten in Dachau kämpfen. 

Toilettenanlage am unteren Markt

Langer Kampf für ein stilles Örtchen

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Dachau - Fast zehn Jahre lang hat der Seniorenbeirat für ein stilles Örtchen gekämpft. Jetzt steht das Toilettenhäusl in der Münchner Straße. Doch damit ist es für die Senioren noch nicht getan.

Unbekümmert Kaffeetrinken, Sahnetorte schlemmen, über die Münchner Straße flanieren – und vor allem nicht an die Notdurft denken müssen. Dieter Moser (77) vom Seniorenbeirat Dachau hält ein Schreiben an den ehemaligen Oberbürgermeister Peter Bürgel vom 30. Mai 2007 in den Händen. Damals beantragte Moser, eine öffentliche Toilette in der Stadt Dachau zu bauen. „Aber im Stadtrat kamen dann nur dümmliche Ausreden“, kritisiert er. 

Zehn Jahre lang haben die Senioren mit dem Stadtrat gerungen

Einige Jahre später kam der Standort Münchner Straße ins Gespräch. Dort sind die Toiletten nun seit vergangener Woche betriebsbereit. Fast zehn Jahre haben die Senioren gekämpft (wir haben berichtet).

Mit einem breiten Grinsen stehen Heidi Hager (71), Thea Zimmer (82), Hans Seelos (70) und Dieter Moser vom Seniorenbeirat vor dem Toilettenbau in himmelblau mit silbernen Metalltüren. Sie strecken den Daumen in die Höhe. Passanten marschieren an ihnen vorbei, klopfen Dieter Moser auf die Schulter. 

Das stille Örtchen in der Münchner Straße kommt gut an 

Rentner Franz Trenk aus Dachau bleibt sogar stehen, deutet auf die Toiletten und sagt: „Das war höchste Zeit.“ Auch die Mitglieder des Seniorenbeirats sind zufrieden, obwohl der Kampf für das stille Örtchen viel Kraft gekostet hat.

Zunächst kämpften die Senioren für eine Toilette unter der Bahnhofsunterführung. „Doch der Stadtrat hat gemeint, das sei wegen den ganzen Kabeln und Leitungen, die dort verlaufen, zu umständlich“, sagt Moser. Das „Wasserlassen“ war den Senioren aber ein zu wichtiges Thema, als dass sie es wieder vergessen konnten. Die Münchner Straße kam ins Gespräch. 

„Toiletten in der Parkgarage stinken“

Denn dort gab es bisher nur eine öffentliche Toilette – die noch dazu schwer zu finden ist: Sie ist in der Parkgarage bei der Sparkasse. „Man findet sie am besten, wenn man seiner Nase nachgeht“, witzelt Karl Englmann (70) vom Seniorenbeirat. Er meint damit, dass die Toiletten nicht sauber sind – und stinken.

Stadt überlegt Gebühren für Toilettenhäusl einzuführen

Die neue Toilettenanlage am Unteren Markt dagegen ist fast schon luxuriös: Die beiden Kabinen für Frauen und Männer sind geräumig, die Sanitäranlagen aus Edelstahl und die Wände komplett verfliest – alles ist sauber. „Und das soll auch so bleiben“, sagt Thea Zimmer. Die Stadt überlege gerade, Gebühren für die bisher kostenfreie Toilettenanlage einzuführen. „Das wäre auch gut so, damit die Toiletten sauber bleiben“, sagt sie.

Moser: „Stille Örtchen fehlen in Dachau“

Doch mit dem stillen Örtchen am Unteren Markt ist es noch nicht getan. „Wir bräuchten natürlich noch Toiletten am Bahnhof und in der Altstadt“, sagt Moser. Er hat Hoffnung: Wenn das Fahrradhaus hinter dem Bahnhof gebaut wird, sollen auch Toiletten dazu kommen. Zur Zeit gebe es dort nur ein Klo: „Das ist zu wenig“, kritisiert er.

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