Verschmähtes Angebot: Die Busse, hier die Linie 722, fahren leider allzu oft leer durch die Gegend. Das Defizit steigt, auf die Stadt Dachau kommen enorme Kosten zu. Foto. hab
+
Verschmähtes Angebot: Die Busse, hier die Linie 722, fahren leider allzu oft leer durch die Gegend. Das Defizit steigt, auf die Stadt Dachau kommen enorme Kosten zu. Foto. hab

SPD Dachau will Zehn-Minuten-Takt ausdünnen

Leere Busse, dickes Defizit

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
    schließen

Die Dachauer SPD will, um Geld zu sparen, den Zehn-Minuten-Takt auf den städtischen Buslinien „ausdünnen“. Doch die Maßnahme kommt, so sie denn vom Stadtrat überhaupt mitgetragen wird, reichlich spät. Die zur Einführung des neuen Takts nötig gewordenen Millionen-Investitionen und Finanzierungsvereinbarungen sind nämlich getätigt. Auf die Stadt rollt damit eine Kosten-Lawine zu.

Dachau – Vor fünf Wochen begann in Dachau die Verkehrswende: Statt wie bisher im 20-Minuten-Takt verkehren seitdem die Linien 720, 722 und 726 im Zehn-Minuten-Takt durch die Große Kreisstadt. Dadurch, so die vollmundigen Versprechen der Verantwortlichen aus Stadt und Stadtrat, würden Angebotsqualität und Beförderungskapazitäten verdoppelt und – dank umweltfreundlicher MAN-Erdgasbusse – die Luftqualität verbessert.

Einzig die hohen Kosten hatten von Anfang an ein Schlaglicht auf das Prestigeprojekt geworfen. Speziell der Kauf der vergleichsweise teuren Erdgasbusse – vom Stadtrat mehrheitlich gewünscht – und damit einhergehend der Bau einer eigenen Erdgastankstelle sowie neuer Bushallen sorgte bei den Verantwortlichen der Stadtwerke für Kritik. Und auch die Stadtverwaltung, Seit an Seit mit Oberbürgermeister und dessen SPD-Fraktion, wollte im April letzten Jahres die Einführung des Zehn-Minuten-Takts noch stoppen: Wegen der damals noch jungen Coronapandemie waren die Einnahmen durch Beförderungsentgelte im Großraum München massiv gesunken. Angesichts der Tatsache, dass im vergangenen Frühjahr die neuen Busse noch nicht bestellt und die neuen Bushallen noch nicht im Bau waren, hatte Kämmerer Thomas Ernst daher den Stadtrat dringend gebeten, das Projekt zu verschieben: „Der Zehn-Minuten-Takt ist eine immense Aufgabe. Und die könnte unter Umständen zu einem riesigen Problem werden.“

Vor allem CSU, Grüne und Bündnis für Dachau aber schlugen Ernsts Warnung in den Wind. Im folgenden August wurde Spatenstich gefeiert für den Bau der neuen Bushallen samt Erdgastankstelle, im Oktober wurden die ersten zwölf Erdgasbusse – die Stadt hat einen Rahmenvertrag über die Bestellung von 30 Bussen unterschrieben – ausgeliefert. Knapp 10 Millionen Euro investierten die Stadtwerke in den Start der Verkehrswende – in der Hoffnung, dass die Bürger sich davon ähnlich begeistert zeigen wie viele der Stadträte.

Doch dies ist nun, so viel ist nach fünf Wochen Betrieb klar, nicht der Fall. „Die Realität zeigt, die städtischen Busse fahren zur Zeit leider leer“, wie die Dachauer SPD feststellt. Weshalb sie, nach der Ablehnung der Zehn-Minuten-Takt-Verschiebung im Frühjahr, jetzt einen neuen Anlauf wagt und zumindest die Ausdünnung des Takts fordert: So könnten in Pandemie-Zeiten zumindest ein wenig „Personal- und Treibstoffkosten gespart“ werden.

Ob diese Maßnahme nun das sprichwörtliche Kraut noch fett macht, glauben die Verantwortlichen jedenfalls nicht. Stadtwerke-Chef Robert Haimerl findet ganz grundsätzlich, dass „der Stadtbusverkehr in der Vergangenheit nicht kostendeckend war und es (mit und ohne Corona) auch zukünftig nicht sein wird“. Die Frage, ob sich der Zehn-Minuten-Takt lohne, ist laut Haimerl „somit finanziell leicht beantwortet“.

Dachaus Kämmerer Thomas Ernst findet ebenfalls, dass angesichts der im Sommer getätigten Investitionen in Busfahrer, Busse und Bushallen sowie zahlreicher Straßenumbauten zur Busbeschleunigung „die wesentlichen Kostenblöcke jetzt da sind. Wenn, dann hätten wir im Frühjahr reagieren müssen“. Dass die Stadtwerke im Jahr 2020 nicht ein wesentlich dickeres Minus verzeichnen mussten, lag Ernst zufolge allein am ÖPNV-Rettungsschirm des Bundes und des Freistaats, der Verkehrsbetrieben coronabedingte Ausfälle bei Fahrgelderlösen erstattete.

Mittel- bis langfristig sieht Ernst daher auf die Stadt enorme Kosten zukommen. Bislang nämlich teilen sich die Netto-Kosten für den Busverkehr die Stadt (30 Prozent), die Stadtwerke (30 Prozent) und der Landkreis (40 Prozent) auf. Angesichts wegfallender Einnahmen aus dem Busticketverkauf „wird die ungedeckte Masse“ größer, so Ernst. Das heißt, der Eigenanteil der Stadt – zuletzt ohnehin schon bei 1,3 Millionen Euro – dürfte steigen.

Und dann gibt es ja auch noch die Vereinbarung mit dem Landkreis, dass dieser den teuren Zehn-Minuten-Takt nur mitfinanziert – zuletzt übrigens mit 1,5 Millionen Euro – wenn im Schnitt pro Fahrt mindestens zehn Personen im Bus sitzen. „Das Bewegen von heißer Luft“, so hatte es Landrat Stefan Löwl formuliert, mache ökologisch wie ökonomisch nämlich keinen Sinn. Für die Stadt kann die Vereinbarung daher zum „Problem“ werden, wie Ernst zugibt: „Wenn nachhaltig in jedem Bus nur ein paar Leute sitzen, werden wir uns Gedanken machen müssen, wie lange wir uns das noch leisten können.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare